Trotz Coronakrise Bürgerbewegung Finanzwende kritisiert Banken wegen hoher Dispozinsen

Wegen der Coronakrise ist bei vielen Menschen das Geld knapp. Wenn aber Kunden ihr Girokonto überziehen, schlagen die Institute richtig zu. Eine Bürgerbewegung fordert nun niedrigere Zinssätze.
Wer regelmäßig einen teuren Dispokredit braucht, sollte lieber auf Ratenkredite zugreifen

Wer regelmäßig einen teuren Dispokredit braucht, sollte lieber auf Ratenkredite zugreifen

Foto: imago images/McPHOTO

Banken verlangen in der Coronakrise von ihren Kunden durchschnittlich Dispozinsen in Höhe von zehn Prozent. Das belegt eine Auswertung der FMH-Finanzberatung für die Bürgerbewegung Finanzwende. Zwischen einzelnen Banken und Sparkassen reichte die Spanne von 0 bis 13,75 Prozent.

In einem offenen Brief fordert Finanzwende die drei großen Bankenverbände deshalb dazu auf, eine Empfehlung an ihre Mitglieder abzugeben. Diese sollten in der Coronakrise und angesichts Nullzinszeiten keine Dispozinsen ab zehn Prozent verlangen. "Wir halten Dispozinsen von zehn Prozent und mehr in der derzeitigen Phase für deutlich überhöht. Banken und Sparkassen sollten durch überhöhte Zinsen nicht zu einem unnötig hohen Schuldenberg beitragen", sagt Julian Merzbacher, Verbraucherschutzexperte bei Finanzwende.

Der gemeinnützige Verein sieht angesichts der Coronakrise die Gefahr, dass in den kommenden Wochen und Monaten immer mehr Menschen auf den Dispokredit zurückgreifen müssen. "Menschen, die bereits zuvor wenig Einkommen hatten, sind nun oftmals in einer noch schwierigeren Lage - und das unverschuldet. Banken sollten sich ihrer gesellschaftlichen Verantwortung gerade in Krisenzeiten bewusst sein - auch beim Thema Dispozinsen", so Merzbacher.

Das Hamburger Institut für Finanzdienstleistungen (IFF) warnt wegen der Coronakrise bereits vor wachsender Überschuldung bei Privatpersonen. Zwar hat der Bundestag Ende März beschlossen, dass Kunden die Raten für Verbraucherkredite zunächst mindestens drei Monate aussetzen können, wenn sie ernsthafte wirtschaftliche Probleme wegen der Coronakrise haben. Das gilt aber nicht für Dispokredite. "Das halten wir für einen Fehler", sagt Kerstin Föller von der Verbraucherzentrale Hamburg.

Seit Jahren kritisieren Verbraucherschützer bereits die hohen Zinssätze. Denn die Banken kommen derzeit so günstig an Geld wie nie zuvor: Der Leitzins liegt seit Jahren bei null Prozent, Banken können sich bei der Europäischen Zentralbank (EZB) also extrem günstig Geld leihen.

Dispokredite bleiben für die Kunden trotzdem teuer. Denn sie sind eine extrem lukrative Einnahmequelle für die Banken: Laut einer repräsentativen Forsa-Umfrage vom November 2019 gingen über zehn Millionen Menschen davon aus, dass sie in der Weihnachtszeit auf den Dispokredit zurückgreifen müssen. Dass Banken die Kreditzinsen nicht senken wollen, ist also verständlich: Wer etwa jeden Monat für zwei Wochen durchschnittlich 1000 Euro des Dispokredits beansprucht, zahlt im Jahr bei einem Zinssatz von 13,75 Prozent etwa 63 Euro.

 Tipps für Verbraucher

  • Das Girokonto sollte nur im Notfall überzogen werden und dann auch nur für kurze Zeit. Der Dispokredit ist der teuerste Kredit einer Bank. Günstiger sind Ratenkredite, im Zweifelsfall sollte man mit seinem Bankberater über eine Umschuldung sprechen.

  • Wer regelmäßig einen Dispokredit - für kurzzeitige Überziehungen - braucht und bei einer der teuren Banken ist, sollte sein Institut wechseln, und bei der Suche nach einer neuen Bank auf die Dispozinsen und Kontoführungsgebühren achten.

  • Banken und Sparkassen dürfen keine Bearbeitungsgebühren berechnen, wenn Kunden ihr Konto überziehen. Eine entsprechende Klausel in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) der Kreditinstitute ist nicht gültig.

hej