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01. September 2011, 15:19 Uhr

Trotz EU-Verbot

Wo man jetzt noch Billigbirnen kriegt

Von Katharina Pauli

Die 60-Watt-Glühbirnen sollen vom Markt verschwinden, so will die EU die Nachfrage nach Energiesparlampen anheizen - doch die sind deutlich teurer. Wer in letzter Minute noch alte Leuchten haben will, hat gute Chancen: Händler bieten massenhaft Restposten an.

Hamburg - Die Hamsterkäufer sind unterwegs: Um sich für das Verbot der 60-Watt-Lampen zu wappnen, haben sich viele Deutsche in den vergangenen Tagen mit den Birnen eingedeckt. Die Händler vermelden reißende Umsatzsteigerungen.

Am letzten Augusttag gab es zum Beispiel bei der Hamburger Drogeriemarktkette Budnikowski noch rund 4000 Philips 60-Watt-Glühbirnen. Jetzt sind nur noch 1200 da. "Wir haben noch Restbestände, aber es werden minütlich weniger", sagt Budnikowski-Sprecherin Wiebke Spannuth.

Viele Bürger trauern den Glühbirnen schon jetzt nach. Sie sind deutlich günstiger als Energiesparlampen und brauchen im Gegensatz zu dem Ökopendant keine Anlaufzeit, bis sie richtig hell werden. Einige Verbraucher bemängeln zudem, dass Energiesparlampen kein gemütliches Licht spenden. Die Hersteller haben darauf reagiert und werben mit speziellen Ökobirnen, die warmes Licht erzeugen sollen. Der Nachteil der alten Leuchten ist jedoch, dass sie viel Wärme abgeben - und damit Energie verschwenden. Darum nimmt die EU die alten Glühbirnen schrittweise vom Markt. Nach 100- und 75-Watt-Birnen sind nun die Lampen mit mehr als 40 Watt dran.

Seit dem 1. September dürfen keine neuen Bestände mehr in den Handel kommen, Restbestände dürfen aber noch verkauft werden. Für Ärger bei den Kunden sorgte am Mittwoch die Nachricht, dass Osram und Philips die Preise für die Ökoleuchten kräftig erhöhen möchten. Teilweise um bis zu 25 Prozent wollen die Hersteller die Preise wegen gestiegener Rohstoffkosten anheben.

Wer in den vergangenen Tagen vergessen hat, sich mit Glühbirnen einzudecken, kann dies nachholen: Derzeit gibt es noch gute Chancen, sich aus Restbeständen zu bedienen: "Wir haben uns eingedeckt und rechtzeitig 60-Watt-Birnen bevorratet", sagt etwa Harald Günter, Sprecher der Baumarktkette Praktiker. Die Wahrscheinlichkeit, im nächsten Markt noch eine der Lampen zu finden, sei hoch.

Online gibt es noch Restbestände

Durch mehrere Aktionen sollen die Glühbirnen in den 236 Baumärkten günstig an den Mann gebracht werden: "Ab kommender Woche starten wir eine Restposten-Aktion und verkaufen die Lampen deutlich billiger", sagt Günter. Dass sie sich gut verkaufen werden, steht für ihn fest. Bereits in den vergangenen Tagen habe das Unternehmen aufgrund der Berichterstattung einen deutlichen Anstieg der Nachfrage gespürt.

Auch Obi verkauft noch Restbestände: "In nahezu allen Märkten gibt es noch 60-Watt-Glühbirnen, die Wahrscheinlichkeit ist also hoch, noch welche zu bekommen", sagt Baumarktketten-Sprecherin Susanne Schulte. Schon in den vergangenen Tagen habe es eine größere Nachfrage nach den alten Lampen gegeben.

Wer lieber online shoppt, findet auch hier reichlich Restbestände: Ein Preisvergleich bei idealo.de zeigt, dass dort über ein Dutzend Händler 60-Watt-Birnen anbieten. Christian Räbel vom Online-Händler leuchtmittelmarkt.com hat in den vergangenen Tagen einen extremen Anstieg der Nachfrage bemerkt: "Die Bestellungen haben sich fast verdoppelt." Vor allem die Berichterstattung in den Medien habe bei den Kunden zu einem "Glühbirnen-Hype" geführt. Darum hat der Online-Händler noch rechtzeitig 90.000 der alten 60-Watt-Birnen beim Hersteller bestellt.

Wer am Donnerstag von dem Aus der 60-Watt-Lampen überrascht wurde, braucht sich derweil nicht zu schämen. Denn so ging es einer breiten Mehrheit der Deutschen: Eine Forsa-Umfrage im Auftrag von Osram im August hat gezeigt, dass nur knapp jeder Fünfte überhaupt über das Verschwinden der Glühlampen informiert ist.

Räbel kritisiert, die Verbraucher seien falsch aufgeklärt worden: "Viele glauben, es gibt ab sofort gar keine alten Glühbirnen mehr. Dabei wird noch alles verkauft, was schon im Umlauf ist." Kunden werden vermutlich noch die kommenden Monate 60-Watt-Lampen bekommen können, vermutet der Experte.

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