Gehaltsentwicklung Paketboom geht an Zustellerinnen und Zustellern vorbei

Obwohl die Paketbranche seit Jahren rasant wächst, steigen die Gehälter der Zustellerinnen nur unterdurchschnittlich. Die Durchschnittslöhne von Supermarktmitarbeitern sind in der Coronakrise sogar gesunken.
Mitarbeiter eines Paketzentrums in Bochum: Wochenendarbeit ist die Regel

Mitarbeiter eines Paketzentrums in Bochum: Wochenendarbeit ist die Regel

Foto: Marcel Kusch / dpa

Vom Boom im Onlinehandel und Rekordlieferungen im Weihnachtsgeschäft profitieren Paketzustellerinnen und -zusteller nur wenig. In den vergangenen zehn Jahren stieg das Gehalt bei Post-, Kurier- und Expressdiensten deutlich langsamer als in der gesamten Wirtschaft. Das zeigen Zahlen des Statistischen Bundesamts.

Demnach legte der Bruttomonatsverdienst aller Beschäftigten der Branche gemessen am Jahr 2010 um 15,6 Prozent zu. In der gesamten Wirtschaft waren es im selben Zeitraum plus 25,6 Prozent.

Arbeitnehmerinnen bei Post-, Kurier- und Expressdiensten werden damit vergleichsweise schlecht bezahlt. 2019 erhielten Vollzeitbeschäftigte im Mittel 2924 Euro brutto im Monat – rund 1000 Euro weniger als der Durchschnitt aller Beschäftigten von 3994 Euro. Bei vielen Menschen in der Branche lag der Verdienst noch deutlich niedriger: Angelernte Kräfte erhielten 2403 Euro im Monat brutto und ungelernte im Schnitt 2019 Euro.

Außerdem haben die Beschäftigten selten eine geregelte Arbeitswoche. Zwei von drei Erwerbstätigen bei Post-, Kurier- und Expressdiensten arbeiteten 2019 auch am Wochenende und an Feiertagen, so die Statistiker. 15 Prozent lieferten auch in Nachtschichten aus.

Mit dem Boom des Onlinehandels erleben Post-, Kurier- und Expressdienste seit Jahren einen Aufschwung, der in der Coronakrise nochmals Fahrt aufnahm. Von Januar bis September stieg der Umsatz im Onlinehandel preisbereinigt um mehr als 21 Prozent gemessen am Vorjahreszeitraum. Das Weihnachtsgeschäft verspricht neue Rekorde: Der Bundesverband Paket und Expresslogistik (Biek) prognostizierte zuletzt, dass im November und Dezember etwa 420 Millionen Pakete zugestellt werden – 60 Millionen mehr als ein Jahr zuvor.

Durchschnittslöhne in Supermärkten sinken

Neben Paketzustellern sind auch Supermarkt-Mitarbeiterinnen besonders von der Coronakrise betroffen. Denn der Lebensmittelhandel gehörte zu den wenigen Branchen, die während des ersten Lockdowns geöffnet blieben. Dennoch haben Mitarbeiter in deutschen Supermärkten 2020 im Schnitt weniger verdient als im Vorjahr. Das gehe aus Zahlen des Statistischen Bundesamts hervor, welche die Linken-Bundestagsfraktion abgefragt habe, berichtet das Redaktionsnetzwerk Deutschland.

Demnach fiel der durchschnittliche monatliche Bruttoverdienst von Beschäftigten im Einzelhandel mit Nahrungs- und Genussmitteln, Getränken sowie Tabakwaren in Verkaufsräumen von 1471 Euro im zweiten Quartal 2019 auf 1411 Euro im zweiten Quartal dieses Jahres. Das entspricht einem Rückgang von 60 Euro oder rund vier Prozent.

Noch deutlicher fiel der Rückgang demnach bei Vollzeitbeschäftigten aus. Für sie sank der durchschnittliche monatliche Bruttolohn von 2421 Euro im zweiten Quartal 2019 auf 2254 Euro im zweiten Quartal dieses Jahres. Das sind 167 Euro oder knapp sieben Prozent weniger.

Sinkende Wochenstundenzahlen waren dem Bericht zufolge nicht für den Rückgang verantwortlich. Vielmehr sei die Zahl der bezahlten Wochenarbeitsstunden zwischen den beiden Vergleichszeiträumen sogar von 35,3 auf 37,9 Stunden angestiegen, was auf den Kundenansturm während des ersten Shutdowns im Frühjahr zurückzuführen sein dürfte. Damals hatten Hamsterkäufe den Handelsketten Rekordumsätze beschert.

Dass die Durchschnittslöhne trotz der Umsatzrekorde sinken, kritisierte Linken-Fraktionschef Dietmar Bartsch scharf. »Ist das der Dank für diejenigen, die das Land am Laufen halten?«, zitierte ihn das RND. Es dürfe nicht sein, »dass sich die Eigentümer von Aldi, Lidl, Rewe und Edeka in der Coronakrise die Taschen voll hauen, und bei den Verkäuferinnen und Verkäufern, die täglich am Anschlag arbeiten und ihre Gesundheit aufs Spiel setzen, kommt nichts an.«

dab/dpa/AFP
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