Türkische Banken in Deutschland Ist mein Geld jetzt noch sicher?

Mehr als zehn Milliarden Euro haben Kunden in Deutschland bei Banken mit türkischen Verbindungen geparkt. Was sie nun beachten sollten.

Denizbank-Filiale
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Eine Kolumne von


Seit Ende der Neunzigerjahre drängen türkische Banken auf den deutschen Markt. 1999 zum Beispiel bot die Demir-Halk Bank, heute unter DHB bekannt, fünf Prozent Zinsen auf einjähriges Festgeld - doppelt so viel wie deutsche Banken.

Auch heutzutage werben diese Institute mit Tagesgeld- und Festgeldangeboten, die oft deutlich besser sind als vieles, was deutsche Banken bieten. Sie locken zudem mit konkurrenzfähigen Kreditzinsen. Und selbstverständlich bieten sie den türkischstämmigen Landsleuten einen Service für den Transfer von Einkommen und Erspartem in die alte Heimat.

Aber wie sicher ist das Geld in der aktuellen Krise nach dem Putschversuch?

Die Banker können Landsleute und andere Kunden darauf verweisen, dass das Geld bei ihnen sicher ist - und zwar sicher nach den Regeln der EU. Die Manager der Gründungszeit in den Neunzigerjahren hatten sich nämlich einen besonderen Kniff ausgedacht: Sie gründeten Töchter vor allem in den Niederlanden und in Österreich mit einer Banklizenz dieser EU-Staaten und mit einer staatlichen Einlagensicherung in beiden Ländern, die damals sogar besser war als die deutsche.

Während seinerzeit hierzulande nur 90 Prozent der ersten 20.000 Euro auf Spar-, Tagesgeld- und Festgeldkonten abgesichert waren, schützten die Regierung in Wien und Den Haag die ersten 20.000 Euro komplett. Heute sind bei allen Banken EU-weit 100.000 Euro garantiert.

Sicherung durch die staatliche Einlagensicherung...

Zu den prominentesten Gründungen gehört die 2012 von der russischen Sberbank übernommene Denizbank, die ihren Sitz in Österreich hat. Acht Milliarden Euro an Einlagen weist die Bank mit 160.000 Kunden in ihrem Geschäftsbericht 2015 aus. Auch die deutlich kleinere Vakifbank ist von Österreich aus auf dem deutschen Markt aktiv.

Die Garantibank, in den Niederlanden ansässig, nennt keine eigenen Zahlen für Deutschland, berichtet aber von Tagesgeldeinlagen in Höhe von 1,2 Milliarden Euro auf ihren Konten und von Festgeld von mehr als 1,1 Milliarden Euro. Der niederländische Konkurrent Yapi Kredi Bank (sie gehört zum türkischen Koç-Konzern) führt nach eigener Aussage Kundeneinlagen in Höhe von 1,1 Milliarden Euro. Und die DHB nennt auf ihrer Homepage Einlagen von 1,3 Milliarden Euro.

Die Zahlen zeigen, dass inzwischen mehr als zehn Milliarden Euro an deutschen Kundengeldern auf den Konten der türkischstämmigen Banken liegen. Das ist eine beträchtliche Summe, auch wenn sie im Vergleich zu den 100 Milliarden, die die Deutsche Bank auf solchen Kundenkonten liegen hat, zu den 80 Milliarden bei den ostdeutschen Sparkassen und den 120 Milliarden Kundeneinlagen bei der ING-Diba eher klein anmutet. Für hunderttausende Kunden ist das aber doch ein wesentlicher Teil ihrer Ersparnisse.

...und die jeweiligen Bankenverbände

Jenseits der staatlichen Einlagensicherung gab es damals und gibt es heute natürlich auch die Sicherungssysteme der jeweiligen Bankenverbände. Und tatsächlich sind inzwischen auch drei Banken mit türkischen Wurzeln prominent und direkt in Deutschland am Start - mit dem deutschen Einlagensicherungssystem: die Akbank, die Oyak Anker Bank und die Ziraat Bank.

Alle drei sind Mitglieder im Einlagensicherungsfonds der Privatbanken. Dort sind jenseits der 100.000-Euro-Grenze pro Kunde jeweils 20 Prozent des haftenden Eigenkapitals der Banken geschützt. Praktisch heißt das, bei einer Pleite würden jedem einzelnen Kunden Kontostände auch in zweistelliger Millionenhöhe komplett ersetzt.

Die deutschen Einlagensicherungssysteme können sicher nicht die ganz große Krise abfangen. Aber der Einlagensicherungsfonds der privaten Banken hat in den Jahren 2008 und 2009 nach der Pleite der deutschen Tochter der Lehman Brothers den institutionellen Kunden, also zum Beispiel Krankenkassen, immerhin insgesamt sechs Milliarden Euro an Entschädigung für verlorenes Geld ausgeschüttet. In diesem Jahr haben die institutionellen Kunden der kanadischen Maple Bank nach deren Pleite rund 2,6 Milliarden Euro ausgeschüttert bekommen.

Der Kniff, Töchter in einem EU-Land zu gründen, zahlt sich auch in der aktuellen Krise aus. Die Ersparnisse Hunderttausender Kunden sind dem unmittelbaren Krisenbereich entzogen. Denn es handelt sich rechtlich ja um deutsche, österreichische oder niederländische Banken.

Ist mein Geld sicher?

Wenn Sie jetzt überlegen, Ihr Geld gerade dort anzulegen, können Sie also den klassischen zweistufigen Sicherheitstest machen.

  • Erstens fragen Sie: Wie sicher ist die Bank selbst? Das heißt: Wie wahrscheinlich ist es, dass sie ins Schlingern kommt oder gar pleitegeht? Nächste Woche Freitag werden zwar die Ergebnisse des Stresstests der europäischen Großbanken vorgestellt, aber die hier genannten Häuser gehören nicht zu den untersuchten Instituten. Stattdessen bietet es sich an, die Einstufungen der einschlägigen Rating-Agenturen zu nutzen.
  • Dann geht es zur zweiten Frage: Wie belastbar sind die Einlagensicherungssysteme in den Staaten? Diese Frage haben wir schon geklärt: Denn sowohl die Niederlande als auch Österreich und Deutschland werden von den Experten als finanzkräftig eingeschätzt.

So gesehen könnte man Anlagen bei manchen türkischstämmigen Banken selbst in der aktuellen türkischen Krise empfehlen, wenn denn die Zinsen stimmten.

Die sind zwar immer noch deutlich höher als bei vielen deutschen Kreditinstituten. Zinsfrechheiten mit 0 oder 0,01 Prozent, wie bei vielen deutschen Banken und Sparkassen, gibt es bei keiner der ursprünglich türkischen Banken. Aktuell allerdings schafft es trotzdem keines der Geldhäuser, zu den besten und sicheren Adressen auf dem deutschen Markt zu gehören.

Zum Autor
  • Finanztip
    Hermann-Josef Tenhagen (Jahrgang 1963) ist Chefredakteur von "Finanztip". Der Verbraucher-Ratgeber ist gemeinnützig. "Finanztip" refinanziert sich über sogenannte Affiliate-Links. Mehr dazu hier.

    Tenhagen hat zuvor als Chefredakteur 15 Jahre lang die Zeitschrift "Finanztest" geführt. Nach seinem Studium der Politik und Volkswirtschaft begann er seine journalistische Karriere bei der "Tageszeitung". Dort ist er heute ehrenamtlicher Aufsichtsrat der Genossenschaft. Bei SPIEGEL ONLINE schreibt Tenhagen wöchentlich über den richtigen Umgang mit dem eigenen Geld.
insgesamt 22 Beiträge
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Seite 1
schmic79 23.07.2016
1. Demirbank
Von der Demirbank besaß ich in den 2000ern mal Aktien..... dann verstaatlichte die Tuerkei diese Bank. Ich wurde enteignet. Eine Entschaedigung bekam ich nicht. Sowas nennt sich dann Rechtssicherheit.... deshalb empfehle ich jedem, bei Geschaeften aufzupassen, die irgendwie die Tuerkei beruehren....
genugistgenug 23.07.2016
2. Unterstützung einer Diktatur?!
Sicher ist eine Frage - die andere ist wie weit man diese Diktatur mit seinem Geld unterstützen will. Da bleibt nur übrig das Geld abzuziehen und so die Finanzversorgung auszutrocknen.
frankfurtbeat 23.07.2016
3. es ist auch ...
sorry ber es ist auch etwas naiv in derartige Systeme zu investieren. Da lese ich nicht mal irgendwelche Prospekte ... Letztendlich ist das "Zinsverbot" dieser Länder eine verdeckte Lachnummer - das Geld wird eben hintenrum verdient und wird nicht offen Zins genannt?! Nein, ich bin kein Freund von Zinseszins doch diese Scheinheiligkeit geht mir auf den Wecker. Alkohol wird im dunklen Nebenzimmer konsumiert wo es der Prophet nicht sieht, Bordelle sind einfach so da damit diese eben da sind ...
Badischer Revoluzzer 23.07.2016
4. Wer trägt
denn sein Geld heute noch auf die Bank? Ja, wie antiquiert ist denn so was ? Dabei ist es doch völlig egal, welche Bank das ist, und wo sie herkommt.
privado 23.07.2016
5. Zeichen setzen
Jeder Bürger kann ein Zeichen gegen die türkische Diktatur setzen, indem er die Türkei und türkische Produkte ab sofort meidet. Es ist ganz einfach.
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