Hermann-Josef Tenhagen

Krise in Osteuropa Der Krieg treibt die Inflation – so schützen Sie Ihr Geld

Hermann-Josef Tenhagen
Eine Kolumne von Hermann-Josef Tenhagen
Die hohen Energiepreise könnten die Teuerungsrate schon im März auf acht Prozent springen lassen. Was Sie dagegen tun können.
Erdgasleitungen (in Stuttgart): Heizen und Tanken werden teurer

Erdgasleitungen (in Stuttgart): Heizen und Tanken werden teurer

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Marijan Murat / dpa

Vor einer Woche habe ich an dieser Stelle gewarnt, dass das eine oder andere Unternehmen den Krieg in der Ukraine zum Anlass nimmt, um sich bei seinen Kunden zu bereichern. Wie sich herausstellt, sind es leider relativ viele. Und weil es auch im Energiesektor viele sind, könnte die Inflation für März auf acht Prozent springen. Nehmen Sie das aber nicht einfach hin und passen Sie Ihre Geldanlage  an, wenn diese noch nicht gut aufgestellt ist.

Die Preisentwicklung ist rasant: Der Dachverband der Versorger BDEW und das Vergleichsportal Verivox berichteten diese Woche, dass der Gaspreis  von 6,65 Cent pro Kilowattstunde im vergangenen Frühjahr auf mittlerweile 13 Cent gestiegen ist. Esyoil  meldet einen Anstieg beim Heizölpreis von 60 Cent im März 2021 auf nun 1,70 Euro im bundesweiten Schnitt.

Und der ADAC rechnet vor, dass Super E10 von 1,45 Euro im März 2021 auf jetzt 2,20 Euro gestiegen ist, Diesel sogar von 1,31 Euro auf 2,30 Euro . Der Preisanstieg bei Rohöl erklärt diese Preise an den Tankstellen nicht . Der Bundeswirtschaftsminister hat deshalb jetzt das Kartellamt gebeten, sich die Preise mal genau anzuschauen. Die möglichen Vorwürfe: Preisabsprachen und Spekulation zulasten der Verbraucherinnen und Verbraucher.

Die direkten Energiekosten machen rund zehn Prozent im Warenkorb des Durchschnittsbürgers aus, so das Statistische Bundesamt. Mit den oben beschriebenen Steigerungen und einer Inflation von drei Prozent für die restlichen 90 Prozent des Warenkorbs (Miete, Lebensmittel et cetera) läge die Inflation im März bei knapp acht Prozent.

Was können, was müssen Sie tun? Vor allem zwei Dinge.

Erstens: Senken Sie Ihre persönliche Inflationsrate

Sparen Sie Energie. Auch, wenn Sie es vielleicht nicht mehr hören können.

In der Wohnung:

  • Ein neues Thermostat einbauen und die Raumtemperatur auf 20 Grad einstellen – von den aktuell wahrscheinlichen 22 Grad.

  • Den Klempner beauftragen, er möge bitte einen hydraulischen Abgleich vornehmen, damit Ihre Heizungsanlage optimal eingestellt ist. Neue Thermostate und die Klempnerleistung werden mit 20 Prozent gefördert .

  • Nachts und wenn Sie nicht zu Hause sind, die Temperatur ruhig noch ein wenig weiter herunterregeln.

  • Richtig lüften, also Stoßlüften, nicht stundenlang die Fenster auf Kipp.

  • Wenn Sie Heizöl kaufen müssen, kaufen Sie wenig und machen Sie einen Preisvergleich . Vielleicht hilft der politische Druck, dass die Preise für Kunden wieder ein wenig sinken und die Abzocke der Verbraucher eingeschränkt wird.

  • Wenn Ihr Gasvertrag ausläuft, wählen Sie vorläufig den am wenigsten teuren (von günstig kann zurzeit keine Rede sein) mit kurzer Laufzeit. Im Finanztip Newsletter zum Energiesparen kamen insgesamt 24 Punkte  zusammen.

Mittel- bis langfristig ist es sinnvoll, die Heizung zu modernisieren und das Haus besser zu dämmen. Denn das Dilemma der meisten Verbraucherinnen und Verbraucher ist, dass ihr Wärmebedarf hoch ist. Brennstoffe werden im Vergleich zu den vergangenen zehn Jahren aber eher teuer bleiben. Vertrauen Sie keinesfalls darauf, dass die Preise wieder das Niveau von 2020 erreichen.

Bei der Mobilität:

  • Spritsparend Auto fahren. 160 km/h sind ein Drittel teurer als 130. Tempo 100 bringt noch viel mehr, ihr Auto hat wahrscheinlich sogar einen Tempomat. Der ADAC zeigt in Videos, wie nur durch angepasstes Fahren 20 Prozent Benzin eingespart werden können.

  • Richtig aufgepumpte Reifen, abgebaute Dachreling und ein Pkw, der nicht als Warenlager benutzt wird, helfen auch . Jedes Kilo extra im Kofferraum kostet Benzin und damit Geld. Die Dachreling erhöht den Verbrauch um einen Liter auf 100 Kilometer, und 50 Kilo zusätzlich im Auto brauchen 50 Liter Sprit zusätzlich im Jahr, wenn Sie 15.000 Kilometer fahren.

  • Nutzen Sie eine Tank-App . Die Preisunterschiede betragen bis zu 20 Cent zur gleichen Zeit. Wenn das Kartellamt gegen mögliche Preisabsprachen vorgeht, umso besser.

Vergleichen Sie auch sonst die Preise. Nicht nur am Samstag beim Wochenendeinkauf beim Discounter, sondern auch bei allen größeren Anschaffungen – mit Preissuchmaschinen  wie Idealo.de oder billiger.de.

Zweitens: Bringen Sie Ihr Erspartes in Sicherheit

Das ist allerdings einfacher gesagt als getan. Im Kern läuft eine erfolgreiche Strategie darauf hinaus, das Geldanlegen einmal besser zu planen.

Sie brauchen dafür gedanklich drei Töpfe.

Der erste ist Ihr Girokonto, auf dem Sie Ihr monatliches Geld haben.

  • Wählen Sie ein Konto aus, das nichts oder nur geringe Gebühren kostet. Gerade älteren Kundinnen und Kunden werden oft Kontomodelle verkauft, für die sie mehr als 200 Euro im Jahr zahlen sollen. Das können Sie vermeiden .

  • Sorgen Sie dafür, dass alle Rechnungen pünktlich bezahlt werden. Mahngebühren  und Inkassokosten machen das Leben unnötig teuer und gefährden Ihre Kreditwürdigkeit, wenn Sie die denn mal einen Kredit brauchen.

  • Es schadet nichts, bei der Wahl des Girokontos auch zu schauen, welche Dispozinsen im Zweifel fällig werden, wenn Sie das Konto doch einmal überziehen müssen.

Der zweite Topf ist Ihr Tagesgeldkonto. Dort parken Sie zum einen Ihre eiserne Reserve. Sie haben noch keine eiserne Reserve? Dann wird es jetzt aber Zeit. Zwei bis drei Monatseinkommen sollten dort liegen. Die Zinsen sind zu vernachlässigen, wichtig ist, dass Ihr Tagesgeldkonto Ihnen hilft, den Dispo zu vermeiden. Der Dispozins beträgt bei vielen Banken zehn Prozent. Noch schlimmer sind Sie dran, wenn Sie den Job verlieren oder Ihre Geschäfte nicht so gut laufen. Denn dann könnten die Banken Ihren Dispo von heute auf morgen beschneiden und so Ihre finanzielle Handlungsfähigkeit einschränken. Schaffen Sie sich Freiraum. Jeder Euro zu wenig auf ihrem Notfallkonto  kostet sie später womöglich viel Zinsen und bringt Sie in Schwierigkeiten.

Sie können auf dem Tagesgeldkonto zum anderen auch einen zusätzlichen Teil des Geldes schwankungssicher anlegen, dann ist der Erfolg der gesamten Anlage nicht so von der Börsenentwicklung abhängig. Sie entscheiden dann, dass Sie die entsprechenden Kaufkraftverluste bei fünf oder mehr Prozent Inflation besser verschmerzen können als Schwankungen an der Börse. Zudem können Sie unter Umständen dem Verwahrentgelt der Banken entgehen, wenn Sie höhere Beträge auf Girokonto und Tagesgeld aufteilen.

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Dritter Topf: Ihr Depot oder Ihre Geldanlage. Bei einer Inflation von mehr als fünf Prozent ist jeder Euro, den Sie zu viel auf Ihrem Notfallkonto haben, ein Euro, dessen Wert empfindlich schrumpft. Jenseits des Girokontos sollten Sie deshalb Ihr Geld wirklich anlegen. Dafür bieten sich immer Strategien an, bei denen Sie in Sachwerte investieren.

  • Die einfachste Anlage in Sachwerten ist der Kauf von Aktien, also der Kauf von Firmenanteilen. Und der geht wiederum am einfachsten, wenn Sie Fonds kaufen – am besten Indexfonds, die einen weltweiten Aktienindex kopieren. Diese Art von Anlage hat eine Reihe von Vorteilen – und einen zentralen Nachteil.

  • Erster Vorteil: Sie können hier mit 25 Euro im Monat beginnen zu sparen . Das geht also für jeden, es ist kein hohes Einkommen oder Vermögen nötig.

  • Zweiter Vorteil: In der Vergangenheit hat eine solche Anlage langfristig fast immer sehr schöne Renditen hervorgebracht. Nach 15 Jahren waren Verluste praktisch ausgeschlossen.

  • Drittens: Sie können trotzdem jederzeit an Ihr Geld oder an einen Teil Ihres Geldes ran.

  • Viertens: Die Anlage ist so aufgeteilt, dass sie in Krisenzeiten Verluste ausgleichen  kann. Wenn Europa mit dem Krieg in die Krise rutscht, kann Ihre Anlage in den USA oder Japan immer noch erfolgreich sein. Bildlich gesprochen: Sie haben nie alle Eier in nur einem Korb, der kaputtgehen könnte.

  • Der zentrale Nachteil bleibt natürlich: Auf die kurze und mittlere Frist schwanken Aktienkurse auch in einem weltweiten Index deutlich. Wer dann viele Anteile verkaufen muss, bleibt womöglich auf Verlusten sitzen.

  • Anlegen in Sachwerten können Sie natürlich auch mit einer Immobilie , die Sie jetzt noch kaufen – nicht zu teuer mit einem vergleichsweise günstigen Kredit. Für die Eigennutzung oder auch zum Vermieten. Die Wohnungsnot spricht dafür, dass Vermietung auch in Zukunft gut möglich sein wird.

  • Ganz wichtig: Wenn Sie jetzt einen Kredit aufnehmen, planen Sie bitte langfristig. Denn falls in einigen Jahren die Zinsen gestiegen sein sollten, kann Sie das kaltlassen – wenn Ihre Finanzierung über 15 Jahre läuft und Sie mit einer ordentlichen Tilgung das Risiko minimieren, dass Ihnen Ihre Finanzierung  jemals auf die Füße fällt.

  • Investieren Sie in Sachwerte , das kann auch die energetische Modernisierung einer Immobilie sein, die Sie schon besitzen. Angesichts der galoppierenden Energiepreise ist das eine gute Idee. Auf die sind allerdings viele andere jetzt auch gekommen. Sie müssen also erst mal den passenden Handwerker finden – und sollten auch hier immer Preise vergleichen. Leider gibt es auch im Handwerk Abzocker, die die aktuelle Situation ausnutzen und Mondpreise von ihren Kunden verlangen für Dienstleistungen und Projekte, die noch im vergangenen Jahr deutlich preiswerter waren.

Wichtig ist vor allem, dass Sie in der Geldanlage einen Plan verfolgen. Denn zum falschen Zeitpunkt nicht flüssig zu sein, ist teuer. Und allzu lange allzu flüssig zu sein, mindert den Wert Ihrer Geldanlagen in Zeiten der Inflation besonders.

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