Umfrage Jugendliche werden immer knauseriger

Junge Deutsche leben gern verschwenderisch? Ganz im Gegenteil, sie sparen sogar mehr als im Vorjahr, besagt eine Umfrage. Ein Geschlechtervergleich zeigt außerdem: Schon in frühen Jahren liegen die Einnahmen junger Männer höher als die von jungen Frauen.

Sparen: Viele Kinder und Jugendlichen legen Geld zurück
DPA

Sparen: Viele Kinder und Jugendlichen legen Geld zurück


Frankfurt am Main - Wer sich Wünsche erfüllen will, muss sparen. Nach diesem Motto horten Jugendliche heute ihr Geld, wie eine Umfrage der Deutschen Bank unter 1000 jungen Deutschen im Alter von 14 bis 25 Jahren ergeben hat. Im Vergleich zum Vorjahr legen Jugendliche und junge Erwachsene im Jahr 2011 durchschnittlich von 503 Euro rund 112 Euro auf die Seite - 2010 waren es noch 98 Euro.

Die Sparsamkeit der jungen Menschen hat einen Grund - teure Träume: 57 Prozent von ihnen geben an, sie würden Geld zurücklegen für den Führerschein, ein Auto oder Reisen. 29 Prozent - ein knappes Drittel - spart für Ausbildung, Studium oder Praktikum. Weniger beliebt sind Rücklagen für die Altersvorsorge: Dafür legt nicht einmal jeder fünfte junge Sparer (19 Prozent) Geld auf die hohe Kante.

Die Einnahmen junger Männer sind mit 541 Euro pro Monat 75 Euro höher als die von gleichaltrigen Frauen, die im Schnitt über 466 Euro verfügen. Deshalb können junge Männer auch mehr Geld zurücklegen als ihre Altersgenossinnen - nämlich durchschnittlich 137 Euro pro Monat im Vergleich zu 86 Euro. Zu den Einkünften der jungen Menschen werden neben dem Taschengeld auch Einnahmen aus Nebenjobs, Ausbildung und Berufstätigkeit gerechnet.

1,6 Milliarden Euro Taschengeld

Die jungen Leute haben offenbar mehr Spielraum zum Sparen als Haushalte. Sie legen einen fast doppelt so großen Teil ihres Geldes zurück wie der durchschnittliche Privathaushalt in Deutschland. Ihre Sparquote beträgt etwa 22 Prozent, während Haushalte in Deutschland nach Zahlen der Deutschen Bundesbank für 2010 im Durchschnitt nur 11,4 Prozent ihres Einkommens auf die hohe Kante legten.

Auch bei den ganz Jungen zeigt sich laut einer Verbraucheranalyse der Trend zum Sparen. Wie die Jugendlichen und jungen Erwachsenen geben auch die Kinder im Alter von sechs bis 13 Jahren das Geld nicht sofort aus, fand der Egmont-Ehapa Verlag ("Micky Maus") bei einer Umfrage heraus. 81 Prozent von ihnen legen wenigstens einen Teil zur Seite. Drei von vier haben ein Sparbuch, 15 Prozent ein Girokonto.

Auch die Taschengelder der Sechs- bis Dreizehnjährigen hat der Verlag in der Umfrage analysiert. Das Ergebnis: Kinder in Deutschland verfügen im Jahr über mehr als 1,6 Milliarden Euro Taschengeld. Und ein Großteil von ihnen kann frei darüber entscheiden, wofür das Geld ausgegeben wird. Diese junge Altersgruppe bekommt im Jahr 2011 mit 24,80 Euro pro Monat wieder mehr Geld von ihren Eltern als in den beiden Vorjahren. Das ist fast so viel wie im Rekordjahr 2008, als das Taschengeld 25 Euro monatlich betrug.

Verlagsgeschäftsleiter Ingo Höhn begründet diese Entwicklung mit der allgemeinen wirtschaftlichen Situation: "Vom Aufschwung profitieren auch die Kinder", sagt er. Denn auch bei Oma und Opa sitze das Geld wieder etwas lockerer in der Tasche. Für dieses Jahr können die Kinder im Durchschnitt 197 Euro an Geldgeschenken erwarten, 2010 waren es elf Euro weniger.

bos/dpa/dapd



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Seite 1
Redigel 11.08.2011
1. Dr.
Junge Deutsche sind nicht "knauserig", Sie verdienen nur im Schnitt weniger als die Alteingesessenen. Im öffentlichen Dienst ist das sehr gut zu beobachten, wo die Neulige (Azubis) insofern Sie überhaupt übernommen werden, mit den schlechtesten Gehaltsgruppen bedacht werden. Stichwort E3: Was nichts anderes bedeutet, ungelernt. Die Azubis haben aber durchaus eine Ausbildung, werden nur nicht adäquat bezahlt. Wie diese Generation mangels Einkommen, die "üppigen" Renten der alternden Gesellschaft stemmen will ist mir ein Rätsel. Deutschland denkt, dass England und Frankreich weit weg sind, aber wir bieten unseren jungen Generationen in niedrigeren Jobgefilden auch kaum Perspektiven. Schleichend über zig Jahre schon...
Achim 11.08.2011
2. Knauserig
Das beschriebene Verhalten ist keine Knauserigkeit - die Jungs und Mädels sind nicht geizig, sondern legen Geld zurück für größere Anschaffungen. Wirft ein Redakteur auch mal einen Blick ins Wörterbuch, bevor er eine halbe Generation als "übertrieben sparsam, geizig" diffamiert? Was hätte er denn geschrieben, wenn die sich die Dinge auf Pump gekauft hätten?
Altesocke 12.08.2011
3. Von wollen kann auf dieser Basis wohl keine rede sein
Zitat von RedigelJunge Deutsche sind nicht "knauserig", Sie verdienen nur im Schnitt weniger als die Alteingesessenen. Im öffentlichen Dienst ist das sehr gut zu beobachten, wo die Neulige (Azubis) insofern Sie überhaupt übernommen werden, mit den schlechtesten Gehaltsgruppen bedacht werden. Stichwort E3: Was nichts anderes bedeutet, ungelernt. Die Azubis haben aber durchaus eine Ausbildung, werden nur nicht adäquat bezahlt. Wie diese Generation mangels Einkommen, die "üppigen" Renten der alternden Gesellschaft stemmen will ist mir ein Rätsel. Deutschland denkt, dass England und Frankreich weit weg sind, aber wir bieten unseren jungen Generationen in niedrigeren Jobgefilden auch kaum Perspektiven. Schleichend über zig Jahre schon...
Will? Muessen oder sollen! Hat irgendwer die Jugend gefragt, ob sie will? Das entscheiden die Eltern mit der (Nicht-?)Geburt. Ich bin der Auffassung, Generationen-'Vertraege' in diese Richtung sind im Grunde illegal, da Minderjaehrigen oder Ungeborenen auf's Auge gedrueckt. Genauso wie all die anderen Schulden, die 'Gewaehlte' hinterlassen. Eine negative Erbschaft kann ausgeschlagen werden, die Renten der 'Alten', die schulden dieser Generation, die MUESSEN von denen uebernommen werden, die fuer den Zustand des 'Paradieses' am wenigsten koennen. Und das nur, weil KEIN Politiker an die Zukunft denkt!
janne2109 12.08.2011
4. vielleocht wollen
Zitat von AchimDas beschriebene Verhalten ist keine Knauserigkeit - die Jungs und Mädels sind nicht geizig, sondern legen Geld zurück für größere Anschaffungen. Wirft ein Redakteur auch mal einen Blick ins Wörterbuch, bevor er eine halbe Generation als "übertrieben sparsam, geizig" diffamiert? Was hätte er denn geschrieben, wenn die sich die Dinge auf Pump gekauft hätten?
die Jugenlichen auch endlich nicht mehr soviel Schulden am Hacken haben wie die Eltern.Ist doch eine gute Entwicklung
Downscape, 12.08.2011
5. Db
Zitat von AltesockeWill? Muessen oder sollen! Hat irgendwer die Jugend gefragt, ob sie will? Das entscheiden die Eltern mit der (Nicht-?)Geburt. Ich bin der Auffassung, Generationen-'Vertraege' in diese Richtung sind im Grunde illegal, da Minderjaehrigen oder Ungeborenen auf's Auge gedrueckt. Genauso wie all die anderen Schulden, die 'Gewaehlte' hinterlassen. Eine negative Erbschaft kann ausgeschlagen werden, die Renten der 'Alten', die schulden dieser Generation, die MUESSEN von denen uebernommen werden, die fuer den Zustand des 'Paradieses' am wenigsten koennen. Und das nur, weil KEIN Politiker an die Zukunft denkt!
Doch, doch. Nur nicht an Ihre Zukunft. Davon ab: 1000 Deutsche Bank Kunden sind ungefähr so aussagekräftig wie die 11% Sparqoute bei normalen Haushalten. Welche? Auch DB Kunden? Ich möchte wetten, der echte normale Haushalt da draußen schafft die Quote nicht.
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