Umstrittene Zusätze Foodwatch verklagt Unilever wegen Becel-Margarine

Es sind schwere Anwürfe: Foodwatch wirft Unilever vor, angebliche Risiken seiner "Becel Pro.Activ"-Margarine zu vertuschen. Nun wollen die Verbraucherschützer dem Konzern per Gericht Aussagen zur Unbedenklichkeit des Brotaufstrichs verbieten. Unilever bestreitet die Vorwürfe energisch.


Berlin - Foodwatch legt sich mit Unilever an: Die Verbraucherorganisation hat den Nahrungsmittelkonzern wegen der Vertuschung angeblicher Risiken beim Verzehr der Margarine Becel Pro.Activ verklagt. Nach eigenen Angaben reichte Foodwatch beim Landgericht Hamburg eine Unterlassungsklage gegen Unilever Chart zeigen ein. Diese richtet sich demnach gegen die unter Berufung auf Wissenschaftler getroffene Aussage des Konzerns, dass es bei der angeblich den Cholesterinspiegel senkenden Margarine "aus wissenschaftlicher Sicht keinen Hinweis" auf Nebenwirkungen gebe.

Für Foodwatch stellt sich das allerdings anders dar. Die Verbraucherorganisation erklärte, die der Margarine zugesetzten Pflanzensterine seien unter Experten höchst umstritten. Sie stünden im Verdacht, "genau das zu verursachen, was sie eigentlich verhindern sollen: nämlich Ablagerungen in Gefäßen und ein erhöhtes Risiko für Herzkrankheiten". Mit der Klage wolle Foodwatch verhindern, dass Unilever bedenkliche Risiken und Nebenwirkungen der Margarine verschleiere.

Sterine sind fettähnliche Substanzen ähnlich dem Cholesterin. In der Natur kommen sie etwa in Pflanzen vor. Der Stoff verdrängt nach Informationen des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) im menschlichen Darm Cholesterin, so dass weniger davon in den Körper aufgenommen wird.

Unilever bestreitet Sicherheitsrisiken bei seiner Margarine

Außer Margarine gibt es im Handel auch mit Sterin angereicherte Milchprodukte wie Trinkjoghurt und Käse sowie Brot. Der Zusatz ist EU-weit in zahlreichen Produkten erlaubt. Es ist aber eine Genehmigung nötig. Zudem muss auf der Packung in bestimmter Weise darauf hingewiesen werden.

Foodwatch stört sich an den Aussagen von Unilever. "Die Behauptung, es gebe keine Hinweise auf Nebenwirkungen, ist absolut haltlos", kritisierte Foodwatch-Experte Oliver Huizinga. Unilever blende kritische wissenschaftliche Stimmen und ernstzunehmende Hinweise auf Nebenwirkungen im Zusammenhang mit Pflanzensterinen einfach aus. Ein Unilever-Sprecher wies die Vorwürfe von Foodwatch zurück und erklärte, der Konzern sehe der Klage "extrem gelassen" entgegen.

Bereits im November vergangenen Jahres hatte Foodwatch gefordert, Becel Pro.Activ wegen möglicher Gesundheitsrisiken nicht in Supermärkten zu verkaufen. Unilever hatte die Vorwürfe damals als falsch und irreführend zurückgewiesen. Gesundheitliche Risiken durch das Produkt seien nicht bekannt, der Konzern sei von dessen Sicherheit überzeugt. Bestünden an der Sicherheit Zweifel, "würden wir die 'Becel Pro.Activ'-Produkte nicht weiter vertreiben", teilte der Konzern mit.

fdi/AFP/dapd



insgesamt 42 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
alyeska 07.02.2012
1. Danke Foodwatch !!!
Zitat von sysopEs sind schwere Anwürfe: Foodwatch wirft Unilever vor, angebliche Risiken seiner "Becel Pro.Activ"-Margarine zu vertuschen. Nun wollen die Verbraucherschützer dem Konzern per Gericht Aussagen zur Unbedenklichkeit des Brotaufstrichs verbieten. Unilever bestreitet die Vorwürfe energisch. http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/0,1518,813818,00.html
Denn sonst würde die profitorientierte Vergiftung durch die Nahrungsmittelgiganten fast ohne Gegenwehr an die Verbraucher weitergegeben. Das dies tatsächlich geschieht wird fast täglich aufgeklärt, doch kaum belangt. Danke Foodwatch !
Mo2 07.02.2012
2. Gut so
Zitat von sysopEs sind schwere Anwürfe: Foodwatch wirft Unilever vor, angebliche Risiken seiner "Becel Pro.Activ"-Margarine zu vertuschen. Nun wollen die Verbraucherschützer dem Konzern per Gericht Aussagen zur Unbedenklichkeit des Brotaufstrichs verbieten. Unilever bestreitet die Vorwürfe energisch. http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/0,1518,813818,00.html
Das Lügen und Vertuschen hat doch bei diesen Konzernen System. Die müssten viel öfter verklagt werden. Gut dass es Organisationen wie Foodwatch gibt, denn ohne Druck und "freiwillig" ändert sich in der Lebensmittelindustrie nichts zum Guten.
hman2 07.02.2012
3. Lügen und Betrügen in der Lebensmittelbranche
Das hat doch Methode. Man sehe sich als Vergleich mal Müller-Brot an, dem das Amt die Produktion gestoppt hat. Laut SPON jährlich 115 Mio Umsatz, maximales Bußgeld: 20.000 Euro. Das ist ja noch nicht einmal Portokasse... Da will ich mir gar nicht ausmalen wie gering irgendwelche Strafen für Unilever verglichen mit deren Umsatz aussehen mögen. Möglicherweise gibt Unilever schon mehr Geld für Bleistifte aus...
RogerRabit1962 07.02.2012
4. Foodwatch
Zitat von alyeskaDenn sonst würde die profitorientierte Vergiftung durch die Nahrungsmittelgiganten fast ohne Gegenwehr an die Verbraucher weitergegeben. Das dies tatsächlich geschieht wird fast täglich aufgeklärt, doch kaum belangt. Danke Foodwatch !
Wenn Sie Ihre Nahrung selber zubereiten, gehen Sie dem komplett aus dem Wege. Zeitsparender ist der Einkauf von Fertigprodukten auch nicht bei einigermassen durchgeführter Organisation. Aber muss jeder wohl für sich selbst klären. Aber ´Becel Diät´ kaufen um die Cholesterinwerte zu senken ist so sinnvoll wie mehr joggen um mehr essen zu dürfen...
AberHallo 07.02.2012
5. traditionell
Die Verarbietung von Lebensmitteln mit immer neuen Hilfsstoffen ist für den Laien schon lange undurchschaubar. Bleiben Sie bei altbekannten Lebensmitteln. Die Risiken und Nebenwirkungen von Butter sind seit jeher bekannt.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.