Fliegen, versichern, telefonieren So vermeiden Sie die größten Urlaubsfallen

Der Sommerurlaub kann unerwartet teuer werden. Ob im Flugzeug, beim Leihwagen oder beim Geldabheben: Überall lauern Fallstricke. Mit diesen zehn Tipps können Sie den größten Problemen entgehen.

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Eine Kolumne von


Ganz Deutschland eilt in den Sommerurlaub. Ganz Deutschland? Nein! Einige meiner Kolleginnen und Kollegen haben zuletzt die Antworten auf allerlei Reisefragen gesammelt, damit Sie entspannen können und gleichzeitig möglichst viel Urlaub für Ihr Geld bekommen. Hier sind ihre zehn Tipps:

1) Anreisen mit dem Flieger: Wenn Sie genau wissen, wohin Sie an welchem Tag losfahren wollen und wann Sie zurückkehren müssen, dann legen Sie möglichst früh mit der Planung los. Frühbucherrabatte bieten tatsächlich oft ordentliche Preisnachlässe. Wenn Sie jetzt noch etwas für den laufenden Sommer suchen, ist allerdings ein Strategiewechsel geboten. Muten Sie sich ein bisschen Flexibilität zu. Entweder, indem Sie doch unterschiedliche Ziele in Erwägung ziehen, oder, indem Sie wenigstens bei den An- und Abreisezeiten flexibel sind. Mancher Frühmorgenflug oder Spätabendflug spart viel Geld - kann aber natürlich auch anstrengend sein.

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Vergleichen Sie Flugpreise auf den entsprechenden Portalen, wie zum Beispiel flug.idealo.de und kayak.de. Kaufen Sie die Tickets dann aber eher bei der Fluglinie selbst, dort sind die Preise oft besser. Und manche Rechte als Passagier können Sie dort auch leichter geltend machen - etwa, wenn Sie einen Flug später noch umbuchen oder stornieren wollen.

Ein neues Problem taucht in jüngster Zeit beim Reisegepäck auf. Es wird immer teurer, Gepäck mitzunehmen, weil die Airlines ihre Flüge ohne Gepäck kalkulieren, um bei den Vergleichsportalen weiter vorn aufzutauchen. Manche Fluglinien wie Ryanair sind zusätzlich dazu übergegangen, neue Klassen von Handgepäck zu erfinden, sodass Sie als Fluggast mit dem normalen Handgepäckkoffer (55 x 40 x 20cm, 10 kg) nicht mehr ohne Zuzahlung an Bord kommen.

Es lohnt sich in jedem Fall, schon bei der Buchung zu wissen, welches Reisegepäck Sie brauchen. Dann können Sie auch Geld sparen, indem Sie Pakete dazubuchen, die auch weitere Vorteile enthalten. Wenn Sie dagegen erst am Flughafen die Koffer buchen, sind Sie zwar beim Packen maximal flexibel, werden aber mit unverschämten Aufpreisen bestraft.

2) Versichert sein: Eine Auslandsreisekrankenversicherung gehört in jedem Fall ins Gepäck. Ein guter Vertrag muss dabei für Singles nicht einmal zehn Euro kosten - pro Jahr! Und die Debeka bietet ihren guten Vertrag sogar Senioren ohne Aufpreis an. Bei den meisten Anbietern sind dagegen Aufpreise für Senioren üblich, obwohl Altersdiskriminierung verboten ist. Wie wichtig die Absicherung ist, zeigt der Fall einer Seniorin, die in einer türkischen Privatklinik für die Behandlung nach einem Herzinfarkt 12.000 Euro zahlen musste, weil sie keine solche Versicherung hatte.

Wenn Sie vor der Reise eine Reiserücktritt- oder eine Reiseabbruchversicherung abgeschlossen haben, gehört die auch ins Gepäck. Sie zahlt für Zusatzkosten und Rückreise, falls mitten im Urlaub etwas passiert oder Sie vorab zurück müssen - zum Beispiel, weil Ihr Haus unter Wasser steht.

Zum Autor
  • Finanztip
    Hermann-Josef Tenhagen (Jahrgang 1963) ist Chefredakteur von "Finanztip". Der Verbraucher-Ratgeber ist gemeinnützig. "Finanztip" refinanziert sich über sogenannte Affiliate-Links. Mehr dazu hier.

    Tenhagen hat zuvor als Chefredakteur 15 Jahre lang die Zeitschrift "Finanztest" geführt. Nach seinem Studium der Politik und Volkswirtschaft begann er seine journalistische Karriere bei der "Tageszeitung". Dort ist er heute ehrenamtlicher Aufsichtsrat der Genossenschaft. Bei SPIEGEL ONLINE schreibt Tenhagen wöchentlich über den richtigen Umgang mit dem eigenen Geld.

3) Geimpft sein: In vielen Reiseländern ist es ratsam, spezielle Gesundheitsvorsorge zu betreiben oder geimpft zu sein. In einigen Ländern sind die Impfungen sogar vorgeschrieben. Infos gibt es auf den Reise-Seiten des Auswärtigen Amtes. Wichtig: Impfungen gegen Gelbfieber zum Beispiel mögen in ihrem eigentlichen Zielland zwar keine Pflicht sein, können aber verlangt werden, wenn Sie von Ihrem Urlaubsland einen Abstecher ins Nachbarland vorhaben.

Viele Krankenkassen zahlen einen Teil oder sogar alle Impfungen, die Rechnungen müssen Sie allerdings vorstrecken und dann einreichen. Prüfen Sie, welche Impfungen Ihre Krankenkasse zahlt.

4) Ankommen: Wenn Sie am Reiseziel vom Flughafen oder Bahnhof zum Hotel wollen, machen Sie sich vorher schlau, wie das am günstigsten geht: mit dem öffentlichen Nahverkehr, mit Shuttle-Bussen oder, wenn nötig, mit dem Taxi. Die Kosten für den Taxitransport können, insbesondere bei Flughäfen weit draußen vor der Stadt, den Preisvorteil billiger Flugtickets wieder zunichtemachen.

In Wien kostet die S-Bahn vom Flughafen in die Innenstadt 3,90 Euro, das Taxi im Schnitt 35 Euro. Vor Ort gibt es in Großstädten wie London oder Lissabon Tickets, die den öffentlichen Nahverkehr für Touristen deutlich preiswerter machen. Klären Sie vorher, ob für Taxifahrten eine Pauschale für die Strecke zum Flughafen gilt, wie zum Beispiel in Rom. Der Fahrer macht Sie nicht unbedingt darauf aufmerksam.

5) Weiterfahren: Sie haben schon ein Auto gemietet? Ganz prima, der Preis war hoffentlich günstig, und Sie haben eine Vollkasko-Versicherung ohne Selbstbeteiligung abgeschlossen. So ausgestattet, können Sie ganz gekonnt abwehren, wenn Ihnen der Mitarbeiter der Autovermietung am Flughafen noch ein teures Versicherungspaket, ein kostspieliges Navi oder gar ein größeres Auto gegen Extrakosten aufschwatzen will.

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Falls Sie kurz vor Reiseantritt Zeit haben, können Sie noch einmal Preise vergleichen. Mietwagenverträge kann man oft bis einen Tag vor der Anreise kostenlos stornieren. Wenn Sie etwas Günstigeres gefunden haben, wechseln Sie einfach. Beim Abholen des Autos nutzen Sie unbedingt Ihr Handy: Dokumentieren Sie alle Schrammen am Auto zum Zeitpunkt der Ausleihe und melden Sie diese gleich der Vermietung.

6) Kommunizieren: In der EU ist alles viel einfacher geworden. Sie können laut Gesetz mit Ihrem Smartphone genauso günstig telefonieren und Surfen wie zu Hause. Sogar Ihren Netflix-Account können Sie für langweilige Regentage im Ferienhaus nutzen.

Aber Obacht: An den Außengrenzen der EU rutschen Sie mit dem Smartphone schnell ins Netz des teuren Nachbarlandes, wo dann die Minute am Telefon wieder zwei Euro kostet. Vorsicht ist auch auf Fähren und Kreuzfahrtschiffen geboten, auf denen die EU-Roaming-Regeln nicht gelten.

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Wollen Sie ohnehin länger außerhalb der EU in den Urlaub, kaufen Sie sich eine Sim-Karte des Gastlands, die können Sie auch in Deutschland schon erwerben. Oft ist es vernünftig, in diesen Ländern auf öffentliche oder von Hotels bereitgestellte Hotspots für WLAN auszuweichen. Das geht sogar in Kuba. Nicht vergessen, die Handy-Mailbox abzuschalten. Eine unfreiwillige Nutzung während des Auslandsurlaubs kann ziemlich teuer werden.

7) Bezahlen: Nehmen Sie immer eine Girocard und natürlich eine Kreditkarte mit, mit der Sie im Urlaub günstig Geld abheben können. Zwei Karten sind besser als eine - für den Fall, dass die eine Karte gesperrt wird oder nicht funktioniert. Und eine Kreditkarte brauchen Sie ganz sicher, wenn Sie zum Beispiel fürs Mietauto eine Kaution hinterlegen müssen.

Gute Kreditkarten, zum Beispiel von DKB und der ING, erlauben das Geldabheben ohne Gebühren, bei der DKB sogar auch weltweit ohne Fremdwährungsgebühren. Bei den meisten Girocards oder Kreditkarten hingegen liegen die Fremdwährungsgebühren außerhalb des Euroraums um die zwei Prozent.

Egal ob Girocard oder Kreditkarte, am Automaten oder im Laden: Falls Sie gefragt werden, ob Sie beim Abheben oder Bezahlen in Euro abrechnen wollen oder in Landeswährung: Wählen Sie immer die Landeswährung! Automatenbetreiber und Einzelhändler berechnen Ihnen sonst einen schlechten Wechselkurs, bei dem Sie schon mal bis zu zehn Prozent der ausgezahlten Summe verlieren - sogar dann, wenn es sich um Auslandstöchter deutscher Banken handelt.

Vorsicht! Manche Automatenbetreiber sind so perfide, dass sie Ihnen bei der günstigen Abrechnung in Landeswährung einen roten Warnbildschirm zeigen, während das teure Direktumrechnen in Euro auf einem beruhigenden grünen Bildschirm angeboten wird.

8) Sich beschweren: Das Hotelzimmer hält den Versprechungen des Anbieters nicht stand? Beschweren Sie sich. Wenn Sie als Pauschalreisender unterwegs sind, können Sie das beim Reiseleiter tun, ansonsten beim Hotel selbst. Verlangen Sie Abhilfe und dokumentieren Sie Ihre Beschwerden schriftlich. Musterbriefe zur Beschwerde finden Sie im "Finanztip"-Ratgeber.

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Treten Sie entschieden auf, aber seien Sie im Urlaub selbst kompromissbereit, es geht um Ihre Erholung. Sie müssen deshalb nicht auf Ansprüche verzichten, die Sie nach dem Urlaub geltend machen können. Wie viel Entschädigung drin ist, zeigt Ihnen zum Beispiel die Frankfurter Tabelle.

9) Zurückfahren zum Flughafen: Seien Sie rechtzeitig am Flughafen für die Rückreise. Wenn Sie ein Auto gemietet haben, geben Sie das zuerst ab. Nutzen Sie das Smartphone noch einmal für Fotos rund ums Auto, um zu dokumentieren, dass keine neuen Schrammen dazugekommen sind. Dann rechtzeitig zum Abflugschalter, damit Sie Ihren Flug in jedem Fall bekommen.

10) Nach Hause fliegen: Beim Hin- wie beim Rückflug gilt: Wenn der Flieger stark verspätet ist oder Sie womöglich gar einen Ersatzflieger nutzen müssen, bringt das hinterher eine hohe Entschädigung. Bei kurzen Strecken 250 Euro, bei mittleren 400, und wenn Sie auf die Kanaren fliegen oder noch weiter, stehen Ihnen 600 Euro pro Flug zu. Solche Entschädigungen können Sie noch drei Jahre lang zurückfordern, also aktuell noch für Flüge aus dem Jahr 2016. Mit den Musterbriefen können Sie selbst versuchen, die Entschädigung einzutreiben, das ist in den vergangenen Jahren einfacher geworden. Wenn die Fluglinie nicht oder nur hinhaltend reagiert, nutzen Sie einen Fluggasthelfer. Die kümmern sich in vielen Fällen erfolgreich und holen Ihr Geld raus. Allerdings behalten sie ein knappes Drittel der Entschädigung.

Auch bei Zugreisen und sogar bei Fähren gibt es nach EU-Recht Entschädigungen für Verspätungen, meist in Form von nachträglichen Preisnachlässen. Auch die sollten Sie geltend machen. Wie auch bei den Flugtickets gibt es sogar einen öffentlichen Schlichter, der in Streitfragen kostenlos hilft: Die Söp in Berlin.

Schönen Urlaub!



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bluebill 22.06.2019
1. Es gibt noch mehr Tipps.
Essen: Am besten nur Frühstück buchen. Dann ist man ungebunden und kann essen, wann und wo man möchte. Die meisten Hotels bieten Frühstück und Abendessen an (Halbpension). Besonders in Pauschalreisenpaketen ist das meist inklusive. Das heißt aber oft, dass man jeden Abend eine halbe Stunde anstehen muss, um sich dann mit einer Hundertschaft von Osteuropäern ums fade Essen zu raufen. Oft gibt es in der Nähe gute, günstige, landestypische Restaurants, wo man viel besser isst; dafür sollte man ein Budget einkalkulieren. - Vollpension kostet meist erheblich mehr, und man kann sie gar nicht richtig nutzen, wenn man tagsüber z.B. Ausflüge machen will.
halverhahn 22.06.2019
2. Gähn! Alte tips und teilweise falsch bzw unvollständig!
Und wieder sind darin ein paar Fehler bzw Unkorrektheiten enthalten: zu 1) Die beiden im Text erwähnten Flugsuchportale zählen eher zu den teureren Internetportalen. Und in etwa 9 von 10 Fällen, so meine Erfahrungen, ist es teurer, darüber direkt bei der Airline zu buchen als bei den dort sich tummelnden online Reisebüros. Korrekt ist aber, dass es dann schwieriger ist, spätere Flüge umzuändern (stornieren oder abzuändern!). 7) Bezahlen mit der Kreditkarte (KK): inzwischen nehmen diverse ausländische Banken beim Bargeld abheben am Geldautomaten eine örtliche Abhebe-Gebühr. In Thailand kann das bis zu 220 Baht sein, also rund 6,30 €. Pro einzelner Geldabhebung! Die erstattet bspw die DKB (nicht) mehr.!! 9) Leihwagen: warum soll ich beim späteren Abgeben des Leihwagens kurz vorher nochmals alle Dellen und Kratzer fotografieren? Beim Abgeben guckt die jeweilige Verleihfirma schon darauf, ob ich neben den bereits vorhandenen Altschäden neue hinzugefügt hab... Das muss die Firma mir nachweisen. Natürlich sollte man beim erstmaligen Abholung des Mietwagens alle vorherigen Schäden fotografieren und sich da bereits schriftlich bestätigen lassen. Das reicht dann aber auch.
doktorfeinfinger 22.06.2019
3. Söp
Im Falle einer Verspätung über 3h gibt es die genannten Ansprüche gegenüber der Fluglinie, etc. Die SÖP (öffentliche Schlichtungsstelle) ist dabei leider meiner Erfahrung nach keine echte Hilfe: Man wartet Monate auf eine Antwort und bekommt dann doch keine echte Hilfestellung, oft auch falsche Auskünfte bzw. Einschätzen. Ich musste immer den Klageweg bestreiten - war dann aber mit einer spezialisierten Kanzlei stets erfolgreich. Tipp: hartnäckig bleiben, nicht vetrösten lassen und nicht alles glauben, was die SÖP sagt. Die SÖP wird übrigens durch die Fluggesellschaften u.a. finanziert ;-))
MatthiasPetersbach 22.06.2019
4. Guten Urlaub.....
Fehlt noch der Tip: Wenn man die Zahnpastatube zuschraubt, trocknet die nicht so schnell aus. Im Ernst: An wen richten sich denn diese "Tips"? Preisvergleiche, auf den Handyverbrauch achten, Kreditkarten mitnehmen - das alles ist doch eher geläufig und schlicht "Verhalten im Leben". Und reintappen kann man immer - aber wer mit solchen Gedanken und Befürchtungen - oder dem Gedanken, wie er beim Reiseveranstalter oder Fluglinie möglichst viel rückeinfordern kann - den Urlaub antritt, sollte das vielleicht besser lassen. Urlaub geht im übrigen auch mit: Auto volltanken, Zeux reinschmeißen, Geld einstecken und los - ist um Längen entspannter und dafür braucht man keinen mitverdienenden Reiseveranstalter und keine Fluglinie.
maxxi12 22.06.2019
5. Binsen
Herr Tenhagens Ratschläge sind wieder einmal Binsen. Und was eine Reisrücktrittsversicherung betrifft, kann man die zum Teil auch vergessen. Bei Krankheit wird ohnehin nur geleistet, wenn sie "schwer und unerwartet" , ist, also noch nie auftrat. Zudem sind detaillierte Formulare vom Versicherten und den Ärzten auszufüllen und etliche Unterlagen beizubringen. Der Aufwand ist erheblich. Einfacher wird es allenfalls bei einem Sterbefall von Onkel etc...
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