Rechtsstreit um Doppelbett Besucherritze ist kein Mangel

Das Bett sei für "seinen eigentlichen Zweck" geeignet. Deshalb wiesen Richter nun endgültig eine Klage zurück. Ein Paar hatte sich an einer Lücke zwischen den Matratzen gestört - mit angeblichen Auswirkungen aufs Liebesleben.

Boxspringbett auf einer Möbelmesse in Köln (Symbolbild)
DPA

Boxspringbett auf einer Möbelmesse in Köln (Symbolbild)


Auseinander driftende Matratzen in einem Boxspringbett stellen keinen Sachmangel dar. Das entschied eine Berufungszivilkammer des Landgerichts Düsseldorf in einem ungewöhnlichen Prozess. Eine Revision ließen die Zivilrichter nicht zu - "mangels grundsätzlicher Bedeutung des Rechtsstreits".

Geklagt hatte ein Paar aus Dormagen. Die Eheleute hatten das Doppelbett für 1500 Euro in einem Möbelhaus gekauft. Sie seien aus dem Bett aber herausgefallen, oder ständig in die sogenannte Besucherritze gerutscht, hatten sie kritisiert und den Kaufpreis zurückgefordert. Das Paar hatte Medienberichten zufolge auch über Probleme mit dem Bett beim Sex geklagt.

Das Möbelhaus weigerte sich, das Bett sei in einwandfreiem Zustand. Das sah in erster Instanz auch das Amtsgericht Neuss so: Das Bett sei zum Schlafen "als seinem eigentlichen Zweck" geeignet. Das Düsseldorfer Landgericht bestätigte nun die Entscheidung, nachdem es einen Polsterermeister als Sachverständigen zur Liegeprobe gebeten hatte.

Die Probe habe ergeben, dass die Matratzen "zwar leicht schwingen, aber in ihrer Position verbleiben und nicht verrutschen", so das Gericht. Außerdem liege es auf der Hand, dass eine Matratze ohne Bettkasten nicht so gut gegen Verrutschen gesichert sei wie mit Bettkasten. Dafür behindere aber auch keine Seitenwand den Einstieg.

Bei einem Boxspringbett mit getrennten Matratzen sind die Matratzen und sogenannten Topper durch das Kopfteil und einen Aufnahmebügel am Fußende gegen Verrutschen gesichert - und nicht wie bei herkömmlichen Betten durch Seitenwände.

(Az. 19 S 105/17)

dab/dpa/AFP



insgesamt 17 Beiträge
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Gedanke 09.05.2019
1. Zum Glück
Zum Glück ist das nun endlich geklärt, ich konnte kaum noch ruhig schlafen (haha, n' Brüller). Wenn die Matratzenhersteller jetzt noch auf die Idee kommen würden einfach statt zwei kleiner eine große Matratzen zu verkaufen gibt es für den Fall der Fälle auch Ausweichmöglichkeiten für Käufer. Das wäre doch mal was...
Draw2001 09.05.2019
2. Ja, auch darüber kann man noch etwas schreiben.....
obwohl die Sachlage es eigentlich nicht wert ist. Also der Topper ( Liegeauflage ) sollte mind. 8cm stark und am Besten aus Kautschuk sein. Dann verrutscht die darunterlegende Matratze nicht. Auch eine Besucherritze gibt es dann nicht. Solche Dinge lassen sich jedoch meist vor dem Kauf klären. Boxspringbetten für 999 Euro weisen kaum Komfort auf. 1800 bis 2000 Euro sollte man schon anlegen. Dieses "Hinterherklagen" resultiert heutzutage aus der Kombination: Ich weiß nichts, die Anderen sollen es richten und ich bin nicht schuld. Das Leben funktioniert anders. Auch bei der Auswahl des Lebenspartners gibt es keine Geldzurückgarantie.
fvaderno 09.05.2019
3. So ganz haben die Richter den Sinn eines Doppelbettes ...
noch nicht verstanden. Es ist zwar richtig, dass auch ein frisch verliebtes Paar mehr Zeit mit Schlafen verbringt als mit Sex, aber solche Äußerungen einer Kammer präsentieren sich die Richter zum Gespött. Ob die richterliche Entscheidung ohne diese Äußerungen es auch in die Medien geschafft hätte?
arr68 09.05.2019
4. Wenn die Liebesbewegungen
statt seitwärts einfach Richtung Kopfteil ausgeführt werden, dann driftet nix. Nächstes Mal testet das Päärchen das bitte vor dem Kauf. Das Möbelhaus hat dafür einen separaten Bereich zu stellen.
chrismuc2011 09.05.2019
5.
Tja, klassischer Fehlkauf. Einzelmatratzen kauft man, wenn man die nächtlichen Bewegungen nicht oder nur wenig spüren möchte. Aber es gibt Matratzen, die einen überstehenden relativ festen Rand haben, damit wird die Besucherritze abgedeckt. Außerdem könnte man ein Stück Schaumstoff dazwischen klemmen. Aber eigenständiges Denken scheint ja aus der Mode gekommen zu sein.
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