Urteil Bürger müssen ihren Steuerberater teilweise selbst zahlen

Es ist eine Enttäuschung für viele Bürger: Das komplizierte Steuerrecht rechtfertigt nicht, alle Kosten für einen Steuerberater beim Finanzamt abzusetzen. Laut Urteil des Bundesfinanzhofs ist das Ausfüllen des Mantelbogens zwar nicht einfach - aber durchaus ohne fremde Hilfe möglich.

München - Die Kosten für einen Steuerberater können nicht voll von der Steuer abgesetzt werden. Bis vor vier Jahren wurden sie noch komplett als Sonderausgaben vom zu versteuernden Einkommen abgezogen. 2006 hat der Gesetzgeber diese Regelung gestrichen.

Die Richter des Bundesfinanzhofs haben die Änderung nun bestätigt. Eine Arbeitnehmerin aus Niedersachsen hatte dagegen geklagt. Sie hatte ihre Steuererklärung 2006 von einem Steuerberater erstellen lassen - und wollte die Kosten von 95 Euro als Sonderausgaben absetzen. Das lehnte das Finanzamt ab, der Bundesfinanzhof gab den Beamten nun Recht.

Nach dem neuen Gesetz bleiben die Kosten für die Ermittlung der Einkünfte, etwa für die Berechnung von Dienstreisekosten, einer doppelten Haushaltsführung oder sonstigen Einnahmen etwa aus Vermietung und Verpachtung abzugsfähig. Diese Berechnungen können Steuerpflichtige nach wie vor als Werbungskosten anrechnen lassen. Das Ausfüllen des so genannten Mantelbogens der Steuererklärung dagegen ist nun Privatsache.

Die Begründung der Richter: Das Ausfüllen der Formulare sei zwar nicht leicht, aber durchaus ohne fremde Hilfe möglich. Die Steuergesetzte verlangten "nichts Unmögliches", und im Zweifel seien die Finanzämter zur Beratung verpflichtet.

Das Ausfüllen der Vordrucke könne zwar einen erheblichen Aufwand verursachen, heißt es in dem Urteil. Diese Last sei aber - wie auch andere Pflichten, etwa die Wehrpflicht - im demokratischen Gemeinwesen "entschädigungslos" hinzunehmen. Die große Mehrheit der Steuerpflichtigen tue dies auch und fülle die Formulare ohne Hilfe eines Steuerberaters selber aus.

Aktenzeichen X R 10/08

cte/AFP/dpa
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