Urteil Gericht nennt Lohn von sechs Euro brutto sittenwidrig

Sechs Euro Stundenlohn für eine Fachverkäuferin - das ist selbst im schlecht bezahlten Osten Deutschlands eindeutig zu wenig. Arbeitsrichter in Sachsen geben der Klage einer Verkäuferin statt, die wenigstens zwei Drittel des ortsüblichen Tariflohns verlangte.


Leipzig - Der Tariflohn im sächsischen Einzelhandel liegt bei 12,34 Euro pro Stunde. Die Verkäuferin eines Dessoushändlers bekam nur die Hälfte bezahlt, sechs Euro brutto. Dagegen hat sie geklagt, das Arbeitsgericht Leipzig hat ihr nun Recht gegeben und den Lohn als sittenwidrig bezeichnet.

Der Lohn stehe in einem "erheblichen Missverhältnis" zur geleisteten Arbeit bei dem Textil-Einzelhändler einzustufen, urteilten die Richter. Der Tariflohn sei als übliche Vergütung anzusehen, auch wenn der Tarifvertrag mangels Tarifbindung der Arbeitsvertragsparteien keine Anwendung finde. Eine um etwa die Hälfte niedrigere Vergütung sei sittenwidrig, der Vertrag nichtig.

Die Klägerin ist laut Gericht gelernte Fachverkäuferin und im Werksverkauf tätig. Ihr Arbeitgeber vertreibt bundesweit in 66 Filialen Wäsche, Nachtwäsche und Dessous. Die Aufgaben erstrecken sich von der Warenannahme über die Warenpräsentation, die Kundenberatung, die Kasse, Abrechnung, Umtausch und Reklamation bis hin zur Gewährung von Preisnachlässen bei Mängeln.

Vereinbart wurde eine Arbeitszeit von 30 Wochenstunden, wofür die Frau einen Bruttolohn von 780,00 Euro monatlich erhielt. In ihrer Klage verlangte sie einen Stundenlohn von 8,50 Euro - zwei Drittel des Tariflohns. Dieser steht ihr nun zu.

cte/apn/ddp



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ruplanb 03.05.2010
1. Als Unternehmer
Zitat von sysopSechs Euro Stundenlohn für eine Fachverkäuferin - das ist selbst im schlecht bezahlten Osten Deutschlands eindeutig zu wenig. Arbeitsrichter in Sachsen geben der Klage einer Verkäuferin statt, die wenigstens zwei Drittel des ortsüblichen Tariflohns verlangte. http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/0,1518,692740,00.html
Ich schäme mich für andere Selbstständige die solche Löhne zahlen. Was für ein erbärmliches Verhalten.
Orix 03.05.2010
2. Es lohn sich zuwehren
Zitat von sysopSechs Euro Stundenlohn für eine Fachverkäuferin - das ist selbst im schlecht bezahlten Osten Deutschlands eindeutig zu wenig. Arbeitsrichter in Sachsen geben der Klage einer Verkäuferin statt, die wenigstens zwei Drittel des ortsüblichen Tariflohns verlangte. http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/0,1518,692740,00.html
Gut so, dass macht hoffendlich anderen Mut sich zu wehren.
hazadeur 03.05.2010
3. Kann die Frau nicht lesen?
Zugegeben, ein Bruttostundenlohn von 6,00 Euro ist nicht gerade üppig. Ich frage mich aber, wie man einen Arbeitsvertrag mit Angabe des Lohnes unterschreiben kann, um dann einen höheren Lohn einzuklagen. Wenn mir Vertragsbedingungen mißfallen, handle ich einen anderen Vertag aus oder lasse die ganze Sache bleiben. Aber erst einen Vertrag abschließen und dann vor Gericht ziehen? Das macht doch nur Sinn, wenn der Vertag überraschende Klauseln etc. enthält, was den Punkt Besoldung wohl kaum betrifft. Aber das ist wohl typisch Deutschland: statt "Erst denken, dann handeln!" heißt es hier "Erst handeln, dann klagen!".
Tranquillius 03.05.2010
4. 6 Euro, nichts Besonderes!
6 Euro Stundenlohn brutto ist jetzt keine große Seltenheit im Osten. Aber es gibt genug niedrigqualifizierte Hilfskräfte die arbeitslos sind und bereit sind für diesen Lohn zu arbeiten.
Celestine, 03.05.2010
5. xx
Zitat von hazadeurZugegeben, ein Bruttostundenlohn von 6,00 Euro ist nicht gerade üppig. Ich frage mich aber, wie man einen Arbeitsvertrag mit Angabe des Lohnes unterschreiben kann, um dann einen höheren Lohn einzuklagen. Wenn mir Vertragsbedingungen mißfallen, handle ich einen anderen Vertag aus oder lasse die ganze Sache bleiben. Aber erst einen Vertrag abschließen und dann vor Gericht ziehen? Das macht doch nur Sinn, wenn der Vertag überraschende Klauseln etc. enthält, was den Punkt Besoldung wohl kaum betrifft. Aber das ist wohl typisch Deutschland: statt "Erst denken, dann handeln!" heißt es hier "Erst handeln, dann klagen!".
Sie tun ja gerade so als sei das Klagen schlimmer als die Unterbezahlung. Wenn niemand etwas unernimmt, wird sich nichts ändern. Es ist doch völlig wurst, in welcher Reihenfolge ... Mich freut es besonders, dass das Urteil aus Sachsen kommt.
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