US-Staatsanwalt Bharara Sheriff mit Polit-Ambitionen

Gerade ließ er den Chef des Online-Zahldienstes Liberty Reserve verhaften, wegen Geldwäscheverdachts. Doch US-Staatsanwalt Preet Bharara jagt auch Terroristen, korrupte Abgeordnete und Mafiosi. Ist sein Job ein Sprungbrett in die Politik?

AP

Von , New York


US-Universitäten veredeln ihre Abschiedsfeiern gerne mit VIP-Gastrednern. Die namhafte Law School der Columbia University lud vorige Woche dazu einen hauseigenen Absolventen ein: Preet Bharara, US-Staatsanwalt für New York.

Bharara, der es seit seinem Abschluss 1993 schon bis aufs Cover des "Time"-Magazins geschafft hat, fand dabei die üblichen Worte: Idealismus sei wichtiger als ein Diplom, Courage wichtiger als Härte. "Wenn ihr Gegnern wie Kollegen Höflichkeit und Güte erweist", riet er den Jungjuristen, "werdet ihr herausragen und Erfolg haben."

Höflichkeit und Güte: Darüber dürften Bhararas Widersacher nur bitter lachen. Denn lange nicht mehr hat sich ein von Washington bestallter Staatsanwalt hier so schnell so viele Feinde gesucht wie er - und diese dann so rigoros aus dem Weg geräumt.

Zuletzt spürte das Arthur B., ein nach Costa Rica geflohener Ex-New-Yorker: Bharara ließ den Chef des Online-Zahlungsdienstes Liberty Reserve (LR) in Madrid verhaften. Als Geldwäschedienst für Cyber-Kriminelle soll das Unternehmen sechs Milliarden Dollar an illegalen Erträgen bewegt haben. Ein Mammutfall, den Bharara auf einer seiner berühmten Pressekonferenzen mit einem gehörigen Maß Eigenwerbung präsentierte - und, wie immer, ausgefeilten Organigrammen.

Die Chancen für Arthur B. und seine mutmaßlichen Komplizen, ungeschoren davonzukommen, stehen schlecht: Preet Bharara, der ein Heer aus mehr als 200 Anklägern befehligt, hat eine hohe Schuldspruchquote. Seit seinem Amtsantritt im August 2009 zerrte er bereits mehr als 70 Wall-Street-Banker wegen Insiderhandels vor Gericht - alle wurden bestraft. Besonderes Augenmerk wirft er dabei seit einiger Zeit auf den Finanzhai Steven Cohen und seine Hedgefondsgruppe SAC.

Weshalb sie ihm auch gleich ein abgenutztes Etikett angeheftet haben: "Sheriff der Wall Street."

Knapp hinter Lady Gaga

Dabei ist er viel mehr. Die Finanzbranche hat der 44-jährige Bharara zwar ganz besonders im Visier. Doch ebenso Qaida-Terroristen, korrupte Politiker, Cyber-Schurken und die altbackene Mafia. Seine aggressiven, kontroversen Mittel sorgen dabei für Respekt wie Verunsicherung.

So landete er nicht nur auf dem "Time"-Titel. "Vanity Fair" setzte ihn auf Platz 17 des "neuen Establishments", knapp hinter Lady Gaga. Der Wirtschaftsdienst Bloomberg kürte ihn als "Wachhund mit Biss" zu einem der "50 einflussreichsten" Menschen der Finanzmärkte. Und Russland verhängte eine Einreisesperre gegen ihn, wegen seiner Beteiligung an der Verurteilung des Waffenhändlers Wiktor But.

Sein Sinn für überkorrektes Verhalten geht, wie Bharara selbst oft sagt, auch auf seine chaotische Familiengeschichte zurück. Geboren in Indien als Sohn eines Sikhs und einer Hinduistin, die beide einst alles verloren, kam er als Kleinkind in die USA. An der Columbia University und in Harvard begeisterte er sich dann schnell fürs US-Rechtswesen.

Schon sagen sie Bharara höhere Ambitionen nach. Schließlich ist sein Amt, als "einer der mächtigsten Clubs der Stadt" ("New York Times"), ein politisches Sprungbrett: Unter seinen Vorgängern finden sich der spätere Bürgermeister Rudy Giuliani, SEC-Chefin Mary Jo White und Ex-Gouverneur Thomas Dewey. Andere frühere Alumni der Staatsanwaltschaft New York wurden Polizeipräsidenten, FBI-Chefs, Bundesrichter, Kongressabgeordnete.

"Nicht genug Vorladungen für alle"

Zwar sind alle naheliegenden Polit-Posten vorerst ausgebucht. Doch das Wirtschaftsblatt "Crain's" brachte Bharara erst kürzlich wieder als potentiellen US-Justizminister ins Gespräch - unter einer Präsidentin Hillary Clinton. Sein Büro dementierte dezent, wie immer: "Preet findet, dass er den besten Job der Welt hat, und hegt keine Pläne für ein politisches Amt."

Dieser beste Job der Welt macht anderen die Hölle heiß. Dass er es dabei vor allem auf die Wall Street und "ihre schleichende Kultur der Korruption" absieht, war von Anfang an klar.

Erfolgreich verklagte er den Hedgefonds-Star Raj Rajaratnam und dessen Informanten, den früheren McKinsey-Chef und Goldman-Sachs-Direktor Rajat Gupta, wegen Insiderhandels. Die Deutsche Bank, Citibank und Credit Suisse bedachte er mit teuren Betrugsklagen. Von der Bank of America fordert er in einem laufenden Zivilverfahren eine Milliarde Dollar Strafe.

"Ich wollte mich vorab nur entschuldigen, dass ich nicht genug Vorladungen für Sie alle habe", juxte Bharara voriges Jahr auf einer Hedgefonds-Konferenz - und fügte spöttisch hinzu: "Das war ein Scherz. Ich habe genug."

Auch zerrte Bharara die Familie des Mega-Betrügers Bernard Madoff vor Gericht. Er zwang einen Madoff-Hauptbegünstigten, den Investor Jeffry Picower, 7,2 Milliarden Dollar zurückzuzahlen. Der 67-Jährige ertrank noch vor Ende der Affäre im Oktober 2009 in seinem Swimmingpool in Palm Beach. Todesursache: Herzinfarkt.

Genau eine Woche zuvor hatte Bharara die Verhaftung Rajaratnams verkündet - mit einem abgewandelten Zitat aus Oliver Stones Filmparabel "Wall Street": "Manchmal ist Gier eben nicht gesund."

insgesamt 3 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
#144000 30.05.2013
1. was lernen wir hier ?
das system fühlt sich in die enge getrieben und reagiert immer durchsichtiger . eine weltweite internet-währung wird kommen, die frage ist nur, wem sie gehören wird (internet als schlachtfeld der zukunft (harmagedon)) . das sicherste ist, wenn sich jeder ein eigenes konto macht (virtuelle brieftasche (nicht irgendwo, sondern bei sich auf seinem account)) . das wird dann verlinkt und die pings erscheinen auf der verlinkten seite . die seite ist unterseite von einer weiteren seite, die allen gehört und von allen verwaltet wird (z.b. verifizierung) . einzelne unterseiten können auch von einzelnen gruppen verwaltet werden (sozusagen lokale währungen) . http://knol2.wordpress.com/a/a0/a1/whuffie-and-money/whuffie-collection/accounts/
vitalik 30.05.2013
2.
Zitat von #144000das system fühlt sich in die enge getrieben und reagiert immer durchsichtiger . eine weltweite internet-währung wird kommen, die frage ist nur, wem sie gehören wird (internet als schlachtfeld der zukunft (harmagedon)) . das sicherste ist, wenn sich jeder ein eigenes konto macht (virtuelle brieftasche (nicht irgendwo, sondern bei sich auf seinem account)) . das wird dann verlinkt und die pings erscheinen auf der verlinkten seite . die seite ist unterseite von einer weiteren seite, die allen gehört und von allen verwaltet wird (z.b. verifizierung) . einzelne unterseiten können auch von einzelnen gruppen verwaltet werden (sozusagen lokale währungen) . http://knol2.wordpress.com/a/a0/a1/whuffie-and-money/whuffie-collection/accounts/
Außer, dass Sie anscheinend eine feuchte Hose von diesem Gedanken bekommen, welchen Vorteil hat ein Normalbürgen von so einem Quatsch. In Deutschland sind die Preise schon seit Jahren mehr oder weniger stabil. Eine Mini-Inflation gibt es zwar, diese betrifft doch kaum jemanden. Der größte Preisanstieg kommt durch die Energiepreise, die ja aber von den Politikern getrieben werden. Außerdem gibt es die Inflation/Deflation auch bei der digitalen Währung.
#144000 31.05.2013
3. zweiter versuch
zweiter versuch @ vitali k . noch so'n ausrutscher, und du hast nasenbluten . internet ist eben nicht das normale alltagsleben, sondern hier entstehen ganz neue möglichkeiten, gerade auch für den normalbürger . jeder ist eine kleine bank, die aber nur eine bestimmte menge an geldeinheiten schöpfen kann, und deshalb gibt es auch keine inflation . (in deutschland sind die preise übrigens schon seit jahren nicht mehr stabil und die energie-preise werden auch nicht von politikern getrieben) . statt hier dumm rumzuquatschen solltest du dir einfach eine eigene geld-seite anlegen und mir den namen mitteilen . ich werde dann alles weitere für dich übernehmen (wer mich angreift, wird zur strafe geheilt) .
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.