Stark gestiegene Verbraucherpreise Bundesregierung hält hohe Inflation für vorübergehendes Phänomen

Die Teuerungsrate liegt aktuell so hoch wie seit 1993 nicht mehr. Grund zur Sorge ist das laut Bundeswirtschaftsministerium aber nicht – besonders weil die Löhne nicht ebenfalls entsprechend steigen.
Tankstelle in Mecklenburg-Vorpommern im Juli: Energiepreise sind besonders für die Teuerung verantwortlich

Tankstelle in Mecklenburg-Vorpommern im Juli: Energiepreise sind besonders für die Teuerung verantwortlich

Foto: Jens Büttner / dpa

Die stark steigenden Verbraucherpreise verunsichern viele Bürgerinnen und Bürger. Die Bundesregierung indes sieht in der aktuellen Inflation jedoch kein dauerhaftes Problem.

»Eine nachhaltige Erhöhung der Teuerungsrate ist aus heutiger Sicht nicht zu erwarten«, heißt es in dem aktuellen Monatsbericht des Bundeswirtschaftsministeriums . »Denn aktuell sind keine Anzeichen einer Lohn-Preis-Spirale zu beobachten, die zu dauerhaft hoher Inflation führen kann.« Eine solche Spirale kommt in Gang, wenn die Löhne wegen drohender starker Kaufkraftverluste ebenfalls kräftig angehoben werden und Unternehmen darauf mit neuen Preiserhöhungen reagieren, um ihre Gewinnmargen zu halten.

Die Teuerungsrate liegt aktuell mit 3,8 Prozent so hoch wie seit 1993 nicht mehr. Ökonomen gehen davon aus, dass sie in den kommenden Monaten die Vierprozentmarke knacken wird.

Dafür spricht, dass die Verkaufspreise im deutschen Großhandel im Juli so stark gestiegen sind wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Sie lagen um 11,3 Prozent höher als ein Jahr zuvor, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Einen kräftigeren Anstieg gab es zuletzt im Oktober 1974 mit 13,2 Prozent während der ersten Ölkrise. Die Entwicklung im Großhandel gilt als Indikator für zukünftige Inflationstendenzen, da er das Scharnier zwischen Herstellern und Endkunden ist.

Wirtschaft erholt sich weiter vom Corona-Knick

»Die Inflationsrate erhöhte sich von Juni auf Juli sprunghaft«, schreibt das Ministerium. »Maßgeblich war ein Basiseffekt aufgrund der temporären Senkung der Umsatzsteuersätze ein Jahr zuvor.«

Schon seit Jahresbeginn war zudem die Inflationsrate angesichts weiterer Sonderfaktoren wie höherer Rohstoffpreise oder der CO₂-Bepreisung deutlich gestiegen, besonders Kraftstoffe und Heizöl wurden teurer. »Zu Beginn des Jahres 2022 dürfte sich die Inflationsrate nach Auslaufen der Sondereffekte aber wieder deutlich verringern«, heißt es im Monatsbericht.

Darin wird auch auf eine zweigeteilte Konjunktur in Deutschland verwiesen. »Während die Dienstleistungsbereiche weiter von den Lockerungen der Pandemie-Eindämmungsmaßnahmen profitieren, wird die Industriekonjunktur durch bestehende Lieferengpässe belastet«, so das Ministerium. »Die positive Grunddynamik der Gesamtkonjunktur besteht jedoch weiter fort und treibt die wirtschaftliche Erholung voran.«

apr/Reuters
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