8,5 Prozent Inflationsrate in den USA steigt auf 40-Jahres-Hoch

Höhere Preise für Benzin, Mieten und Lebensmittel treffen die Verbraucher auch in den USA hart. Die Teuerung ist auf dem höchsten Stand seit Ende 1981 – der Druck auf die Fed, die Zinsen zu erhöhen, wächst damit weiter.
Tankstelle in Washington, D.C.: Wie in Europa sind in den USA zuletzt auch die Spritpreise stark gestiegen

Tankstelle in Washington, D.C.: Wie in Europa sind in den USA zuletzt auch die Spritpreise stark gestiegen

Foto: Chip Somodevilla / Getty Images

Die Verbraucherpreise haben in den USA im März noch stärker zugelegt als in Deutschland. Die Inflationsrate stieg gegenüber dem Vorjahresmonat um 8,5 Prozent, wie die US-Regierung mitteilte. Das ist die höchste Inflationsrate seit Ende 1981, also seit gut 40 Jahren.

Im Vormonat hatte die Rate 7,9 Prozent betragen. Die hohe Inflationsrate erhöht den Druck auf die US-Notenbank Federal Reserve (Fed), ihren Leitzins noch schneller zu erhöhen. Auch für US-Präsident Joe Biden und seine Demokraten ist die anhaltend hohe Teuerungsrate rund sieben Monate vor der wichtigen Kongresswahl eine große Herausforderung.

In Deutschland war die Jahresinflationsrate im März, angeheizt von massiv gestiegenen Energiepreisen, auf 7,3 Prozent gestiegen. Das Statistische Bundesamt bestätigte diese Schätzung und begründete diese unter anderem mit dem starken Anstieg der Preise bei Heizöl. Diese haben sich den Statistikern zufolge mit einem Plus von 144 Prozent mehr als verdoppelt. Aber auch etwa Sprit sowie Nahrungsmittel – darunter besonders Speisefette und Öle – wurden merklich teurer.

Kraftstoffe besonders für Teuerung verantwortlich

In den USA wiederum waren die stärksten Preistreiber im März Kraftstoffe, Mieten und Lebensmittel. Allein die Benzinpreise stiegen im Monatsvergleich um 18,3 Prozent und standen damit für mehr als die Hälfte des Anstiegs, wie die neuen Daten zeigten.

Der rasche Anstieg wurde meist mit dem russischen Angriffskrieg in der Ukraine erklärt, der die Ölpreise ansteigen ließ. Im April sind die Benzinpreise in den USA bereits wieder etwas gesunken. Die Preise anderer Energieträger erhöhten sich im März ebenfalls deutlich. Lebensmittel wurden zehn Prozent teurer.

Die Kerninflation, also ohne Berücksichtigung von Lebensmittel- und Energiepreisen, stieg im Jahresvergleich um immer noch sehr hohe 6,5 Prozent. Ein wichtiger Antreiber der höheren Kerninflation waren die Wohnkosten: Sie stiegen im Vergleich zum Vorjahresmonat um fünf Prozent – der größte Anstieg seit 1991.

Das mittelfristige Inflationsziel der Fed von zwei Prozent wird schon seit Längerem deutlich überschritten. Die Notenbank hat bereits durchblicken lassen, ihren geldpolitischen Kurs nun erheblich zu verschärfen. Viele Analysten rechnen daher bei der nächsten Sitzung der Entscheider der Zentralbank Anfang Mai mit einer Erhöhung des Leitzinses um 0,5 Prozentpunkte auf eine Spanne von 0,75 bis 1 Prozent.

An den Finanzmärkten werden allein für dieses Jahr Zinsanhebungen von insgesamt mehr als zwei Prozentpunkten erwartet. Außerdem will die Fed ihre billionenschwere Bilanz bald zügig abschmelzen, was den Märkten weitere Liquidität entziehen würde.

Erhöhungen des Leitzinses bremsen die Nachfrage. Das hilft dabei, die Inflationsrate zu senken, schwächt aber auch das Wirtschaftswachstum. Für die Notenbank ist es daher ein Balanceakt: Sie will die Zinsen so stark anheben, dass die Inflation ausgebremst wird – ohne dabei gleichzeitig Konjunktur und Arbeitsmarkt abzuwürgen.

Die Fed ist den Zielen der Preisstabilität und Vollbeschäftigung verpflichtet. Inzwischen brummt die US-Wirtschaft wieder, die Arbeitslosenquote war zuletzt auf niedrige 3,6 Prozent gefallen. Viele Firmen klagen bereits über einen Mangel an Arbeitskräften.

apr/dpa
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