Forderung von Verbraucherschützern Erst mahnen - dann Inkasso

Inkassobüros treiben oft Geld ein, bevor die zu zahlende Rechnung überhaupt angemahnt wird - zu enormen Gebühren. Verbraucherschützer verlangen jetzt verpflichtende Mahnungen per Gesetz.
Inkassostempel

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Foto: blickwinkel/ imago images

Wer seine Rechnungen nicht zahlt, dem droht ein teures Inkassoverfahren. Oft erhalten Betroffene zuvor nicht einmal ein Mahnschreiben. "Das ist bisher nicht vorgeschrieben", kritisiert der oberste Verbraucherschützer Klaus Müller. Ein Gesetz dafür wäre aber "höchst überfällig", sagt der Chef des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv).

In einer Forsa-Umfrage für den vzbv gab mehr als die Hälfte der Befragten an, unmittelbar nach der Rechnung gleich eine Inkassoforderung erhalten zu haben. Teilweise könne diese Forderung sogar das Vielfache des Rechnungsbetrags umfassen. Bevor ein Inkassounternehmen Gebühren einfordert, muss es nach Ansicht der Verbraucherschützer mindestens eine Mahnung geben.

Die Inkassobranche steht unter anderem wegen hoher Gebühren für Schuldner immer wieder in der Kritik. Auch Justizministerin Christine Lambrecht (SPD) monierte, die Forderungen stünden oft in keinem Verhältnis zum Aufwand der Inkassounternehmen. Die Gebühren sollen per Gesetz gesenkt werden. Derzeit dürfen Inkassofirmen auch bei kleinen Ausständen bis zu 70,20 Euro in Rechnung stellen, künftig sollen es noch 37,80 Euro sein.

"Es ist längst überfällig, dass die Branche der Inkassounternehmen sich nicht nur an Recht und Gesetz hält, sondern auch wieder an Anstand", forderte Müller. Massenanschreiben kosteten die Firmen nicht mehr als das Eingeben von ein paar Adressdaten und das Versenden des Briefes. Trotzdem seien die Gebühren exorbitant, die Gewinnmargen extrem hoch. Daran ändere Lambrechts Gesetzentwurf deutlich zu wenig. "Mindestens für die Briefe, die im Massengeschäft versendet werden, sollten eigentlich höchstens die Gebühren angesetzt werden dürfen, die tatsächlich anfallen", forderte Müller. "Das sind vielleicht 15 oder 16 Euro."

Die Inkassobranche fürchtet, dass besonders die mittelständische Wirtschaft einen Teil ihrer Forderungen dann nicht mehr eintreiben lassen kann. Die Behauptung, die Arbeit sei die Gebühren nicht wert, hatte der Bundesverband Deutscher Inkassounternehmen bereits im November als völlig undifferenziert zurückgewiesen. "Wir machen mehr als das Verschicken automatisierter Schreiben", hieß es damals.

kig/dpa-AFX