Verbraucherschützer Illegale Geschäftemacher zocken Flüchtlinge ab

Geschäftemacher haben Flüchtlinge in Deutschland ins Visier genommen. Sie nutzen deren Unkenntnis aus, beklagt der Chef des Bundesverbands der Verbraucherzentralen. Er fordert einen generell strengeren Rechtsrahmen.

Flüchtlinge beim Deutschunterricht
Herbert Spies

Flüchtlinge beim Deutschunterricht


Nach Deutschland gekommene Flüchtlinge werden nach Erkenntnissen der Verbraucherzentralen inzwischen auch Ziel illegaler Geschäftemacher. Seit einigen Wochen sei "eine neue Masche" zu beobachten, sagte der Chef des Bundesverband der Verbraucherzentralen (vzbv), Klaus Müller. Dabei bekämen Flüchtlinge einen Anruf, in dem oft von einer gewonnenen Kreditkarte die Rede sei. Schon ein "Ja" auf Fragen etwa zum Namen werde als Zustimmung zu einem Vertrag gewertet, worauf Zahlungsaufforderungen folgen.

"Das sind ärgerliche Situationen, wo Unwissenheit, vielleicht auch ein kurzfristiges Glücksgefühl ausgenutzt wird", sagte Müller. Solche unerlaubte Telefonwerbung sei seit Jahren ein Problem auch für Verbraucher, die schon seit langem in Deutschland leben. "Jetzt wird versucht, Menschen mit einem Migrations- oder Fluchthintergrund in diese Fallen hineinzulocken." Gebraucht werde insgesamt ein strenger Rechtsrahmen gegen illegale Praktiken, forderte Müller.

Flüchtlinge seien mittlerweile teils selbst erwerbstätig oder wollten natürlich an Konsummöglichkeiten teilhaben. "Viele davon sind die Spielregeln hier nicht gewohnt. Und damit sind sie leider auch Opfer von manch einem Abzocker", beklagte der Verbraucherschützer. Viele Flüchtlinge wüssten nicht um ihre Rechte und dass sie in Fällen unzulässiger Geschäfte etwa bei Verbraucherzentralen und Anwälten Unterstützung bekommen könnten. Daher sei es auch für Helfer von Kirchen, Gewerkschaften oder Wohlfahrtsverbänden wichtig zu sagen: "Hier muss keiner Scham haben, wenn ihm so was passiert ist."

kig/dpa



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