Hohe Rechnung trotz Widerruf Verbraucherzentrale wirft Parship Abzocke vor

Liebe kann man nicht kaufen - aber teuer ist sie manchmal trotzdem. Kunden der Partnervermittlung Parship müssen auch dann Hunderte Euro bezahlen, wenn sie ihr Jahresabo rechtzeitig widerrufen. Die Verbraucherzentrale Hamburg klagt nun gegen diese Praxis.
Parship-Seite: Mehr als 300 Euro für knapp zwei Wochen Nutzung

Parship-Seite: Mehr als 300 Euro für knapp zwei Wochen Nutzung

Foto: Parship

Hamburg - Sie suchte die Liebe - und bekam eine Rechnung über 306,99 Euro. Obwohl Frau L. ihr Jahresabonnement bei der Online-Partnervermittlung Parship binnen zwei Wochen und damit innerhalb der Widerrufsfrist kündigte, musste sie teuer für die zehn Kontakte bezahlen, die sie bis dahin über die Seite geschlossen hatte. Hätte sie das ganze Jahr ausgeschöpft, wäre sie mit 409,32 Euro kaum teurer weggekommen.

Gegen diese Praxis von Parship hat die Verbraucherzentrale nun Klage vor dem Landgericht Hamburg eingereicht. Mit der Begründung des Wertersatzes für tatsächlich genutzte Dienstleistungen stelle Parship überzogene Forderungen an ehemalige Kunden.

"Parship will Verbraucher mit seinen Kostenkalkulationen von der Ausübung ihres Widerrufsrechts abhalten", sagt Julia Rehberg von der Verbraucherzentrale Hamburg. Frau L. sei kein Einzelfall, allein in Hamburg bekämen die Verbraucherschützer wöchentlich mehrere Beschwerden über Parhsip. Auch Parships Konkurrenten seien in solchen Fällen nicht kulanter.

Parship berechnet den Wertersatz bei Widerruf nach der Anzahl der bereits genutzten Kontakte auf der Online-Plattform. Die Höhe des zu leistenden Wertersatzes wie im Fall von Frau L. kann bis zu drei Viertel des Produktpreises für den vom Kunden abgeschlossenen Vertrag betragen.

Auf Kosten werde deutlich hingewiesen, wehrt sich Parship

Das Unternehmen bestreitet die Vorwürfe der Verbraucherzentrale ihrem Inhalt nach nicht. "Der Kunde wird vor Vertragsabschluss auf den Wertersatz als mögliche Rechtsfolge des Widerrufs hingewiesen", schreibt eine Parship-Sprecherin in einer E-Mail. Auf mögliche Kosten werde sogar deutlicher hingewiesen als der Gesetzgeber dies fordert.

Die Verbraucherzentrale sagt dagegen, die Zahlungen, die das Unternehmen von seinen ehemaligen Kunden verlangt, entbehrten jeglicher Rechtsgrundlage. Kosten sollten nur anteilig für den Zeitraum der tatsächlichen Nutzung anfallen, sagt die Rechtsexpertin der Verbraucherzentrale. Im Falle von Frau L. entspräche das 13,46 Euro.

Mit Blick auf die großflächigen Plakate, auf denen die Partnervermittlung derzeit in vielen Großstädten wirbt, sagt Rehberg: "Partnersuchende, die angesichts der derzeitigen Werbeoffensive mit dem Abschluss einer Premium-Mitgliedschaft bei Parship liebäugeln, sollten sich darüber im Klaren sein, welche finanziellen Einbußen damit verbunden sein können."

ade