Verdacht Justiz ermittelt gegen weiteren Aktionärsschützer 

Die Affäre um die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger zieht Kreise: Nach SPIEGEL-Informationen wird gegen Ex-Vorstand Harald Petersen wegen des Verdachts auf Marktmanipulation in Mittäterschaft ermittelt. Dabei will Petersen einen anderen Ex-SdK-Funktionär vor Gericht verteidigen.

Firmenschild der SdK: Affäre weitet sich aus
DPA

Firmenschild der SdK: Affäre weitet sich aus


Hamburg - Kurz vor Beginn der Hauptverhandlung gegen zwei Ex-Aktionärsschützer wegen illegaler Aktienkursmanipulationen spitzt sich die Affäre zu. Nach SPIEGEL-Informationen hat die Münchner Staatsanwaltschaft gegen den Ex-Vorstand der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK), Harald Petersen, ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts auf Marktmanipulation in Mittäterschaft eingeleitet. Petersen war erst Anfang vergangener Woche von seinem Führungsposten bei den Aktionärsschützern von der SdK zurückgetreten.

Pikantes Detail: Petersen ist einer der Verteidiger des ehemaligen SdK-Vizechefs Markus Straub. Dieser muss sich ab Montag wegen des Verdachts auf Insiderhandel und Aktienkursmanipulation vor dem Münchner Landgericht verantworten. Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft hat Straub 2008 einen Kursrutsch der Aktie des Bezahldienstleisters Wirecard ausgelöst, weil er unter anderem öffentlich angebliche Bilanztricks bei dem Unternehmen angeprangert hatte. An dem Kursverlust soll Straub persönlich verdient haben, weil er laut Anklage zuvor auf fallende Kurse der Aktie gesetzt hatte. Straub war bei einer Razzia im Jahr 2010 festgenommen worden und sitzt seitdem in Untersuchungshaft.

Die Ermittler werfen dem Juristen Petersen vor, er habe gewusst, dass Straub auf fallende Kurse von Wirecard setzte, als die SdK 2008 vor dem Unternehmen warnte. Ein Sprecher Petersens äußert den Verdacht, die Staatsanwaltschaft wolle mit dem Ermittlungsverfahren gegen den Ex-SdK-Funktionär womöglich Straubs Verteidigung schwächen.

Ermittler wollen Petersen nicht als Verteidiger sehen

Die Staatsanwaltschaft beantragte, Petersen in dem nun beginnenden Verfahren auszuschließen. Die verbliebenen Verteidiger haben wegen Verfahrensverschleppung bereits Verfassungsbeschwerde eingelegt.

Der Rückzug von Petersen als Vorstand der SdK wurde damit begründet, dass der Anwalt mögliche Interessenkonflikte im Zuge des Prozesses gegen Straub vermeiden wolle.

Neben Straub steht auch der Herausgeber eines Börsenbriefs vor Gericht, der im großen Stil Werbekampagnen für seine eigenen Aktien lanciert und an den Kursgewinnen ein Vermögen verdient haben soll. Zwei weitere Beteiligte in dem Skandal um Kursmanipulation sind bereits zu Bewährungs- und Geldstrafen verurteilt worden, darunter auch ein ehemaliger Funktionär der SdK. Sie hatten ihre Taten in vollem Umfang gestanden und damit kurze Gerichtsverfahren ermöglicht.

Der Prozess gegen Straub und den Börsenbriefherausgeber wird hingegen voraussichtlich deutlich länger dauern: Bis Mai sind bereits 30 Verhandlungstage geplant.

mmq/dpa



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