Untersuchung Kartellamt kritisiert Tricks von Vergleichsportalen

Das Bundeskartellamt hat 36 Vergleichsportale im Internet untersucht - nicht alle arbeiten demnach neutral und transparent.
Zentrale des Vergleichsportals Check24 (Symbolbild)

Zentrale des Vergleichsportals Check24 (Symbolbild)

Foto: Matthias Balk/ dpa

Wer ein Online-Vergleichsportal nutzt, erwartet wahrscheinlich eine Plattform, die verschiedene Angebote neutral darstellt. Doch das sei häufig nicht der Fall, bemängelt das Bundeskartellamt in einer Untersuchung.

Verbraucher könnten mithilfe der Portale zwar bessere und günstigere Leistungen finden. "Wir haben aber auch verbraucherunfreundliche Tricks mancher Portale aufgezeigt", sagte Kartellamtspräsident Andreas Mundt bei der Vorstellung der Ergebnisse. Einige Verhaltensweisen der Vergleichsportale entsprächen "nicht dem Idealbild einer neutralen Plattform", heißt es im Abschlussbericht .

Die Wettbewerbsbehörde hatte 36 Vergleichsportale für die Branchen Reisen, Energie, Versicherungen, Telekommunikation und Finanzen untersucht. Bei Versicherungen und Hotels würden teilweise wichtige Anbieter nicht in den Vergleich einbezogen, stellte das Kartellamt dabei fest. Das machten aber nur einige Portale hinreichend transparent.

Beim Vergleich von Energie- und Telekommunikationstarifen zeigten viele Portale einzelne Angebote über dem eigentlichen Ranking an, auf der sogenannten Position 0. Dafür erhielten die Portale teilweise Zahlungen von den Anbietern, ohne den Verbraucher darüber zu informieren, dass es sich um Werbung beziehungsweise eine Anzeige handelt.

Mundt riet den Verbrauchern, zu kontrollieren, wie ein Ranking zustande gekommen sei und ob möglichst viele Angebote eingeflossen seien. Auch sollten sie sich nicht "unter Druck setzen lassen von angeblichen Knappheiten oder Exklusivangeboten, die vielleicht gar keine sind". Das Kartellamt hat dazu ein Video mit konkreten Tipps veröffentlicht:

Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von YouTube, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Externer Inhalt

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Um bei Verstößen gegen Verbraucherrechte einschreiten zu können, wünscht sich Mundt mehr Kompetenzen. Das Kartellamt müsse die Portale verpflichten können, festgestellte Mängel zu beheben, forderte der Behördenchef. Spezielle Transparenzvorgaben für Vergleichsportale seien dagegen nicht sinnvoll.

Check24 und Verivox sehen sich gestärkt - werden aber auch kritisiert

Die beiden großen Vergleichsportale Check24 und Verivox sehen sich durch die Untersuchung des Kartellamts gestärkt. Der Bericht bestätige, "dass die Rankings bei Check24 rein nach objektiven Kriterien erfolgen", sagte Geschäftsführer Christoph Röttele. Verivox-Geschäftsführer Joern Taubert sagte, das Bundeskartellamt habe eindeutig klargestellt, "dass Provisionszahlungen mit Ausnahme des Reisebereichs keinen Einfluss auf die Reihenfolge der Vergleichsergebnisse haben". Position-0-Angebote würden bei Verivox deutlich sichtbar als Anzeige ausgewiesen, fügte ein Sprecher hinzu.

Dabei schreibt das Bundeskartellamt in seiner Untersuchung jedoch auch, dass beide Anbieter Position-0-Angebote schalten - bei Strom- und Gastarifen seien das "jeweils zwei Tarife, die außerdem mit Hinweisen wie 'Top Service' und 'Bester Service' bezeichnet werden".

Check 24 und Verivox dominieren laut Kartellamt bei den Vergleichsportalen zu Energie und Telekommunikation, bei Versicherungen sei Check 24 das führende Portal. Bei Reiseportalen sei die Konzentration dagegen geringer. Die Portale finanzieren sich laut Kartellamt überwiegend über Vermittlungsprovisionen. Verivox gibt auf seiner Internetseite an, für die Vermittlung eines Strom- oder Gasvertrags durchschnittlich 40 bis 60 Euro zu erhalten.

kko/dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.