Vermögensbarometer Bürger wollen wegen Corona mehr sparen

Trotz Einbußen sind die Deutschen mit ihrer finanziellen Lage zufrieden. Laut einer Umfrage haben aber viele ihren Konsum eingeschränkt - und wollen mehr Geld zurücklegen.
Passanten auf der Schildergasse in Köln

Passanten auf der Schildergasse in Köln

Foto: Marius Becker / DPA

Die Coronakrise lässt Deutschlands Wirtschaft in diesem Jahr so stark schrumpfen wie seit der Finanzkrise nicht mehr - doch die Deutschen sind insgesamt immer noch zufrieden, was die eigenen Finanzen angeht. Das zeigt eine neue Umfrage im Auftrag des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands (DSGV), deren Ergebnisse an diesem Donnerstag vorgestellt werden.

Demnach schätzen 42 Prozent der Befragten ihre Lage als "gut" oder "sehr gut" ein, der Anteil ist gegenüber dem Vorjahr gerade mal um einen Prozentpunkt zurückgegangen. Von einer schlechten finanziellen Situation sprechen mit 18 Prozent genauso wenige wie im Vorjahr. Für die Umfrage "Das Vermögensbarometer 2020: Die Deutschen und ihr Geld" hat das Meinungsforschungsunternehmen Kantar von Juni bis Juli dieses Jahres mehr als 4800 Menschen online befragt.

Das Ergebnis überrascht, weil ein Großteil der Befragten Corona-bedingte Einbußen hinnehmen musste: 39 Prozent der Befragten gaben dies an, zehn Prozent sprechen sogar von gravierenden Einbußen. Besonders betroffen sind Freiberuflerinnen und Freiberufler, Selbstständige sowie Auszubildende.

In ländlichen Gegenden fernab der Städte waren die Auswirkungen der Coronakrise geringer als in den Innenstädten. Auf dem Land sind demnach knapp zwei Drittel der Menschen (65 Prozent) von Einbußen verschont geblieben, in den Innenstädten waren es 59 Prozent.

Dass die Deutschen ihre eigene finanzielle Situation so rosig beurteilen, dürfte daran liegen, dass Deutschland im internationalen Vergleich bisher gut durch die Krise gekommen ist. Die Arbeitslosigkeit ist zwischenzeitlich zwar um rund 600.000 Menschen angestiegen. Aber: "Das ist relativ wenig angesichts des Einbruchs", hatte jüngst Lars Feld, Vorsitzender des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, dem SPIEGEL gesagt. Insbesondere im Vergleich mit den USA, wo mehrere Millionen Jobs verloren gingen, sei Deutschland bislang gut durch die Krise gekommen. Vor allem die Ausweitung der Kurzarbeit dürfte die Einkommen vieler Bundesbürger stabilisiert haben.

Trotz der generellen Zufriedenheit dürfte sich laut DSGV-Umfrage das Konsumverhalten der Deutschen aufgrund der Coronakrise erheblich verändern. Zwar ist es bei mehr als der Hälfte (57 Prozent) nach eigener Aussage in den vergangenen zwölf Monaten unverändert geblieben. Doch haben 36 Prozent der Befragten ihren Konsum eingeschränkt: Dieser Anteil war seit sieben Jahren nicht mehr so groß. Hingegen gaben nur sieben Prozent der Befragten an, ihren Konsum ausgeweitet zu haben.

Außerdem wollen die Deutschen künftig mehr sparen. Ein knappes Drittel aller Befragten hat das eigene Sparverhalten in Zeiten der Coronakrise angepasst oder plant dies zu tun. "Mehr sparen" ist dabei die häufigste Option, die von beinahe zwei Dritteln dieser Teilgruppe gewählt wurde. "Weniger sparen" ist nur für 17 Prozent die richtige Option. 17 Prozent dagegen wollen "andere Anlageprodukte auswählen" oder haben dies bereits getan. Hierbei erachten die Befragten Edelmetalle wie Gold, Immobilien und Investmentfonds als lukrative Alternativen. Schlecht schneiden hingegen Tagesgeldkonten und Sparbücher ab.

Jüngere sind optimistischer

Besonders optimistisch sind laut der Umfrage jüngere Menschen. Ihre aktuelle finanzielle Situation beurteilen die 14- bis 29-Jährigen häufiger positiv als der Durchschnitt: Bei den Jüngeren ist der Anteil der Zufriedenen mit 46 Prozent höher als in der gesamten Bevölkerung (42 Prozent). Der Anteil der Unzufriedenen ist mit 16 Prozent außerdem um zwei Prozentpunkte niedriger als im Durchschnitt.

63 Prozent der Befragten erwarten zudem eine Verbesserung ihrer finanziellen Situation in den nächsten zwei Jahren. 2018 war dieser Anteil noch um acht Prozentpunkte geringer. Vermutlich erwarten jüngere Menschen nach dem Ende der Coronakrise eine Erholung. Diese Einstellung ist bei den Jüngeren weiter verbreitet als in der Gesamtbevölkerung.

Dennoch sind auch die Jüngeren vorsichtiger geworden: In der jüngsten Altersgruppe ist der Anteil derjenigen, die ihren Konsum einschränken wollen, größer als der Prozentsatz derjenigen, die ihn ausweiten wollen. Das war nicht immer so. In den beiden Vorjahren wollte eine Mehrheit der Jüngeren den Konsum ausweiten - und nicht einschränken.

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