Versandhaus Verbraucherschützer befürchten Verkauf von Quelle-Kundendaten

Der Ausverkauf bei Quelle läuft - und könnte umfassender ausfallen, als es vielen Käufern lieb sein dürfte: Verbraucherschützer befürchten, dass der Versandkonzern die bis zu acht Millionen Kundendaten ebenfalls zu Geld macht.

Quelle-Einkaufszentrum: Alles muss raus
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Quelle-Einkaufszentrum: Alles muss raus


Nürnberg - Bei einem Unternehmen, das aus allem Kapital schlagen muss, ist Vorsicht geboten: Verbraucherschützer sorgen sich um den Verbleib der bis zu acht Millionen Kundendaten, die auf den Festplatten der in Abwicklung befindlichen Quelle-Versandgruppe gespeichert sind. Die Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) forderte einem Bericht der "Nürnberger Nachrichten" zufolge den Insolvenzverwalter auf, die wertvollen und zum Teil sensiblen Kundendaten nicht wie die anderen Waren zu verkaufen.

Nach dem gerade erst novellierten Datenschutzgesetz dürfte das Unternehmen wohl nach dem unter Experten heftig umstrittenen "Listenprivileg" bestimmte Daten wie Name, Anschrift, Geburtsjahr und maximal ein einziges Kaufmerkmal - etwa die häufige Bestellung von Wein - weiterveräußern, erklärte das Bayerische Landesamt für Datenschutzaufsicht. Andere Daten wie Bankverbindungen und Angaben zur Zahlungsmoral dürfen dagegen nicht weitergegeben werden. Diese Daten würden gesperrt und nach Ablauf der gesetzlichen Aufbewahrungspflicht gelöscht, heißt es dazu bei Quelle.

Bereits mehr als 115.000 Online-Bestellungen

Verbraucherschützer bleiben aber misstrauisch. So rät die zuständige Fachbereichsleiterin beim vzbv den Versandkunden, der üblicherweise bei Bestellungen erteilten Nutzungsgenehmigung ihrer Daten zu widersprechen und die Löschung zu beantragen.

Ein Rat, der unzählige Käufer betrifft. Denn der Start des Quelle-Ausverkaufs am Sonntag hat dem insolventen Versandhaus einen regelrechten Boom beschert. Bis zum Montagnachmittag seien per Internet knapp 115.000 Bestellungen eingegangen, mehr als 60.000 davon allein am ersten Tag, sagte der Sprecher des Insolvenzverwalters, Thomas Schulz. Einen solchen Ansturm habe Quelle selbst im umsatzstarken Weihnachtsgeschäft bisher nicht erlebt: Am 23. Dezember 2008 waren 46.000 Internetbestellungen eingegangen. Die Quelle-Web-Seite wurde in den ersten beiden Tagen des Ausverkaufs 4,4 Millionen Mal angeklickt.

Ähnlich wie am Sonntag forderte der Ansturm auf die Quelle-Seite den Kunden auch am Montag Geduld ab, da sich die Homepage des Versandhauses zeitweise nicht oder nur mit Verzögerung öffnen ließ.

Sehr unterschiedlich begann dagegen der offizielle Ausverkauf in den rund 80 Quelle Technik Centern. Während die Quelle-eigenen Kaufhäuser in einigen Regionen einen Ansturm auf das preisreduzierte Warenangebot erlebten, lief andernorts - wie etwa in Nürnberg - der Verkauf schleppend an. Das lag auch daran, dass mancherorts der Ausverkauf schon seit Wochen läuft und Schnäppchenjäger daher dort schon vor Tagen nur halbleere Regale vorfanden.

böl/dpa



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Seite 1
japan10 03.07.2009
1.
Zitat von sysopDie Quelle-Beschäftigten sind verzweifelt: Der Versandhändler wird liquidiert, die Mitarbeiter bangen um ihre Zukunft. Die Gewerkschaft Ver.di fordert jetzt vom Bund und vom Freistaat Bayern Finanzhilfe für den Pleitekonzern. Wie geht es weiter mit Quelle?
Da hat sich wohl Herr Seehofer weit aus dem Fenster gelehnt. Quelle, wieder ein Beispiel für Größenwahn (Arcandor).
Harald E, 03.07.2009
2.
Zitat von sysopDie Quelle-Beschäftigten sind verzweifelt: Der Versandhändler wird liquidiert, die Mitarbeiter bangen um ihre Zukunft. Die Gewerkschaft Ver.di fordert jetzt vom Bund und vom Freistaat Bayern Finanzhilfe für den Pleitekonzern. Wie geht es weiter mit Quelle?
Schon blöd, wenn man nicht systemrelevant ist. (Danke Fr. Merkel....hassu gut gesagt....aber die Einschläge kommen näher) Oh.....und es ist noch lang...sooo lang bis zur Wahl.
bedenkenträger2 03.07.2009
3. ...
Wie gehts weiter bei Quelle? Hoffentlich ohne Staatsknete. Staatshilfe für den Handel - was für ein Unsinn! Der Handel hat doch den leichtesten Part im Kapitalismus, er muss keine Dinge herstellen, schafft keine Werte, sondern er selektiert und verhökert. Der Handel ist doch quasi der Zuhälter der Industrie. Systemirrelevanter geht doch gar nicht. Wenn es eine Branche gibt, wo man (zurecht) sagt: "Ihr müsst alleine klarkommen!" dann ist das doch der Handel! Wer im Handel nicht klarkommt, hat versagt, hat nicht flexibel auf neue Konsumgewohnheiten reagiert. Das Arbeitsplätze-Argument darf nicht überall gezogen werden, der Staat ist bereits der größte Arbeitgeber im Land. Außerdem: Der Großteil der bei Quelle erhältichen Produkte ist doch (ich übertreibe mal rethorisch) zu 90 % "Made in China"; also, erst kaufen wir dort die chinesischen Produkte, und dann subventionieren wir auch noch deren Vertriebswege?!
Querspass 03.07.2009
4. Druckerei stoppt Quelle-Katalog
Obwohl ich der Bezirksleiterin der Sammelbesteller vor 9 Jahren und wiederholt mitgeteilt habe, daß 1 Hauptkatalog reicht, kommen halbjährlich SIEBEN FÜR DIE TONNE. Allein mit der Katalogdruckerei ist kein Umsatz zu machen. Und die Onlinepräsenz klemmt dauernd, es macht manchmal keinen Spaß! Außerdem, wer garantiert, daß die Briten (Mutterkonzern) die Staatsknete nicht abziehen? Soviel mir bekannt ist, hat die Plünderung der Konten zur Insolvenz geführt.
Caiman, 03.07.2009
5. Wahrscheinlich gar nicht...
Zitat von sysopDie Quelle-Beschäftigten sind verzweifelt: Der Versandhändler wird liquidiert, die Mitarbeiter bangen um ihre Zukunft. Die Gewerkschaft Ver.di fordert jetzt vom Bund und vom Freistaat Bayern Finanzhilfe für den Pleitekonzern. Wie geht es weiter mit Quelle?
Wer ist eigentlich auf die grandiose Idee gekommen, mit 50 Mios einen Katalog auf Pump zu finanzieren, aus dem niemand mehr was bestellt, weil er nicht weiss, ob er überhaupt Ware erhält? Ach ja, das war der andere Horst "WER?"...
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