Stockender Ausbau in Deutschland Woran es bei Wärmepumpen gerade hakt

Wärmepumpen sollen Deutschland unabhängig von russischem Heizgas machen, aber es geht nur langsam voran. Eine Umfrage unter Energieberatern zeigt nun: Am Willen der Hausbesitzer mangelt es nicht.
Wärmepumpe in Baden-Württemberg

Wärmepumpe in Baden-Württemberg

Foto: Manngold / IMAGO

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Wärmepumpen sind die Zukunft – zumindest wenn es nach der Bundesregierung geht. Die effizienten Heizsysteme, die Wärme aus der Umgebung generieren, sollen helfen, die Klimaziele im Gebäudesektor zu erreichen. Noch dazu können sie die Abhängigkeit von Putins Gas verringern. Die Bundesregierung will den Ausbau massiv hochfahren: Ab 2024 sollen pro Jahr 500.000 solcher Geräte eingebaut werden. Heute sind bereits etwa eine Million Geräte im Einsatz. Bis 2030 sollen es sechs Millionen sein.

Nun zeigt eine Umfrage der Deutschen Energie-Agentur (dena): Die Deutschen würden gern auf die Technologie setzen, es hapert allerdings massiv an der Umsetzung. Die dena hat rund 500 qualifizierte Energieberaterinnen und -berater befragt, die in der sogenannten dena-Energieeffizienz-Expertenliste verzeichnet sind. Demnach gaben knapp 90 Prozent an, von ihren Kunden regelmäßig bis sehr häufig nach Wärmepumpen gefragt zu werden. Nach Gas- oder Ölbrennwertgeräten fragten dagegen regelmäßig bis häufig nur rund 17 Prozent der Kunden. Nach Holzpellet-Heizungen erkundigten sich 28 Prozent.

Die Wärmepumpe hat sich der Umfrage zufolge inzwischen als Standard durchgesetzt: 80 Prozent der befragten Energieberater gaben an, den Einsatz von Wärmepumpen regelmäßig bis sehr häufig zu empfehlen. In mehr als 70 Prozent aller Fälle raten sie dabei dazu, das Heizsystem mit einer Fotovoltaikanlage und Batteriespeicher zu kombinieren.

Wärmepumpen funktionieren wie ein Kühlschrank, nur umgekehrt. Sie entziehen dem Erdreich, dem Grundwasser oder der Luft Wärme und speisen diese ins Heizsystem ein. Zum Antrieb benötigt die Pumpe Strom. Stammt er aus erneuerbaren Energien, ist das Heizsystem nahezu CO₂-neutral.

Falls die Berater von der Wärmepumpe abraten, dann meist wegen des energetischen Zustandes eines Hauses. 57 Prozent aller befragten Energieberater gaben diesen Grund als größtes Hindernis an. Denn ein Austausch der Öl- oder Gasheizung gegen eine Wärmepumpe lohnt sich oft nur, wenn das Haus zumindest einigermaßen gut gedämmt ist. Zudem nannten 16 Prozent der Berater Lieferengpässe als Hindernis, 14 Prozent die Verfügbarkeit geeigneter Fachkräfte. Auch wegen dieser Schwierigkeiten war die Bundesregierung gerade erst davon abgerückt, Hauseigentümer zum Wärmpumpeneinbau zu verpflichten, wenn die alte Heizung kaputtgeht.

Die meistgestellte Frage der Hausbesitzerinnen und –besitzer in Bezug auf Wärmepumpen ist: »Funktioniert sie auch in meinem Gebäude?«, gefolgt von Fragen nach dem Preis und der Wirtschaftlichkeit. Denn Wärmepumpen sind nicht gerade günstig: Für ein kleines Einfamilienhaus kosten Luftwärmepumpen inklusive Installation derzeit mindestens 20.000 Euro. Erdwärmepumpen sind deutlich teurer, weil dafür bis zu hundert Meter tief gebohrt werden muss (dafür steht dann aber kein surrender Kasten im Vorgarten). Doch Käufer müssen den Preis nicht allein stemmen. Zwar hat der Bund jüngst die Fördersummen abgesenkt, schießt aber immer noch mindestens 25 Prozent des Kaufpreises zu .

»Es gibt aktuell kein Nachfrage-, sondern eindeutig ein Angebotsproblem«, sagt Andreas Kuhlmann, Vorsitzender der dena-Geschäftsführung. Es sei erforderlich, dass Anbieter und Handwerker diese Probleme in den kommenden zwei bis drei Jahren in den Griff bekommen. »Wir brauchen zudem mehr Fachkräfte, damit der Einbau nicht am Mangel an gut ausgebildeten Handwerkern scheitert.«

Die hohen Kosten könnten nicht ausschließlich über mehr Förderungen gelöst werden. »Hersteller müssen dazu weiter an Vereinfachungen und Innovationen zur Effizienzsteigerung und Kostensenkung arbeiten«, sagt Kuhlmann.

Die Energieberater wünschen sich der Umfrage zufolge mehr Unterstützung, etwa eine technische Hotline für Beratende und herstellerunabhängige Informationen und Schulungen. Von der Politik erwarten sie verlässliche Förderbedingungen sowie schnellere und einfachere Verfahren und Bearbeitung der Anträge.

Fachleute zeigen inzwischen eine bislang wenig beachtete Alternative zu Wärmepumpen auf. Dabei wird die Sonnenstromanlage auf dem Dach mit Infrarotheizungen kombiniert, die bis in die Wintermonate hinein mit Sonnenstrom laufen. Häufig ist diese Lösung deutlich günstiger als ein Wärmepumpen-Heizsystem. Zudem kommen die Paneele ohne komplexe Wasserkreisläufe aus und müssen nicht von fachkundigen Klimatechnikern eingebaut werden, an denen es im ganzen Land mangelt. Zwar ist der Stromverbrauch der Infrarotheizungen deutlich höher, weil sie weniger effizient als Wärmepumpen arbeiten. Doch in Kombination mit einem Kaminofen und einer Fotovoltaikanlage können sie wirtschaftlicher sein (Lesen Sie hier mehr darüber).

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