Warteschleife "Miles & More"-Tricks über Gebühr

Wer Flugtickets mit einer Vielflieger-Kreditkarte kauft, streicht Extrameilen ein. Das ist gut für Sparfüchse - und für die Kundenbindung. Oder doch nicht? Die Lufthansa interpretiert den Bonus auf seltsame Weise: Wer mit dem "Miles & More"-Kärtchen bezahlt, bekommt eine Extragebühr aufgedrückt.

Premiumservice? Nix da! Bezahlen mit der Lufthansa "Miles & More"-Kreditkarte kostet extra
dapd

Premiumservice? Nix da! Bezahlen mit der Lufthansa "Miles & More"-Kreditkarte kostet extra

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Kerosinzuschlag, Service-Charge, Buchungsgebühr - kaum eine andere Branche rechnet auf den Endpreis so viele Extras drauf wie Fluglinien. Daran habe ich mich gewöhnt, und so wunderte ich mich zunächst auch nicht, als auf der Buchungsseite der Lufthansa ein mir bis dato unbekannter Obolus auftauchte: Er war als OPC vermerkt, als optional payment charge, und er verteuerte meinen Flug um fünf Euro.

Eine Gebühr für optionale Zahlungen? Ich war ratlos. Einige Tage später fragte ich vor dem Abflug die Lufthansa-Dame am Gate, was für eine Gebühr denn das jetzt wieder sei.

"Der OPC fällt an, wenn Sie mit Kreditkarte zahlen", erklärte sie mir. Das sei seit kurzem so.

Dass Kunden der Lufthansa jetzt jene Gebühren übernehmen sollen, die Mastercard oder Visa von der Airline für Transaktionen fordert, das erschien mir frech. Dennoch sah ich die Sache gelassen.

"Na, das betrifft mich ja nicht", entgegnete ich.

Die Schalterdame blinzelte verständnislos. "Wieso nicht?"

Ich hielt ihr meine goldene Lufthansa "Miles & More"-Kreditkarte unter die Nase. "Nun, weil ich eine von Ihnen habe. Die Lufthansa wird ja wohl keine Gebühr für ihre eigenen Karten kassieren."

Da ich des Öfteren fliege, habe ich mir Plastikgeld mit dem Kranichlogo zugelegt. Die Jahresgebühr von 85 Euro ist zwar happig, dafür werden mir meine Meilen aber automatisch gutgeschrieben. Und ich bekomme für jeden ausgegebenen Euro eine Extrameile - wodurch sich die Zahl der gesammelten Bonuspünktchen bei einem Inlandsflug in der Regel mehr als verdoppelt.

"Tut mir leid, Herr König." Der Servicemitarbeiterin scheint etwas unwohl zu sein. "Aber der OPC gilt für alle Kreditkarten."

Weil ich das nicht glauben will, erkundige ich mich beim "Miles & More"-Servicecenter. Dort bestätigt man mir, dass meine Karte deutlich weniger Premium bietet, als ich bisher angenommen hatte: "Wir bitten Sie um Verständnis, dass Lufthansa die eigenen Kartenprodukte nicht ausnehmen kann."

Verständnis? Nicht einen Funken. Selbstverständlich könnte die Lufthansa ihre eigenen Kreditkarten von der Gebühr ausnehmen. Sie müsste es sogar tun, aus purem Eigeninteresse.

Zwar ist nicht jeder, der eine M&M-Kreditkarte besitzt, ein Jetsetter mit Senatorstatus. Aber selbst einem Praktikanten in der Lufthansa-Marketingabteilung sollte klar sein, dass derlei Karten nur von Kunden genutzt werden, die zumindest zehn bis 15 Flüge pro Jahr absolvieren. Also jene, die geschäftlich fliegen. Die guten Kunden. Nicht die "Für 29 Euro nach Malle"-Fraktion.

Und diesen wertvollen und treuen Kunden mit der Lufthansa-Karte drückt die Lufthansa jetzt eine Strafgebühr auf? Wirklich?

Hoffentlich kriegt es keiner mit

Das ist schon dreist. Noch dreister ist es, dass man offenbar an der Auffassungsgabe der eigenen Premium-Kunden zweifelt. Das zumindest lässt die kreative Formulierung "Optionales Zahlungsmittelentgelt" vermuten. Sie suggeriert, man könne ja auch per Lastschrift oder bar zahlen - um der Gebühr zu entgehen. Kann man ja auch, nur dann verliert die Lufthansa-Karte natürlich ihre raison d'être: ihrem Besitzer Extrameilen zu bescheren.

Seltsam auch, dass der OPC entfernungsabhängig ist. Die Lufthansa staffelt die Gebühr nach Inland (fünf Euro), Kontinentaleuropa (acht Euro) und dem Rest der Welt (18 Euro). Ein Sprecher sagt, die Kosten für den Verkäufer würden bei Kreditkartenbuchungen prozentual zum Umsatzbetrag berechnet; deshalb sei der OPC bei längeren Flügen höher.

Das mag manchmal zutreffen - mitunter kommt man aber billiger nach New York als nach Hamburg. Warum nimmt die Lufthansa also nicht die realen Ticketkosten als Grundlage? Aus Liebe zur Transparenz, behauptet die Lufthansa: Durch den gestaffelten OPC sei "eine bessere Kalkulierbarkeit des Ticketpreises für den Endkunden gewährleistet".

Die Staffelung hat die Lufthansa freilich nur in Deutschland und der Schweiz eingeführt. In Finnland, Belgien, Großbritannien und Holland ist die Gebühr fix, egal wohin man will.

All diese Information muss man übrigens mühsam recherchieren. Die Lufthansa verliert auf ihrer Web-Seite kein einziges Wort zum Preis; ihr Servicecenter ignorierte meine Bitte, mir die OPC-Konditionen aufzuschlüsseln. Die meisten Angaben stammen aus einem internen Schulungsdokument, das Tom König zugeflattert ist.

Vielleicht tausche ich meine Kranichkarte einfach gegen eine Kreditkarte der Deutschen Bahn? Die erhebt immerhin keine Payment Charge - weder für Vielfahrer noch für den Rest der Kundschaft.

Hatten auch Sie ein besonderes Serviceerlebnis? Dann schreiben Sie an warteschleife@spiegel.de

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insgesamt 54 Beiträge
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Seite 1
Stefnix 29.12.2011
1. Miles & More ist nur teuer und bringt nix!
Zitat von sysopWer Flugtickets mit einer Vielflieger-Kreditkarte kauft, streicht Extrameilen ein. Das ist gut für Sparfüchse - und für die Kundenbindung. Oder doch nicht? Die Lufthansa interpretiert den Bonus auf seltsame Weise: Wer mit dem Miles-&-More-Kärtchen bezahlt, bekommt eine Extragebühr aufgedrückt. http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/0,1518,805595,00.html
Besser noch: wer seine Meilen dann mal in Anspruch nehmen will, wird nochmal zur Kasse gebeten! Ich habe vor kurzem 2 Upgrades von Eco auf Business über M&M buchen wollen und mußte dafür teurere Tickets bei der LH kaufen. Für "normale" Tickets kann man M&M Upgrades überhaupt nicht in Anspruch nehmen! Mehrkosten für 2 Personen (one way!): 500 Flocken! Was ich dabei übersehen habe, ist die Tatsache, daß das Upgrade mitnichten fix gebucht ist. Das Ende vom Lied: 500 Euro extra bezahlt und das Upgrade nicht bekommen, weil die Maschine bei Abflug mit Vollzahlern (bzw. "wichtigeren Passagieren") ausgebucht war. Nettes Geschäftsmodell! "Lieber Kunde, gib mir mal ein paar hundert Euro, vielleicht bekommst du was dafür. Vielleicht aber auch nicht." Jedes andere Unternehmen hätte schon längst mangels Kunden die Schotten dicht machen müssen! Fazit: Nie wieder Lufthansa!!
xcver 29.12.2011
2. Gebührenstaffelung
Zitat von sysopWer Flugtickets mit einer Vielflieger-Kreditkarte kauft, streicht Extrameilen ein. Das ist gut für Sparfüchse - und für die Kundenbindung. Oder doch nicht? Die Lufthansa interpretiert den Bonus auf seltsame Weise: Wer mit dem Miles-&-More-Kärtchen bezahlt, bekommt eine Extragebühr aufgedrückt. http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/0,1518,805595,00.html
Also es ist natürlich so das alle Händler eine Gebühr beim Einsatz der Karte zahlen müssen, diese richtet sich nach diversen Kriterien und ist in der Regel umsatzabhängig. Die Gebühren von MC und VISA zB werden höher wenn man im europäischen Ausland unterwegs ist und noch mal höher wenn es ausserhalb von Europa stattfindet. Diese Zahlung ist jedoch rein innerdeutsch und kann mit dem Flugziel gar nichts gemein haben!!!! In der Tat eine dreiste masche
JaguarCat 29.12.2011
3. Sammelwahn
Zitat von sysopWer Flugtickets mit einer Vielflieger-Kreditkarte kauft, streicht Extrameilen ein. Das ist gut für Sparfüchse - und für die Kundenbindung. Oder doch nicht? Die Lufthansa interpretiert den Bonus auf seltsame Weise: Wer mit dem Miles-&-More-Kärtchen bezahlt, bekommt eine Extragebühr aufgedrückt. http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/0,1518,805595,00.html
Warum sollte es was umsonst geben? Irgendwo müssen die etwas über 1 Cent, die eine Lufthansa-Meile wert ist, wenn man sie halbwegs clever einsetzt, ja verdient werden. Und das geht nur über die Gebühren, die der Händler bei Kartennutzung bezahlt. Auch, wenn ich Sparprogramme wie die genannten selber nutze, um nicht unnötig viel zu bezahlen: Im Grunde genommen nervt der damit verbundene Verwaltungsaufwand für die Kunden einfach nur. Besser wäre es, die Tickets wären für alle ein paar Prozent billiger und es gäbe keine Meilen. Und wenn Rabatte für gute Kunden unbedingt sein müssten, dann könnten die auch direkt verrechnet werden: Ein Ticket kostet dann einfach 5% weniger, wenn es in den zurückliegenden 12 Monaten schon fünf andere Buchungen für dieselbe Person gibt. Jag
gerdimaus 29.12.2011
4. "Payment Charge" ?
"Payment Charge" ? welcher Manager denkt sich so ein Wort aus? Früherer Banker? Die Leute müssten sich mal Gedanken machen, welche Kosten diese "Negativ-Werbung" verursacht. Dürfte wohl das 100-fache der Einnahmen sein, die eine solche "Paymant Charge" einbringt.
brasilpe 29.12.2011
5. Bei dieser Gelegenheit
Zitat von sysopWer Flugtickets mit einer Vielflieger-Kreditkarte kauft, streicht Extrameilen ein. Das ist gut für Sparfüchse - und für die Kundenbindung. Oder doch nicht? Die Lufthansa interpretiert den Bonus auf seltsame Weise: Wer mit dem Miles-&-More-Kärtchen bezahlt, bekommt eine Extragebühr aufgedrückt. http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/0,1518,805595,00.html
Kann mir, bitte, irgendjemand erklären, was eine "Service-Charge" ist? Das Geschäftsziel der Firma Lufthansa AG ist es, Flüge zu verkaufen. Richtig? Wenn ich denen nun einen Flug abnehme, muß ich neben dem Kaufpreis diese Gebühr berappen. Wofür? Worin besteht dieser extra zu bezahlende "Service"? Was unterscheidet einen gekauften Flug von einer gekauften Krawatte oder zwei gekauften Brötchen? Oder einer Straßenbahnfahrt? Da bekomme ich als Extraservice sogar noch einen Fahrschein.
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