Hermann-Josef Tenhagen

Weniger Steuern und Abgaben Warum die Betriebsrente oft eine gute Idee ist

Hermann-Josef Tenhagen
Eine Kolumne von Hermann-Josef Tenhagen
Für viele Menschen kann es sich lohnen, einen Teil des Bruttolohns in eine Betriebsrente zu zahlen. Richtig lukrativ wird es, wenn die Chefin noch einen Zuschuss gibt.
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Vor 20 Jahren hat die damalige rot-grüne Bundesregierung das Recht auf Betriebsrente geschaffen. Seither kann jeder Arbeitnehmer, der will, vom eigenen Chef eine Betriebsrente verlangen.

Bezahlen muss er sie zwar selbst. Für die meisten lohnt es sich trotzdem. Und jeder fünfte Angestellte macht das inzwischen. (Noch viel mehr Menschen bekommen traditionelle Betriebsrenten, in die hauptsächlich oder ausschließlich die Firma einzahlt.)

Praktisch geht das so: Sie gehen zu Ihrem Chef und sagen ihm, er soll einen Teil Ihres aktuellen Gehalts in eine Betriebsrente stecken. Der Chef muss dann einen Vertragspartner dafür suchen, das Geld wandert Monat für Monat oder einmal im Jahr aus ihrem Bruttogehalt in den Rentenvertrag.

Der Clou ist das mit dem Bruttogehalt. Sie stecken zum Beispiel über das Jahr verteilt insgesamt 3000 Euro brutto in den Vertrag, müssen dafür aber keine Steuern zahlen und keine Sozialabgabe – also keine Beiträge zur Rentenversicherung, Krankenkasse, Pflegeversicherung und Arbeitslosenversicherung abführen. Das heißt: Das Nettogehalt, das sie trotzdem ausgezahlt bekommen, schrumpft nicht um die 3000 Euro, sondern oft nur um 1500 bis 1800 Euro. Sie können sich das also eher leisten.

Auch viele Chefs fanden diese Lösung attraktiv. Denn zusätzlich zum Gehalt und den Sozialversicherungsbeiträgen des Arbeitnehmers, zahlen sie ja selbst auch Sozialversicherungsbeiträge für den Arbeitnehmer an die Rentenkasse oder Krankenversicherung. Insgesamt fast 20 Prozent des Gehalts. Wandelt der Mitarbeiter nun Gehalt für die Rente um, können Arbeitgeber sich einen Teil dieser zusätzlichen Zahlungen sparen.

Doch das Sparen der Chefs klappt inzwischen nicht mehr so gut: Der Gesetzgeber hat vor zwei Jahren nachgebessert. Seit 2019 müssen die Arbeitgeber bei neuen Verträgen wenigstens 15 Prozent Zuschuss zahlen. Viele hatten das vorher schon freiwillig gemacht, aber bei Weitem nicht alle . Ab 2022 müssen auch alle alten Verträge so bezuschusst werden.

Und das macht die Betriebsrente für Arbeitnehmer noch attraktiver.

15 Prozent dazuzahlen, das ist etwas weniger, als die Chefs an Beiträgen einsparen, aber dafür haben sie ja den Organisationsaufwand mit der Betriebsrente – und der ist leider beträchtlich. Wenn die Chefin deutlich mehr als die 15 Prozent dazugibt, zum Beispiel 25 Prozent, ist das für Arbeitnehmerinnen das Signal: Die meinen es ernst mit der Betriebsrente. Bei niedrigen Einkommen können sich die Firmen einen Teil der Förderung für die Betriebsrenten ihrer Mitarbeiter sogar vom Staat fördern lassen . Für Arbeitnehmer ist das in jedem Fall echt geschenktes Geld, wie eine verzögert ankommende Gehaltserhöhung. Und ein schönes Signal der Fürsorge des Unternehmens für seine Angestellten.

Wenn Sie sich jetzt in die Betriebsrente stürzen wollen, gibt es ein paar Sachen zusätzlich zu bedenken.

Lohnen sich Betriebsrenten im Grundsatz?

Erstens: Wenn ich Geld in die Betriebsrente einzahle und mein Chef und ich dafür keine Rentenversicherungsbeiträge bezahlen, bekomme ich am Ende weniger gesetzliche Rente. Im Fall des Beispiels oben heißt das: Wenn für 3000 Euro aus Ihrem Gehalt keine Rentenversicherungsbeiträge gezahlt werden, erwerben Sie als Arbeitnehmer pro Jahr knapp drei Euro weniger Rentenanspruch.

Und – wenn Sie in Rente gehen, müssen Sie für die Betriebsrenten dann Steuern, Kranken- und Pflegeversicherung bezahlen. Trotzdem bleibt ein ordentlicher Vorteil: Denn im Arbeitsleben hat man ein höheres Einkommen als in Rente. In der Regel jedenfalls. Und so ist der Steuersatz erheblich niedriger, wenn die Betriebsrente dann doch noch versteuert wird .

Das mit der Krankenkasse kann aber für viele bitter werden. Denn als Arbeitnehmer müssen sie dann in der Rente die Krankenkassenbeiträge auf die Betriebsrente anders als in der gesetzlichen Rente allein bezahlen . Wenn sie 300 Euro Betriebsrente bekommen, gehen für einen Teil davon Beiträge für Krankenkasse und Pflegeversicherung von rund 19 Prozent ab. Das macht dann rund 30 Euro im Monat. Kleinere Betriebsrenten bleiben unangetastet, dazu weiter unten mehr. Privatversicherte müssen auch nichts einzahlen, aber deren private Krankenversicherung ist im Alter normalerweise ohnehin deutlich teurer.

Zweitens: Bei all dem haben wir noch nicht davon gesprochen, ob denn die Anlage des Chefs in der Betriebsrente eine gute ist, also: was der Chef da ausgesucht hat. Antwort: Mal ja, mal nicht so sehr. Manche Chefinnen haben ein Händchen und eine gute Beratung gehabt und ermöglichen Verträge, die wenige Kosten verursachen und eine gute Rendite versprechen. Die Kosten sind bei Rentenverträgen, die über Jahrzehnte laufen, die wichtigste Kennzahl .

Wer will, kann als Teil einer solchen Rentenversicherung oft auch Teil eines kollektiven Berufsunfähigkeitsschutzes werden, obwohl er oder sie wegen eines Bandscheibenvorfalls oder leichten Asthmas sonst gar keine Chance auf eine Berufsunfähigkeitsversicherung gehabt hätte. Es kommt also sehr darauf an.

Wenn es ein reiner Versicherungsvertrag für die Rente ist, gibt es für den Arbeitnehmer eigentlich einen ganz guten Lackmustest. Stellen Sie sich vor, Sie würden das Geld, das in ihre Betriebsrente eingezahlt wird (also inklusive Arbeitgeberzuschuss) in eine klassische Rentenversicherung einzahlen. Dort bekämen sie eine Rentengarantie, die ihnen zeigt, was von ihren Einzahlungen mit der garantierten Verzinsung nach Kosten übrig bleibt. Ihre Betriebsrente sollte genauso viel Auszahlung garantieren wie eine kostengünstige private Rente. Fragen Sie ihre Chefin, die Personalstelle oder auch den Betriebsrat nach der Garantierente aus dem angebotenen Betriebsrentenvertrag.

Lohnen sich Betriebsrenten für mich?

Um zu entscheiden, ob die Gehaltsumwandlung für Sie eine gute Idee ist, kommt es noch auf ein paar andere Details an.

Erstens: Können Sie auf diesen Teil Ihres Gehalt verzichten? Wenn die Monatsraten für die Eigentumswohnung drücken oder das Konto chronisch im Dispo ist, sollten Sie vor einer Gehaltsumwandlung mindestens erst mal Kassensturz machen. Schulden für die Gehaltsumwandlung sind keine gute Idee.

Zweitens: Profitieren Sie von den Vorteilen? Am meisten profitieren Sie, wenn sie tatsächlich als Arbeitnehmer Steuern und Sozialversicherungsbeträge sparen. Gut ist deshalb, wenn Sie möglichst viel, aber unter 4837 Euro im Monat verdienen. Möglichst viel, weil dann der Steuersatz hoch ist, den sie einsparen. Und unter 4837 Euro, weil bei einem Gehalt darüber hinaus ja keine Beiträge für die Krankenkasse mehr eingezogen werden. Das heißt Beitragsbemessungsgrenze . In Konstellationen mit ganz niedrigem oder ganz hohem Einkommen oder mit vielen Kindern ist ein Riester-Vertrag mit seiner Direktförderung und der Steuerfreiheit oft die bessere geförderte Altersvorsorge .

Drittens: Wie viel legt der Chef dazu? Wenn er 25 Prozent drauflegt, wird eine Betriebsrente schnell lukrativ, denn das Geld vom Chef wirkt wie ein Rendite-Turbo für die Einzahlungen in ihre Betriebsrente. Nur mal überschlägig gerechnet: Wer in den vergangenen 15 Jahren vor der Rente jeweils 3000 Euro selbst in seinen Vertrag einzahlt und 25 Prozent – also 750 Euro – vom Chef dazubekommt, hat statt 45.000 Euro genau 56.250 Euro auf dem Konto. Das ist schon eine Rendite von knapp drei Prozent pro Jahr. Rechnet man dazu, dass das eigene Nettoeinkommen bei 3000 Euro eigener Einzahlung ja nur um 1500 bis 1800 Euro geschrumpft ist, liegt die jährliche Rendite auf den eigenen Kapitaleinsatz bei rund zehn Prozent.

Viertens: Die Betriebsrente lohnt sich paradoxerweise ganz besonders, wenn sie eher klein ist. Und sie also eher wenig verdienen. Aus zwei Gründen: Wenn Sie wenig verdienen, ist später im Alter auch wenig gesetzliche Rente zu erwarten. Falls Sie dann in die Grundsicherung fallen, kommt es auf jeden Euro an. Das Gute: Die ersten hundert Euro Ihrer Betriebsrente werden gar nicht mit einer Grundsicherung verrechnet. Und die nächsten hundert Euro nur zum Teil. Sie hätten als richtig armer Rentner also zumindest mal ein wichtiges Zubrot .

Wenn Sie hingegen ein sehr ordentliches Alterseinkommen haben, müssen sie trotzdem für die ersten 164 Euro Betriebsrente keine Krankenkassenbeiträge zahlen. Ganz früher hätten sie gar keine Beiträge zahlen müssen, seit 2004 aber müssen sie Beiträge zahlen, das hat damals die Regierung entschieden und Millionen Betriebsrentner verärgert. Und seit 2020 ist für die ersten 164 Euro Betriebsrente nichts mehr fällig. Damit wollte die Regierung einen Großteil dieses Ärgers wieder einfangen .

Fazit

Eigenes Geld in eine betriebliche Altersvorsorge zu stecken, kann also eine wirklich gute Idee sein. Und die Reformen der vergangenen zwei Jahre (garantierter Zuschuss vom Chef, weniger Krankenkassenbeiträge) haben solche Renten finanziell eher lukrativer gemacht.

Für so manchen könnte es sich sogar lohnen aufzustocken. Mehr Steuervorteile und noch mehr Zuschuss vom Chef.

Ein Hindernis aber bleibt. Wer oft den Arbeitsplatz wechselt und keinen Branchenvertrag wie bei der Metallrente oder Presseversorgung bespart, hat auch in Zukunft wenig Freude an der betrieblichen Altersvorsorge und sollte eher Fondssparen oder Riestern . Für den Jobwechsel bleibt die Betriebsrente oft zu kompliziert. Das haben auch die letzten Reformen nicht geändert.

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