Young Money Blog Warum jungen Anlegern der Corona-Crash egal sein kann

Das Coronavirus lässt die Börsenkurse abstürzen. Sollte man als junger Mensch ausgerechnet jetzt anfangen, Aktien zu kaufen? Ein knapper Leitfaden für Einsteiger.
Foto: Francois Mori/ AP

Den richtigen Zeitpunkt zum Kauf oder Verkauf von Aktien kennt niemand. Es lässt sich immer nur im Rückblick sagen, ob der Ein- oder Ausstieg an der Börse richtig war. Das gilt auch in Zeiten von Corona. Niemand weiß, wie lange die Pandemie noch andauern und welche Folgen die Krise langfristig für unsere Wirtschaft haben wird. Deshalb weiß auch niemand, wo die Börsenkurse in einem Jahr stehen werden.

Der von vermeintlichen Finanzexperten oft genannte Ratschlag, jetzt bei niedrigen Kursen einzusteigen, ist also mit ähnlicher Vorsicht zu genießen wie der, jetzt alles schnell zu verkaufen. Die aktuelle Stimmung an den Börsen ist nie ein guter Ratgeber bei der Frage, ob ein Anleger Aktien kaufen oder verkaufen sollte.

Viel entscheidender ist auf lange Sicht die Lebenssituation des Anlegers. Wer in zwei Jahren ein Haus bauen und dafür Geld sparen will, sollte wegen der starken Kursschwankungen generell die Finger von Aktien lassen. Gleiches gilt für einen älteren Menschen, der kurz vor dem Ruhestand steht und das Geld für seinen alltäglichen Lebensbedarf braucht.

Wer hingegen jung ist und einen Job hat, sollte Geld, das er im Alltag nicht braucht, in Aktien investieren. Am besten so früh wie möglich, denn dann hat der Sparer genug Zeit, um schwere Krisen auszusitzen. Diese Empfehlung gilt auch in Zeiten von Corona.  

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Denn die Erfahrung zeigt, dass sich Aktien für langfristig orientierte Anleger auf Dauer lohnen, selbst wenn es zwischendurch zu üblen Crashs kommt: Zwischen 1975 und Ende 2018 haben Indexfonds, die den Weltaktienindex MSCI World abbilden, eine durchschnittliche Rendite von 8,7 Prozent pro Jahr erzielt - dabei sind auch schwere Krisen wie der Lehman-Crash von 2008 berücksichtigt. Damals sanken die Kurse über mehrere Monate hinweg um insgesamt mehr als 40 Prozent. 

"Die Aktienmärkte haben seit über hundert Jahren schon einige Krisen erlebt, die menschlich und wirtschaftlich wohl noch schlimmer waren als das, was uns durch das Virus bevorsteht. Man denke nur an die Hyperinflation und Währungsreformen", sagt Niels Nauhauser, Finanzexperte bei der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Ob es nun fünf Jahre oder 15 Jahre dauere bis die Aktien wieder alte Höchststände erreicht haben, das könne heute niemand wissen.

Young-Money-Blog

Die Börse fasziniert Henning Jauernig, 28 Jahre alt, seit der Kindheit. Die erste eigene Aktie kaufte er, als er 20 war, ein paar Jahre später folgten die ersten Fondsanteile. Seine Finanzen regelt er seitdem selbst. Immer wieder löchern ihn seine Freunde mit Finanzfragen: Wie kann ich mein Geld richtig anlegen? Welche Versicherungen brauche ich? Und wie mache ich meine Steuer? Über Antworten auf all diese Fragen schreibt er im Young-Money-Blog .

Wenn junge Sparer monatlich mit einem Sparplan einen gewissen Betrag investieren, müssen sie sich die Frage nach dem richtigen Timing an den Börsen also gar nicht stellen. Denn dann investieren sie dauerhaft - ganz egal, was gerade an den Börsen los ist. Man legt sein ganzes Geld nicht auf einmal an, sondern investiert Monat für Monat eine bestimmte Summe.

In Börsencrashs wie jetzt bekommen junge Anleger ihre Aktien gewissermaßen zum Sonderpreis. Wenn sie im Rahmen des Sparplans aktuell Fondsanteile kaufen, erhalten sie deutlich mehr für ihr Geld als in den vergangenen Monaten. Steigen die Kurse wieder, profitieren sie davon.

Wichtig ist aber, dauerhaft dabei zu bleiben und während der Einzahlphase nicht die Nerven zu verlieren, falls die Kurse mal fallen. Setzen Sparer Raten aus, sobald die Kurse sinken, kann der Effekt, von güns­tigen Einstiegskursen zu profitieren, nicht greifen.

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Doch Sparplan-Sparer haben mehrere Möglichkeiten, sich darauf vorzubereiten. Sie können zum Beispiel schon ein paar Jahre vor dem geplanten Ende eine gute Gelegenheit nutzen, um die Aktien zu verkaufen. Damit verzichten sie aber womöglich auf Rendite, falls die Kurse weiter steigen sollten. Wer den Sparplan bis zum Ende durchzieht, sollte einen zeitlichen Puffer einplanen, sodass er die Fondsanteile notfalls mindestens ein Jahr län­ger behalten kann als geplant.

 So erstellen Sie einen Sparplan in fünf Schritten

  1. Zunächst bestimmen Sie, wie Ihr Depot aussehen soll, also in welche Anlageregionen Sie investieren wollen. Als Einsteiger könnten Sie zum Beispiel siebzig Prozent Ihrer monatlichen Sparsumme in den MSCI World investieren und die restlichen dreißig Prozent in den MSCI Emerging Markets. Mit diesen beiden ETFs haben Anleger die ganze Weltwirtschaft abgedeckt. Beide Fonds zusammen legen ihr Geld in rund 3000 Firmen an. Bei einer Sparsumme von 300 Euro gehen also 210 Euro in den MSCI World und neunzig Euro in den MSCI Emerging Markets.

  2. Suchen Sie sich zum Beispiel auf der Plattform justETF.com  einen passenden ETF aus. Dabei sollten Sie darauf achten, dass der ETF thesaurierend ist, die Erträge also reinvestiert werden, denn gerade bei Sparplänen soll das Kapital auf Dauer anwachsen.

  3. Haben Sie sich für einen ETF entschieden, brauchen Sie noch ein Onlinedepot bei einer Direktbank, dort kann man die Sparpläne kostenlos oder für eine geringe monatliche Gebühr abschließen. Doch bei jedem Anbieter sind verschiedene Sparpläne im Angebot. Eine gute Über­sicht, welche ETFs bei welchem Anbieter günstig sind, finden Sie ebenfalls bei justETF.com . Als gute Alternative eignet sich der Test der Website Extra­ETF . Wählen Sie einen ETF, der bei Ihrem Anbieter für eine geringe monatliche Gebühr angeboten wird. Sonst zahlen Sie monatlich einen hohen Betrag. Notieren Sie die jeweilige WKN- oder ISIN Nummer, um den ETF in Ihrem Onlinedepot zu finden.

  4. Klicken Sie dann in Ihrem Onlinedepot auf den Button "Sparplan anlegen/einrichten", und los geht's. Im nächsten Schritt wählen Sie aus, wie viel Geld Sie pro Monat einzah­len wollen und über wie viele Jahre der Sparplan laufen soll. In der zweiten Maske werden Sie gebeten, die ISINs oder WKNs für die gewünschten ETFs anzugeben.

  5. Nun gilt es zu entscheiden, von welchem Konto die Sparrate abgebucht werden soll. Dabei können Sie ein hauseigenes Konto Ihres Brokers wählen, oder Sie lassen den Betrag per Lastschrift vom Girokonto einziehen. Sie können den Sparplan jederzeit unterbrechen oder aussetzen.

Dieser Text ist zum Teil ein Auszug aus dem Buch "Young Money Guide", das am 13. Januar 2020 erschienen ist.