Weihnachtskonsum Jeder Sechste will mehr als 500 Euro für Geschenke ausgeben

Die Adventszeit ist angebrochen, die Deutschen gehen wieder auf Geschenkejagd für Weihnachten. Eine SPIEGEL-Umfrage zeigt: Sie wollen dabei Geld ausgeben - und das zunehmend im Internet.

Weihnachtliches Gedränge in der Hamburger Mönckebergstraße (Archivbild)
Daniel Bockwoldt/ DPA

Weihnachtliches Gedränge in der Hamburger Mönckebergstraße (Archivbild)

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Weihnachtszeit ist Konsumzeit. Alle Jahre wieder schieben sich gestresste Shopper durch überfüllte Innenstädte. Und in den Wohngebieten verstopfen Paket-Lieferwagen die Straßen.

Doch wie kaufen die Deutschen in Zeiten von Klimawandel und Wirtschaftsflaute ihre Weihnachtsgeschenke? Wie viel Geld geben sie aus? Was kaufen sie? Und gehen sie dafür in die Stadt oder nur ins Netz? Diesen Fragen ist das Meinungsforschungsinstitut Civey in einer repräsentativen Umfrage für den SPIEGEL nachgegangen.

"Wie viel Geld werden Sie dieses Jahr voraussichtlich für Weihnachtsgeschenke ausgeben?", wurden die Deutschen dabei gefragt. Immerhin jeder Sechste antwortete: mehr als 500 Euro.

Und nicht nur reiche Menschen geben gern Geld aus: Etwa jeder Zehnte mit niedriger oder sehr niedriger Kaufkraft plant, mehr als 500 Euro auszugeben. Ein deutlich gebremster Konsum zeichnet sich in Deutschland nicht ab.

Interessant sind auch die Antworten auf die Frage, wo die Deutschen am häufigsten ihre Weihnachtspräsente einkaufen. Die klare Antwort: im Internet. Rund ein Drittel der Deutschen bestellt Geschenke vor allem online. Das ist umso erstaunlicher, als der Onlinehandel im Jahresdurchschnitt nur rund zehn Prozent des Gesamthandels ausmacht.

Und wer kauft per Mausklick die Weihnachtsgeschenke? Auch hier gibt die Umfrage eine klare Antwort: Es sind vor allem die 40-49-Jährigen. Fast die Hälfte (48,5 Prozent) dieser Gruppe gab an, am häufigsten online Geschenke zu kaufen. Menschen mittleren Alters, die zwischen Beruf und Familie wenig Zeit haben.

Damit liegt diese Altersgruppe sogar noch vor den vermeintlich so internetaffinen 18- bis 29-Jährigen. Die bestellen ihre Geschenke zwar auch überwiegend (41,2 Prozent) im Internet, gehen aber deutlich lieber als die 40+-Generation ins Einkaufszentrum (13,9 Prozent versus 7,6 Prozent).

Was die Deutschen dagegen unter den Weihnachtsbaum legen, scheint breit gefächert: Gutscheine, Veranstaltungstickets oder Geld gaben 26,9 Prozent an, aber auch Bücher/CDs (21,9 Prozent) und Spielwaren (19,3 Prozent) werden gern verschenkt. Etwas seltener werden nach Angaben der Befragten Handys, Fernseher oder andere Technik für die Liebsten ausgewählt. Und die Nachhaltigkeitsdebatte führt zu keinem Basteltrend: Nur 12,9 Prozent wollen Geschenke selbst machen.

Ein Viertel würde auf den Tannenbaum verzichten - für die Umwelt

Haben Greta Thunberg, Klimawandel und Plastikmülldebatte überhaupt Einfluss auf die weihnachtlichen Konsumgewohnheiten? Auf die hypothetische Frage "Worauf würden Sie an Weihnachten aus Nachhaltigkeitsgründen verzichten?" antwortete immerhin jeder Vierte: auf den Weihnachtsbaum.

Häufiger geklickt wurden nur Verpackungen (50,5 Prozent) und "Allgemein zu viel Essen". Wobei hier Vorsicht geboten ist: Auch Geschenkpapier gehört zu Verpackungen, auf das an Weihnachten am Ende wohl kaum jemand verzichtet. Und, Klimadebatte hin oder her: Der Braten gehört hierzulande zu Weihnachten: Nur 14,4 Prozent der Deutschen wären bereit, an den Festtagen auf Fleisch zu verzichten.

Interessant beim Thema Verzicht auch der Blick ins Parteienspektrum: Während die Grünen-Anhänger sich an Weihnachten verzichtfreudig zeigen (nur 5,4 Prozent schließen dies aus), sieht das unter den AfD-Wählern anders aus. Mehr als die Hälfte (54,8 Prozent) möchte an Weihnachten auf gar nichts verzichten.

Wer steckt hinter Civey-Umfragen?

Civey ist ein Online-Meinungsforschungsinstitut mit Sitz in Berlin. Zur Erhebung seiner repräsentativen Umfragen schaltet die Software des 2015 gegründeten Unternehmens Websites zu einem deutschlandweiten Umfragenetzwerk zusammen. Neben SPIEGEL ONLINE gehören unter anderem auch der "Tagesspiegel", "Welt", "Wirtschaftswoche" und "Rheinische Post" dazu. Civey wurde durch das Förderprogramm ProFit der Investitionsbank Berlin und durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung finanziert."



insgesamt 72 Beiträge
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Seite 1
Metternich 02.12.2019
1. Internetkäufe
Weihnachten. Onlinehandel-Irrsinn: Verstopfte Straßen, Nachbarn müssen annehmen, Boten am körperlichen Limit (bei miesem Lohn), Verödung der Innenstädte, Verpackungsmüll-Lawine, 30% Retouren(!). Einkaufen in der Stadt hat auch mit Kultur zu tun, mit Sinnlichkeit. Ich plädiere für eine Steuer auf den Internet-Handel, die so hoch ist, dass wieder deutlich mehr "analog" gekauft wird. Alle reden vom Verkehrskollaps und von Emissionen. Also Politik: macht was!
HeutenurfürStammgäste 02.12.2019
2. Nichts als heiße Luft
All das Gerede vom Klimawandel, F4f, Klimanotstand ff. Wenn es darauf ankommt sind Deutschen nichts als Maulhelden. Umweltbilanz durch Online-Handel - ist denen doch egal. Hauptsache bequem. Das Fressen ging noch immer über die Moral.
qualidax 02.12.2019
3. Da kann man die lokalen "Fachhändler" bedauern, wie man will ...
... der Trend wird sich nicht mehr umkehren. Alleine die Artikel-Vielfalt und die Preise sind online fast immer unschlagbar. Natürlich gibts auch Nepp und Betrig, aber den haben nicht erst die Online-Händler erfunden. Ich bin z.B. sehr technik-affin, Freund von sog. "Gadgets" und gehe oft mal einfach so zu Mediamarkt oder Saturn bummeln. Aber jedesmal bestätigt sich meine Ansicht: Keinerlei "Wow"-Artikel, nur langweilige Standard-Stangen-Ware, von den Preisen garnicht erst zu reden. LG-Kurzdistanzbeamer? Yamaha Netzwerk-Receiver? Letzters ja, aber nur 2 Modelle, nicht das gewünschte ... usw. Beispiel 1: Ich hatte spontan die Idee, ein Basecap mit NASA-Logo haben zu wollen. Karstadt, Esprit, New Yorker? Fehlanzeige. Bei Amazon aus dutzenden Varianten in Sekunden gewählt, wird morgen geliefert. Beispiel 2: Aufgrund eines gesehenen Filmes kam in der Diskussion mit Freunden spontan die Idee auf, man müsste mal den Whisky Vat69 testen. Kaufland, REWE, Karstadt? Fehlanzeige, online in 1 Minute gefunden und bestellt. So ließe sich das endlos fortsetzen.
sonnemond 02.12.2019
4. Ein Desaster
Online-Handel verbraucht enorm viel CO2, enorm viel Verpackungen, zerstört den Einzelhandel und die Innenstädte, degradiert die Arbeiter zu Sklaven. Geiz ist, Bequemlichkeit und Gier, soviel Unbewusstheit ist unerträglich. VWL- und ökomäßig ein Desaster.
grabenkaempfer 02.12.2019
5.
Zitat von MetternichWeihnachten. Onlinehandel-Irrsinn: Verstopfte Straßen, Nachbarn müssen annehmen, Boten am körperlichen Limit (bei miesem Lohn), Verödung der Innenstädte, Verpackungsmüll-Lawine, 30% Retouren(!). Einkaufen in der Stadt hat auch mit Kultur zu tun, mit Sinnlichkeit. Ich plädiere für eine Steuer auf den Internet-Handel, die so hoch ist, dass wieder deutlich mehr "analog" gekauft wird. Alle reden vom Verkehrskollaps und von Emissionen. Also Politik: macht was!
Onlinehandel und verstopfte Straßen und dann sollen noch mehr in die Städte fahren? Ich lach mich schief. Ich fahre freiwillig in keine Innenstadt mehr und sorge damit dafür das mehr Platz auf den Straßen ist. DHL liefert mir fast alles an eine Packstation die auf dem Arbeitsweg liegt und wo es 2 Supermärkte direkt zusammen gibt.
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