Mehrheit der Bürger dafür Ärzte fordern umfassendes Werbeverbot fürs Rauchen

Deutschland ist das einzige Land in der EU, das Tabakwerbung auf Plakaten und im Kino erlaubt. Die Politik tut sich seit Jahren schwer, das zu kippen. Die Bundesärztekammer fordert eine Entscheidung.

Tabakwerbung wie hier in Düsseldorf soll schon bald verboten sein, fordert die Ärztekammer
Norbert Schmidt/ imago images

Tabakwerbung wie hier in Düsseldorf soll schon bald verboten sein, fordert die Ärztekammer


Die Ärzte in Deutschland dringen zum Schutz der Gesundheit auf umfassende Werbeverbote fürs Rauchen. "Die langwierige Diskussion um die Plakatwerbung ist trostlos", sagte der Präsident der Bundesärztekammer, Klaus Reinhardt.

"Es ist unverständlich, dass wir das Werbeverbot als letztes Land in der EU immer noch nicht vollständig durchgesetzt haben." Die Ärzteschaft sei ganz klar für ein generelles Tabakwerbeverbot, und zwar auch für elektronische Zigaretten. "Da kann man der Industrie nicht entgegenkommen. Rauchen ist schädlich, Punkt."

Deutschland ist das einzige Land in der EU, das es Tabakkonzernen noch erlaubt, ihre Produkte großflächig auf Plakaten und im Kino zu bewerben. Dabei hat sich der Bundestag schon vor 15 Jahren gegenüber der Weltgesundheitsorganisation (WHO) dazu verpflichtet, bis spätestens 2010 ein "umfassendes Verbot aller Formen von Tabakwerbung" zu erlassen. Bislang vergebens.

57 Prozent der Deutschen unterstützen ein vollständiges Werbeverbot

Die Große Koalition verhandelt seit Monaten über einen neuen Anlauf für Werbeverbote, nachdem die Union generellen Widerstand dagegen aufgegeben hat. Dabei geht es darum, bestehende Beschränkungen auf Plakatwerbung und Kinos auszuweiten. Im Gespräch ist, dass sie nicht nur für klassische Tabakprodukte greifen sollen, sondern auch für E-Zigaretten. Die SPD will dies durchsetzen, dafür macht sich auch die neue Bundesdrogenbeauftragte Daniela Ludwig (CSU) stark.

Reinhardt sagte: "Jeder weiß, dass vor allem Jugendliche anfällig sind für Klischeebilder der Werbung. Nicht alles, was legal ist, muss beworben werden." Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte sich im Juni für ein Werbeverbot ausgesprochen und "eine Haltung" dazu bis Jahresende in Aussicht gestellt. Im Gespräch sind inzwischen ein weitgehendes Außenwerbeverbot ab Anfang 2022 und ein Verbot bei Kinofilmen für Jugendliche ab Anfang 2021.

Verboten ist Tabakwerbung etwa schon in Radio und Fernsehen, Zeitungen und Zeitschriften. In der vorigen Wahlperiode war ein Anlauf zur Ausweitung gescheitert. Die Zigarettenbranche argumentiert unter anderem, ein vollständiges Verbot wäre ein unverhältnismäßiger Eingriff in die Werbefreiheit. Maßgebend für den Rauchbeginn von Minderjährigen sei das Rauchverhalten in Freundeskreis und Familie.

57 Prozent der Bundesbürger unterstützen ein vollständiges Werbeverbot für elektrische Zigaretten und Tabakerhitzer - das geht aus einer repräsentativen Umfrage der Universität Düsseldorf aus dem September hervor. Nur 11 Prozent wollen demnach, dass die Produkte weiter beworben werden dürfen.

In der Debatte über den Umgang mit illegalen Drogen lehnte der Ärztepräsident eine Freigabe von Cannabis ab. Er sei "definitiv gegen eine Liberalisierung", sagte Reinhardt. "Das ist eine Droge, die ein Suchtpotenzial hat." Es gebe auch Forschungsbelege dafür, dass regelmäßiger Konsum vor Abschluss der Hirnreifung zu erheblichen Beeinträchtigungen wie Konzentrationsstörungen führe. "Es gibt keinen Grund, noch eine weitere Droge zuzulassen."

Reinhardt warb für das Engagement von Ärzten bei Behandlungen mit Heroin-Ersatzstoffen (Substitution). Die Aufgabe sei nicht immer einfach. Rahmenbedingungen würden teils schwieriger, ärztlicher Nachwuchs fehle. "Ich halte es aber für sehr wichtig und notwendig, Kollegen weiter für die Substitutionsbehandlung zu motivieren", sagte der Ärztepräsident. "Das ist ein Thema, um das wir uns kümmern müssen." Die Drogenbeauftragte Ludwig hatte dazu aufgerufen, auch die "nächste Generation der Ärzteschaft" für solche Angebote zu gewinnen.

flg/dpa-AFX

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claus7447 19.11.2019
1. Wer hat ein Werbeverbot unterbunden?
Nein es war nicht ein Schweizer. Es war die CDU unter Federführung Kauders. Lobbyverein!
Freeflow 19.11.2019
2. Werbung
Neben der Tabakwerbung sollte auch die Alkoholwerbung abgeschafft werden. Zusätzlich sollten wir dafür Sorge tragen, dass Tabak (samt E-Zigaretten, etc.) sowie alkoholische Getränke (ab ca. 2% alc.) nur noch in Fachgeschäften angeboten werden.
wwissen 19.11.2019
3. Wo ist denn da noch die Frage?
In alles Bundesländern gibt es Rauchverbote, in vielen nahezu überall. Erlaubte Tabakwerbung ist da wohl eher kontraproduktiv. Aber wie in so vielen Bereichen, so auch hier: Wenn Lobbyisten eine Zugangskarte zum Reichstagsgebäude haben...
markusherbert1 19.11.2019
4. Warum wird nicht
einfach der gewerbsmäßige Vertrieb von Rauch-/ Dampfwaren verboten. Wer sich zuhause was anbaut oder aus dem Urlaub was mitbringen will, alles gut, aber dann würde man das flächendeckende Vertriebsnetz mal wegbekommen. Dann hätten sich auch die Diskussionen um die Werbung erledigt. Soll jeder das rauchen, was er für richtig hält, aber kein industrieller Vertrieb.
Na Sigoreng 19.11.2019
5. Mehrheit der Bürger dafür ....
Wer interessiert sich denn dafür? Jedes mal, wenn von der "Mehrheit der Bürger" zu lesen ist, die irgend was will, dann stecken andere Interessen dahinter. Die "Mehrheit der Bürger" sollte sich mal die Werbung im Fernsehen ansehen - hochbezahlte Fußballer werben für Chips, Glückspiel u.ä. Das ist okay? Ich bin Nichtraucher - mich interessiert ein komplettes Verbot von Glimmstängeln nicht ... mich stört nur diese Bigotterie. Wir leben doch nur noch von Verboten - sollen die Menschen doch freudig konsumieren, was sie wollen! Wir sind ohnehin zu viele!
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