Werbung beim Wort genommen Wie man Baumärktler zur Verzweiflung treibt

Gerätestecker: "Wegen der Rabattaktion bin ich hier. Nicht wegen Beschädigung"
dapd

Gerätestecker: "Wegen der Rabattaktion bin ich hier. Nicht wegen Beschädigung"

2. Teil: "Gilt denn noch die Aktion mit den 25 Prozent?"


Ohne weitere Worte und damit beständig unhöflich, dreht er sich um und telefoniert. Alles kann ich nicht verstehen, aber einmal fällt das Wort Beschädigung. Eine derartige Beschreibung meiner Vorgehensweise in diesem Baumarkt ist eindeutig zu kurz geraten, deswegen platze ich dazwischen: "Wegen der Rabattaktion bin ich hier. Nicht wegen Beschädigung." Er legt auf und nimmt sich endlich etwas mehr Zeit für ein Gespräch mit seinem Kunden: "Sie haben es ja abgeschnitten, warum beschädigen Sie meine Ware?" Er will es anscheinend nicht verstehen: "Ohne Stecker bekommt man doch die 25 Prozent." Es sei unmöglich, ohne Beschädigung diesen Rabatt zu bekommen, darüber solle er doch mal nachdenken, setze ich hinzu.

Sein Handy klingelt, vermutlich der gleiche Gesprächspartner wie eben, der Ober-Boss. Dieses Mal kann ich alles verstehen: "Kommen Sie mal. Ein Kunde hat den Stecker abgeschnitten, weil er die 25 Prozent haben möchte. Und rufen Sie gleich bitte die Polizei." Polizei!!? Warum? Bloß weil ich die Werbung beim Wort genommen habe? Da können sich die Polizisten gleich auf einen schwer zu lösenden Fall einstellen. Zunächst aber erscheint der Ober-Boss. Auch er legt keinen Wert auf gute Manieren, stellt sich nicht vor und beschimpft ohne Vorwarnung den Kunden - mich. Ich wage schon gar nicht mehr danach zu fragen, ob ich den abgeschnittenen Stecker nun mitnehmen darf oder nicht.

Ich werde die Filiale wechseln und woanders mein Glück versuchen

Wir einigen uns schließlich so: Ich zahle den vollen Kaufpreis und scheide dadurch aus dem Kreis der Rabattberechtigten aus. Im Gegenzug wird auf das Einschalten der Polizei verzichtet. Persönlicher Zusatz: Ich werde die Filiale wechseln und woanders mein Glück versuchen. Ich entscheide mich für Filiale 120, die in Osnabrück liegt. Dieses Mal vergewissere ich mich vorher, ob die Werbeaktion noch gilt. Ein so um die 50 Jahre alter Mitarbeiter packt gerade Kartons mit Schrauben aus, als ich ihn anspreche:

"Gilt denn noch die Aktion mit den 25 Prozent?" Antwort, wie erhofft: "Alles, was keinen Stecker hat." - "Alles, was keinen Stecker hat?", wiederhole ich ausdrücklich. "Ja", bestätigt er. "Darauf kann man sich auch verlassen? Alles, was keinen Stecker hat?", frage ich noch einmal nach. "Ja!"

Eine - wenn zurzeit auch nicht funktionierende - Bohrmaschine habe ich schon, deshalb entscheide ich mich in dieser Filiale für eine Kabeltrommel für 19,99 Euro. Zum Abtrennen des Steckers dient eine handliche Eisensäge, die im nächsten Regal liegt. Es ist grundsätzlich zu begrüßen, wenn es dem Kunden so einfach gemacht wird wie hier.

Mit der Kabeltrommel ohne Stecker marschiere ich zu dem Mitarbeiter, den ich eben noch zur Gültigkeit der Werbeaktion befragt hatte. "Ich habe jetzt den Stecker abgesägt, um die 25 Prozent zu bekommen", kläre ich ihn auf. Doch offenbar ist es erneut zu einem Missverständnis gekommen.



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Phil1305 10.04.2011
1. so ein Blödsinn
hm... entweder habe ich die Ironie nicht verstanden, oder der Artikel bzw. Buchauszug ist kompletter Blödsinn. Niemand ist so dämlich und erwartet durch das Abschneiden eines Steckers den Rabatt zu bekommen. Sicher ist Kritik an hohlen Werbeversprechen immer berechtigt und man sollte so etwas auch immer im Auge behalten, aber bitte nicht so... Was hier vermeintlich Witzig sein soll ist im besten Fall die Entlarvung des Autoren als ein reichlich dümmlicher Zeitgenosse.
hermanngaul 10.04.2011
2. Wm- Titel
Soll das jetzt witzig sein? Ist das ne Satire? Oder was? Wenn es eine Satire ist, ist das Ganze ja unheimlich raffiniert und ausgefallen. Tolle Idee. Über Werbefallen und Ungereimtheiten lässt sich ja diskutieren, aber die Sinnhaftigkeit oder Lustigkeit dieser "Aktion" erschließt sich wohl nur irgendwelche gelangweilten 35-Stunden-die-Woche-Arbeiter.
keoki, 10.04.2011
3. Witzigkeit kennt doch Grenzen ...
Der Herr "Journalist" hält sich anscheinend für schrecklich witzig. Dieser Artikel entbehrt jeder Grundlage, ist dämlich und komplett überflüssig. Er wird eigentlich nur von dem nichtsagenden Artikel vor ein paar Tage übertroffen, bei dem angeblich mitgeteilt werden sollte, welche Reparaturen man selber am Auto durchführen könne. Man sollte doch lieber auf ein paar Artikel verzichten. ... einfach schrecklich und nicht mal als Ironie zu gebrauchen !!!
unterländer 10.04.2011
4. a
Zitat von sysop"25 Prozent auf alles ohne Stecker": Mit diesem Slogan trommelt eine Baumarktkette um Kunden. Doch wenn man das wörtlich nimmt, drohen die Mitarbeiter mit der Polizei - das bekam Hinrich Lührssen zu spüren. Er testet, wie ernst Firmen ihre Werbebotschaften wirklich meinen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/0,1518,754593,00.html
Schade, dass keiner tatsächlich die Polizei gerufen hat. Solche selbstgestrickten Verbraucherschützer braucht kein Mensch.
Eukalyptusbonbon, 10.04.2011
5. Nee, ist klar ...
Die Geschichte war bereits vor 2 oder 3 Jahren bei SternTV zu sehen, wo Herr Lührssen ja häufiger solche Aktionen durchführt. Also schon mal nichts neues. Insgesamt finde ich das dann auch weder lustig noch "lehrreich" ... Hat die Werbung irgendwo behauptet, dass man die gewünschten Geräte beschädigen soll oder darf, um den Rabatt zu bekommen? Anstelle über echte Verbrauchertäuschung zu berichten - die es ja nun wirklich tausendfach gibt - wird so Sendezeit (oder Artikel-Reichweite) verschwendet. Zudem erwecken solche Aktionen immer eher den Eindruck als ob nicht die Werbung die Verbraucher bewusst täuscht, sondern dass viele Verbraucher oft zu kleinlich sind oder Werbung von "echten" Produktinformationen nicht unterscheiden können. Eine Nullnummer - so oder so!
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