Wetterkatastrophen Versicherer wollen nur noch Policen mit Elementarschutz anbieten

Viele Schäden in den Flutgebieten entlang der Ahr waren nicht versichert. Das soll sich ändern: Die Versicherer wollen diesen Schutz zur Regel machen. Die Prämien dürften kräftig steigen.
Zerstörtes Haus im Ahrtal

Zerstörtes Haus im Ahrtal

Foto: Thomas Frey / dpa

Die Folgen der Flutkatastrophe in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz waren dramatisch: Die Versicherungsbranche geht von mindestens 250.000 Schadensfällen aus. Und immer noch sind die Ermittler der Versicherungen in den betroffenen Gebieten rund um die Ahr unterwegs, um weitere Fälle aufzunehmen.

6,5 Milliarden Euro Schäden an Wohnhäusern sind bis zum Ende des Sommers dabei zusammengekommen, plus 450 Millionen Euro an zerstörten Fahrzeugen. Viele Milliarden Euro mehr wären zusammengekommen, wenn noch mehr Immobilienbesitzer auch gegen solche Art von Starkregenschäden versichert gewesen wären. In Deutschland sind weniger als 50 Prozent der Kunden von Wohngebäudeversicherungen gegen sogenannten Elementarschaden abgesichert.

Nun reagiert die deutsche Versicherungswirtschaft. Künftig wird die Branche nach SPIEGEL-Informationen privaten Hauseigentümern bei Wohngebäudeversicherungen nur noch Policen mit Elementarschutz anbieten. Bislang mussten Kundinnen und Kunden diese Leistung, die unter anderem im Falle von Schäden nach Starkregen gezahlt werden, zusätzlich buchen. Dies war wohl auch ein Grund, warum sich so wenige Versicherungsnehmer dagegen absicherten.

»Wir können es nicht hinnehmen, dass jedes zweite Haus nicht gegen Klimaschäden versichert ist.«

GDV-Hauptgeschäftsführer Jörg Asmussen

Die geplante Neuregelung steht in einem Positionspapier des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). »Wir können es nicht hinnehmen, dass jedes zweite Haus nicht gegen Klimaschäden versichert ist«, sagt GDV-Hauptgeschäftsführer Jörg Asmussen. Auch bei Bestandsverträgen soll der Elementarschutz angefügt werden. Neu- und Altkunden müssen dann explizit diese Leistung abbestellen, wenn sie sie nicht wünschen.

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Versicherungsbeiträge dürften kräftig steigen

Ebenfalls geplant: In amtlich als Hochwassergebiet gelisteten Bereichen können Neubauten vom kommenden Jahr an nicht mehr gegen die Gefahr von Überschwemmung, Starkregen oder Rückstau versichert werden.

Die Elementarschutzversicherung bedeutet für die Kunden einen deutlichen Zuschlag auf die Gebäudeversicherungsprämie. Die Versicherungsbeiträge dürften deshalb insbesondere in von Unwettern bedrohten Gebieten kräftig steigen.

Der Verband fordert die neue Bundesregierung in dem Papier auf, verbindliche Schritte zur Anpassung an Klimafolgen wie Flutkatastrophen zu beschließen. Dazu gehört auch, diese Anpassung »im Bauordnungsrecht als eine allgemeine Anforderung und damit als Schutzziel« festzuschreiben. In exponierten Gebieten solle es ein Bauverbot geben und bei Baugenehmigungen solle es eine »verpflichtende Klima-Gefährdungsbeurteilung« geben.

Der Staat soll einspringen

Die künftige Bundesregierung solle, so fordert der GDV, bei Schadensgroßfällen mit Finanzmitteln einspringen, weil ansonsten die Beiträge für Elementarschutzversicherungen wegen des stetig wachsenden Unwetterrisikos unkalkulierbar ansteigen würden. Die alte Bundesregierung hatte Finanzmittel von 30 Milliarden Euro für die Flutopfer bereitgestellt.

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