Winterkälte Franzosen brauchen deutschen Strom

Trotz des Atomausstiegs produzieren deutsche Kraftwerke immer noch mehr Strom, als im Inland verbraucht wird - zu Frankreichs Glück: Weil der Verbrauch in dem Nachbarland wegen der Kälte auf Rekordwerte steigt, ist es auf deutsche Hilfe angewiesen - und wird auch mit Solarstrom bedient.
Solaranlage in Sachsen: Deutscher Ökostrom hilft Frankreich aus der Patsche

Solaranlage in Sachsen: Deutscher Ökostrom hilft Frankreich aus der Patsche

Foto: Jan Woitas/ picture alliance / dpa

Hamburg - Deutschland hat acht Atomkraftwerke, Frankreich produziert den Großteil seines Stroms in 59 Reaktoren - und trotzdem sind die Franzosen auf deutsche Stromhilfe angewiesen. Der Grund: Angaben der Netzbetreiber zufolge kletterte der Verbrauch in Frankreich am Dienstagabend um 19 Uhr auf mehr als 100 Gigawatt.

Der Verbrauch entspricht der Leistung von mehr als 80 Atomkraftwerken und ist damit derzeit fast doppelt so hoch wie in Deutschland, hieß es. Hierzulande habe es trotz 15 Millionen mehr Einwohnern am Dienstagabend nur einen Verbrauch von rund 51 Gigawatt gegeben. Der Hauptgrund dafür sei, dass es in Frankreich sehr viele Stromheizungen gibt.

Deutschland exportiert stündlich mehr als 3000 Megawatt Strom

Teilweise muss Frankreich den Angaben zufolge derzeit mehr als 7000 Megawattstunden (MW) Strom pro Stunde importieren, um die Versorgung aufrechtzuerhalten. In Deutschland federe gerade am Mittag wegen der starken Sonne der häufig kritisierte Solarstrom die Verbrauchsspitzen ab. Zu manchen Zeiten exportiere Deutschland netto mehr als 3000 MW pro Stunde.

Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) sieht deshalb auch die Prophezeiungen schwerer Stromausfälle im Winter als Folge der Energiewende widerlegt. "Gerade die jetzigen Tage mit klirrender Kälte zeigen, dass die erneuerbaren Energien ihren Beitrag zur Versorgungssicherheit und Netzstabilität leisten", sagte Röttgen den "Nürnberger Nachrichten".

Es sei interessant, sagte der Bundesumweltminister, dass Deutschland gerade in diesen Tagen mit einer sehr hohen Nachfrage sogar noch Strom exportiere - dank Photovoltaik und Windenergie. "Wir hatten in den letzten Tagen eine Kapazität von bis zu 10.000 Megawatt an Sonnenstrom, das entspricht der Leistung von rund zehn Kernkraftwerken, und bis zu 11.000 Megawatt Windstrom", sagte Röttgen.

Energieexperten schränken allerdings ein, dass ein Ausfall mehrerer Kraftwerke wegen der hohen Nachfrage etwa in Frankreich zu erheblichen Problemen führen könnte. "Frankreich gefährdet mit seiner atomlastigen Stromversorgung die europäische Energieversorgungssicherheit", sagt der Grünen-Politiker Hans-Josef Fell.

Fell wies auf die Bedeutung einer Offensive bei energetischen Gebäudesanierungen hin, da ein geringerer Stromverbrauch die Energiepreise senkt. Doch ein Steuerbonus für Sanierungen scheitert bisher am Streit zwischen Bund und Ländern. Am Mittwochabend versucht der Vermittlungsausschuss von Bundestag und Bundesrat hierzu eine Lösung zu finden.

nck/dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.