In Corona-Zeiten auf Wohnungssuche Aber bitte mit Abstand

Trotz Covid-19 suchen viele Menschen eine Wohnung. Massenbesichtigungen fallen wegen der Kontaktverbote aus, Video-Rundgänge werden beliebter. Aber funktioniert das auch?
Wohnungsbesichtigung in München: "Die Verunsicherung ist groß"

Wohnungsbesichtigung in München: "Die Verunsicherung ist groß"

Foto: Tobias Hase/ DPA

Lena Waldhaus* konnte nicht klagen. Ein Master-Abschluss in BWL, zum Monatsanfang ein Job bei einem großen Unternehmen in München. Auch eine Wohnung fand sie, zunächst zur Zwischenmiete. Aber auch das ist im beliebten und teuren München nicht selbstverständlich.

Dann kam es wegen der Corona-Pandemie zu weitreichenden Einschränkungen des öffentlichen Lebens, besonders in Bayern. Den neuen Job musste sie aus dem Homeoffice antreten - zu Hause bei ihren Eltern. Aus der Wohnung in München wurde nichts, die Zwischenvermieterin zog ihre Zusage zurück, weil sie wegen der Coronakrise in München bleiben musste.

Wohnungssuchende werden vor eine neue Herausforderung gestellt: Massenbesichtigungen können wegen des Kontaktverbots nicht mehr stattfinden, Einzelbesichtigungen sind nur eingeschränkt möglich, die virtuelle Wohnungsbesichtigung bleibt als Alternative. Wie funktioniert das?

Waldhaus sucht seit drei Wochen wieder nach einer Wohnung, selbst das etwa 80 Kilometer entfernte Augsburg zieht sie zum Pendeln in Betracht. Eine Wohnung habe sie per Videochat angesehen. "Das war für beide Seiten angenehm, ich selbst gehe gerade ungern auf Besichtigungen", sagt sie. Ihr sei es allerdings wichtig gewesen, die Wohnung bei gutem Licht zu sehen. Außerdem wollte sie den Grundriss der Wohnung haben.

Eine andere Besichtigung, sagt sie, habe sie gemeinsam mit ihrem Freund gemacht. "Es war komisch, uns war klar, dass man Abstand hält, aber wenn man zu dritt im Flur steht, ist das schwierig." Dabei sind in Bayern Wohnungsbesichtigungen aktuell grundsätzlich untersagt. Nur in Ausnahmefällen, wenn Wohnungslosigkeit droht, sind Einzelbesichtigungen möglich. Die Besichtigung hätte so nicht stattfinden dürfen. "Die Informationslage ist schlecht", sagt Waldhaus. "Man weiß nicht genau, was darf man, was darf man nicht?"

Vorsicht bei virtuellen Besichtigungen

"Die Verunsicherung ist groß", sagt Jutta Hartmann, Juristin und Pressesprecherin des deutschen Mieterbunds. Sie könne nur an die Vernunft aller Beteiligten appellieren und rät dazu, bei Besichtigungen das gesundheitliche Risiko möglichst herunterzufahren. Der Vermieter könne die Suchenden beispielsweise allein in die Wohnung lassen und draußen warten.

Bei virtuellen Besichtigungen rät Hartmann, vorsichtig zu sein. Mängel seien vielleicht nicht zu sehen, das Licht könne schlecht sein, Tricksereien eher möglich. Hartmann weist auf sogenannte Fernabsatzverträge und damit einhergehende Widerrufsrechte hin. Fernabsatzverträge liegen vor, wenn zur Anbahnung oder zum Abschluss eines Vertrags ausschließlich Fernkommunikationsmittel (zum Beispiel Briefe, Telefonanrufe, E-Mails) verwendet werden, ohne dass die Vertragsparteien gleichzeitig körperlich anwesend sind.

Auch die Vermieter müssen lernen, mit der neuen Situation umzugehen. Vonovia, Deutschlands größtes Wohnungsunternehmen, führt weiterhin Besichtigungen durch, "allerdings mit Einschränkungen", teilt die Sprecherin des Unternehmens, Nina Henckel, mit. Es werde verstärkt auf Hygieneregeln und Abstand geachtet. "Interessenten können auch einen Schlüssel erhalten und Wohnungen allein besichtigen", sagt Henckel.

Vonovia bemühe sich, "dass Interessenten bereits online einen möglichst vollumfänglichen Eindruck von unseren Wohnungen erhalten". Exposés würden vermehrt mit 360-Grad-Rundgängen erstellt. Außerdem prüfe das Unternehmen "verschiedene technische Möglichkeiten, wie Besichtigungen live virtuell durchgeführt werden können".

Die Video-Besichtigungen seien "überraschend gut"

Die Unternehmensberaterin Clara Wolf* sucht eine Wohnung in Köln und findet es gut, dass jetzt keine Massenbesichtigungen mehr stattfinden. Besichtigungen mache sie aktuell "dosierter". Die Video-Besichtigungen seien "überraschend gut". Sie rät dazu, viele Fragen zu stellen und "auch mal aus dem Fenster zu schauen". Einen Mietvertrag unterschreiben, ohne einmal vor Ort gewesen zu sein, würde sie aber "auf gar keinen Fall". 

Franziska Höhn* hat ihren künftigen Vermieter lediglich virtuell kennengelernt. Höhn war auf der Suche nach einer Wohnung in Münster. Mitte März, erzählt sie, hatte sie sechs Besichtigungen an einem Tag, das war noch vor den weitreichenden bundesweiten Einschränkungen. Trotzdem habe ihr ein Makler kurz vor der Besichtigung per SMS abgesagt. Da war sie schon eineinhalb Stunden nach Münster gefahren. Wütend habe sie den Makler angerufen, die Besichtigung habe dann doch noch stattgefunden. Auch andere Makler hätten die Besichtigungen abgesagt. Die virtuellen Besichtigungen seien ihr entgegengekommen, weil sie so nicht extra fahren musste.

Höhn hatte während der Wohnungssuche das Gefühl, die Wohnungsangebote seien stark zurückgegangen. Auch die Anzahl der Bewerber, die zu Besichtigungen kommen dürfen, sei reduziert worden. "Deswegen bin ich unglaublich froh, dass ich früh angefangen habe zu suchen", sagt sie.

*Name von der Redaktion geändert.

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