Lebensmittelskandale Klöckner pocht auf Verantwortung der Länder bei Kontrollen

Keime im Fleisch, in der Milch, im Käse: Nach den jüngsten Lebensmittelskandalen fordert Ernährungsministerin Klöckner die Bundesländer auf, ihrer Verantwortung für Kontrollen gerecht zu werden.

Julia Klöckner (CDU), Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft
Carsten Koall/dpa

Julia Klöckner (CDU), Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft


Nach den jüngsten Lebensmittelskandalen und Produktrückrufen nimmt Ernährungsministerin Julia Klöckner (CDU) die Bundesländer für Kontrollen in die Pflicht. "Ich lege Wert darauf, wenn die Länder stets ihre Zuständigkeit hier betonen, dass sie ihrer Verantwortung auch mit ausreichend Personal für diese Aufgabe gerecht werden", sagte Klöckner der "Bild"-Zeitung.

"Als Bund will ich wissen, wo die Schwachstellen vor Ort liegen. Die Länder müssen bereit sein, über stärkere Konzentration und Bündelung von Verantwortlichkeiten zu sprechen, um die Lebensmittelkontrolle zu optimieren."

Laut "Bild" will Klöckner eine Runde mit allen Länder-Agrarministerien einberufen. "Ich verlange schnelle Aufklärung, damit solche Fälle, die die Gesundheit unserer Bürger gefährden, sich nicht wiederholen."

  • In Hessen ist seit Anfang Oktober der Betrieb des Herstellers Wilke Waldecker Fleisch- und Wurstwaren geschlossen, nachdem in dessen Produkten wiederholt Listerien nachgewiesen wurden. Am Freitag hatte das Robert Koch-Institut einen dritten Todesfall durch Listerien-Keime bestätigt.
  • Der französische Käsehersteller Le Moulis hat deutsche Verbraucher vor mehreren Sorten seines Rohmilchkäses gewarnt. Er könnte gesundheitsschädigende Bakterien enthalten. Betroffen seien die in mehreren Bundesländern an der Theke verkauften Produkte "Moulis vache", "Moulis vache prestige" und "Bethmale de marterat", teilte das Unternehmen mit.

Nur 42 Prozent der registrierten Betriebe kontrolliert

Der Bundesverband der Lebensmittelkontrolleure Deutschlands forderte eine höhere Zahl von Kontrolleuren in den Behörden. "Wir als Bundesverband plädieren natürlich für mehr Personal, um die amtliche Lebensmittelüberwachung effektiv und flächendeckend durchführen zu können", sagte Maik Maschke, stellvertretender Bundesvorsitzender des Verbandes. Die Kontrollzahlen seien zuletzt jedes Jahr gesunken. "Wir haben voriges Jahr knapp 42 Prozent aller registrierten Betriebe kontrollieren können", so Maschke.

Für die Kontrolle sind die jeweils örtlichen Lebensmittelüberwachungsbehörden zuständig. "Vom Hersteller bis zum Lebensmittelgeschäft unterliegen alle 1,2 Millionen registrierten Betriebe der amtlichen Überwachung", erklärte Maschke. "Die Kontrolle funktioniert grundsätzlich so, dass wir unangemeldet kommen."

"Die Lebensmittel in Deutschland sind sicher", sagte Maschke weiter. Besonders anschauen solle man sich beim Einkauf aber Lebensmittel, die gekühlt werden müssen - und Produkte, die in den vergangenen Jahren in den Statistiken auffällig waren: zum Beispiel Milchprodukte, Fleisch und Fisch.

Sind teure Lebensmittel, etwa Bioprodukte, prinzipiell unbedenklicher als konventionelle? Dazu sagte der Kontrolleur: "Auch teure Lebensmittel können beanstandet werden - etwa wegen Kennzeichnungsmängeln." Auch konventionelle Lebensmittel könnten, was die Lebensmittelsicherheit betrifft, sehr gut sein.

oka/dpa

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timtimtam 12.10.2019
1. Fordern darf
Nur jemand, der selbst auch etwas macht. Frau Ministerin macht nichts, was Nestlé etc nicht gefällt. Gleiches gilt für Greta. Die fordert auch den ganzen Tag dies und jenes. Aber außer fordern, was macht die? Freitags demonstrieren, aber sonst?? Durch die Weltgeschichte reisen und demonstrieren.... Frau Ministerin how can you dare?
jkbremen 12.10.2019
2. Die Klöckner
kommt immer dann aus der Versenkung wenn sie Verantwortung von sich weg weisen kann, auf die Bundesländer zum Beispiel. Oder sie wird aktiv wenn sie was für irgendeine Industrie tun kann, für die chemische Industrie zum Beispiel, oder den landwirtschaftlichen industriellen Komplex für Beibehaltung der Gülle-Überdüngung zum Beispiel. Eine selten schlechte Ministerin!
sponni 12.10.2019
3. Typisch Deutsch
... immer soll Vater Staat es richten. Dass der deutsche Verbraucher mit seiner Ramsch-Mentalität mal was ändern muss, wird nicht diskutiert. Wer seine Billig-Würstchen auf dem 700 € Grill zubereitet, hat nix verstanden. Nirgendwo in Europa wird bei Essen so gespart wie hier. Selbst schuld.
blabla55 12.10.2019
4. Information in der Praxis.
Als Verbraucher wollte ich eine Auskunft über die Betriebshygiene einer große Lebensmittelkette über die Internetplattform,Frag DenStaat,Topf Secret,Das Landratsamt wollte die Info rausgeben,die Lebenmittelkette legte Widerspruch ein.Jetzt liegt die Sache beim Oberverwaltungsgericht.Transparenz sieht anders aus.
urbuerger 12.10.2019
5. Ausgerechnet Klöckner, muss nun wieder den Lauten machen, aber ...
... in ihrem Vorgehen gegen fehlende Beschriftungen und bei der Einführung der Lebensmittelampel und noch einigen Dingen mehr, sollte man Glauben das Fr. Klöckner dem deutschen Freiwilligkeits Ministerium als Ministerin vorsteht! Sie hat ein riesen Angst davor, die Industrie in die Pflicht zu nehmen, rügt nun aber die Länder, nicht genug zu tun! Es liegt doch aber auch an ihrem Ministerium, die Kontrollen der Lebensmittel Industrie besser zu machen, so dass die Länder dazu befähigt werden, ihren Verpflichtungen besser nachzukommen! Aber wie es eben so von ihr immer wieder propagiert wird, setzt sie mehr auf die Freiwilligkeit der Industrie und der Lebensmittel Konzerne! Der Erfolg ist gleich Null wie man sehen kann, zwar kommt die Lebensmittelangel jetzt dann wohl doch und auch auf freiwilliger Basis der Industrie, aber hier ist die gute Ministerin diejenige, die die Vorgaben der Industrie aufweichen will, um ihr Klientel nicht zu benachteiligen!!!
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