Zusatzversicherung und Co. Wie Sie beim teuren Zahnersatz sparen können

Tausend Euro für eine Brücke aus Metall, 3000 Euro für ein schickes Implantat: Zahnersatz ist teuer - und die Kassen zahlen nicht viel. So können Sie die hohen Kosten drücken.
Polnische Zahnarztpraxis

Polnische Zahnarztpraxis

Foto: Patrick Pleul/ picture-alliance/ dpa/dpaweb

Die Bundesbürger geben viel Geld für ihre Zähne aus - wenn sie es sich leisten können. 15 Millionen Kunden haben in Deutschland eine Zahnzusatzversicherung abgeschlossen, mehr als jede andere klassische Zusatzversicherung. Die Zahnzusatzversicherung soll helfen, die hohe Rechnung vom Zahnarzt zu begleichen, wenn ein oder mehrere Zähne wirklich kaputt sind. 3000 Euro für ein schickes Implantat sprengen viele Haushaltskassen.

Die Krankenkassen helfen bei diesem Problem nur recht eingeschränkt. Seit Mitte des vergangenen Jahrzehnts zahlen die Kassen beim Zahnarzt zwar die normale Behandlung. Beim Zahnersatz aber wird nur ein Festzuschuss  gezahlt - grundsätzlich die Hälfte der sogenannten Regelversorgung.

Für Kassenpatienten, die regelmäßig beim Zahnarzt waren und ihr Bonusheft gepflegt haben, sind es bis zu 65 Prozent - wohlgemerkt, der Kosten für eine Brücke aus einer Metall-Legierung. Die betragen etwa bei einem Backenzahn im Oberkiefer knapp tausend Euro. Die optisch schönere Variante aus Vollkeramik kostet schnell das Doppelte und ein Implantat über 3000 Euro. Da sind 500 Euro von der Krankenkasse sicher hilfreich - das Haushaltsbudget sprengen die Kosten trotzdem.

Wenn Sie sich mit dieser Situation nicht zufriedengeben wollen, gibt es eine Abkürzung, um die teuren Zähne preiswerter zu machen.

Die Abkürzung: Manche Zahnärzte haben Vereinbarungen mit Krankenkassen getroffen, um die Regelversorgung für Patienten ohne Zuzahlung möglich zu machen. Gut, wenn der eigene Zahnarzt zu Netzwerken wie Dent Net gehört. Die 1150 Zahnärzte dort bieten Kassenkunden mit gepflegtem Bonusheft die klassische Regelversorgung beim Zahnersatz ohne Zuzahlung an. Und Implantate kosten bei 135 besonders qualifizierten Ärzten aus dem Netz die Hälfte des sonst üblichen, so Netzwerkgeschäftsführer Jan-Dirk Oberbeckmann. Fragen Sie Ihre Kasse, ob sie zu den 39 Kassen gehört, die eine solche Vereinbarung haben.

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Micha Kirsten / Finanztip

Hermann-Josef Tenhagen, Jahrgang 1963, ist Chefredakteur von »Finanztip« und Geschäftsführer der Finanztip Verbraucherinformation GmbH. Der Geldratgeber ist Teil der Finanztip Stiftung. »Finanztip«  refinanziert sich über sogenannte Affiliate-Links, nach deren Anklicken »Finanztip« bei entsprechenden Vertragsabschlüssen des Kunden, etwa nach Nutzung eines Vergleichsrechners, Provisionen erhält. Mehr dazu hier .

Tenhagen hat zuvor als Chefredakteur 15 Jahre lang die Zeitschrift »Finanztest« geführt. Nach seinem Studium der Politik und Volkswirtschaft begann er seine journalistische Karriere bei der »Tageszeitung«. Dort ist er heute ehrenamtlicher Aufsichtsrat der Genossenschaft. Auf SPIEGEL.de schreibt Tenhagen wöchentlich über den richtigen Umgang mit dem eigenen Geld.

Für die Patienten der mehr als 40.000 anderen Zahnärzte und die große Mehrheit der Kassenpatienten haben sich drei andere erfolgreiche Strategien bewährt:

  • Geld vom eigenen Konto
    Zinsen gibt es auf Tages- und Festgeldkonten ohnehin kaum - 0,6 Prozent beim Tagesgeld  und 1,1 Prozent beim Festgeld . Wenn die Zahnarztrechnung also hoch ist, plündert man das eigene Konto.
    Clevere Patienten nutzen vor dem Bezahlen noch ein paar Hilfsmittel. Das erste Hilfsmittel ist der Heil- und Kostenplan, den man für die Krankenkasse ohnehin braucht. Vergleichen hilft, also ruhig einen zweiten Heil- und Kostenplan einholen. Das empfehlen sogar Zahnärztevereinigungen.
    Noch systematischer funktioniert ein solcher Vergleich mit der App "Meine Zahn-App", die auch einen Preisvergleich bei den Zahnärzten der Umgebung ermöglicht.
  • Zahnzusatzversicherung
    Davon gibt es Hunderte unterschiedlicher Angebote mit Beiträgen von weniger als 10 Euro bis mehr als 50 Euro im Monat. Mit anderen Worten: Eine solche Versicherung kann ein ziemlich teurer Spaß werden. Fünfmal so teuer wie die viel wichtigere Haftpflichtversicherung, die Kunden vor Millionenschäden durch eigene Fehler schützt und sogar teurer als die Kfz-Versicherung.
    Auch das Vergleichen wird bei Hunderten von Angeboten nicht eben einfach. Wichtig sind die richtige Philosophie und der Blick auf die relevanten Details. Die Versicherung soll helfen, die Rechnung zu schultern, die das Haushaltsbudget sonst sprengt - aber sie soll nicht selbst das Haushaltsbudget sprengen.
    Für ein preiswertes Angebot mit guten Leistungen zahlen 45-Jährige 20 bis 30 Euro. Langfristig und im Alter müssen die Kunden aber mit Kosten von 25 bis 40 Euro im Monat rechnen .
    Lukrativ wird eine solche Versicherung natürlich, wenn man nicht lange eingezahlt hat und sie dann hohe Kosten begleicht. Das ist nicht ganz einfach. Die Versicherer fragen beim Abschluss nach bereits vorhandenen Schäden (die werden normalerweise nicht mit Versicherungsgeld beseitigt) und nach Behandlungen, die ein Zahnarzt schon empfohlen hat. Für die kommt die Versicherung auch nicht auf.
    In den ersten Monaten zahlen viele Zusatzversicherungen ohnehin nicht, und in den ersten Jahren nur festgelegte Maximalsummen zwischen 500 und 5000 Euro.
    Die professionelle Zahnreinigung als Teil des Versicherungspakets ist zwar durchaus üblich, aber eigentlich auch keine vernünftige Idee. Denn hier handelt es sich um eine regelmäßige Dienstleistung, die die Versicherer einfach einpreisen. Das kostet dann etwa einen Zehner mehr jeden Monat .
  • Zahnersatz im Ausland.
    Zahnärzte und Kliniken in Polen, Tschechien, Ungarn, aber auch auf den Balearen bieten seit mehr als einem Jahrzehnt preiswerte Zahnbehandlung und Zahnersatz an. Die Krankenkassen zahlen für solche Behandlungen ihren Obulus genau wie in Deutschland. Ebenfalls genau wie in Deutschland muss man aber vorher einen Heil- und Kostenplan (nach deutschen Muster) erstellen und die Behandlung genehmigen lassen, bei der die Kasse zuzahlen soll. Bei mancher Zahnklinik in Osteuropa kann man sogar direkt mit der heimischen Krankenkasse abrechnen lassen.
    Für die Osteuropäer boomt dieser Gesundheitstourismus, das hat unlängst PriveWaterhouseCooper geschrieben . Und die Hochschule Bonn-Rhein-Sieg berichtet von einer ungarischen Kleinstadt  Mosonmagyaróvár, in der die "Zahnarztdichte siebenmal so hoch sei wie in Köln".
    Auch in der Türkei sind die Preise günstig und deutschsprachiges Personal gut zu finden. Allerdings haben Kassenpatienten dort keinen Anspruch auf einen Krankenkassenzuschuss. Dafür bietet die türkische Regierung  Nachlässe für Patienten an, die mit der Fluggesellschaft Turkish Airlines fliegen. Geplant sind angeblich sogar steuerfreie Zonen für die Gesundheitsversorgung ausländischer Patienten.
    Bei aller Spar-Euphorie: Ein paar Risiken sollte man nicht vergessen. Gibt es nach der Behandlung Probleme, sind Patienten im Ausland oft schlechter gestellt als in Deutschland. Ein Behandlungsvertrag nach deutschem Recht kann das verhindern.

Die einzigen, die bei der Vielfalt des Zahnangebots hinten runterfallen, sind die mit den wirklich niedrigen Einkommen. Im Jahr 2003 verkündete der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder in einer Regierungserklärung : "Ich möchte nicht, dass man den sozialen Status der Menschen wieder an ihren Zähnen ablesen kann."

15 Jahre später bekommen Kassenpatienten mit einem Bruttoeinkommen von weniger als 1218 Euro (bei Singles) zwar auf Antrag die Regelversorgung komplett bezahlt, in unserem Beispiel mit der Brücke also rund tausend Euro.

Zwei Haken allerdings bleiben: 1218 Euro brutto entsprechen bei einer Vollzeit-Beschäftigung nicht einmal dem Mindestlohn. Wer die vollen Regelleistungen erhalten will, darf also nur extrem wenig verdienen. Und die Regelleistung beinhaltet immer noch nicht die zahnfarbene Keramikbrücke für den Backenzahn oder gar ein Implantat.

Wir werden diese Armen am Lächeln erkennen.

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