Internationaler Schmuggel Zoll stellt vier Tonnen Dopingmittel sicher

Rund 365.000 Tabletten und 160.000 Ampullen: Der deutsche Zoll hat einen international agierenden Schmugglerring ausgehoben. Die Ermittler fingen vier Tonnen Dopingmittel ab. Doch der Fund ist nur die Spitze des Eisberg.

Zollfahndungsamt Frankfurt am Main

Einem groß angelegten internationalen Handel mit Dopingmitteln sind Zollfahnder auf die Spur gekommen. Wie am Freitag bekannt wurde, sind rund 365.000 Tabletten und etwa 160.000 Ampullen mit illegalen Substanzen am Frankfurter Flughafen und bei Durchsuchungen im Rhein-Main-Gebiet sichergestellt worden. Das sagte der Sprecher des Zollfahndungsamtes, Hans-Jürgen Schmidt.

Den gesamten Umfang der in dem internationalen Netz gehandelten Substanzen schätzen die Ermittler auf elf Tonnen. "Durch den Verkauf dieser Menge hätten sich wahrscheinlich mehr als zehn Millionen Euro erzielen lassen", sagte Schmidt. Sichergestellt seien derzeit rund vier Tonnen.

Die Ermittlungen begannen im vergangenen Jahr nach Hinweisen von finnischen Fahndern. Sie sind noch nicht abgeschlossen. Im Dezember 2014 wurde der erste Fund gemacht. Rund zwei Tonnen vor allem anaboler Steroide wurden bereits in Dänemark und Großbritannien sichergestellt.

Gewinnfaktor 40

Den Tätern drohen bis zu zehn Jahre Gefängnis. Zwei Männer aus dem Rhein-Main-Gebiet seien vorübergehend festgenommen worden, teilte Schmidt mit. Der Haftbefehl gegen einen der beiden wurde gegen Auflagen außer Kraft gesetzt. Gegen mehrere andere Verdächtige werde noch ermittelt.

Die Zahl der Ermittlungsverfahren wegen der Einfuhr verbotener Arznei- und Dopingmittel ist in den vergangenen drei Jahren deutlich gestiegen. Rund 250 Kilo illegale Doping-Wirkstoffe haben die Zollfahnder 2014 sichergestellt. 2013 waren es 126 Kilo, 2012 rund 73 Kilo. Zahlen für 2015 gibt es noch nicht.

Die Dopingmittel sind vor allem in der Kraftsport- und Bodybuilderszene gefragt. Die Gewinnspanne sei bis zu 40 Mal so hoch wie die Produktionskosten, sagte Schmidt. "Viele wechseln vom Drogen- zum Dopinghandel, weil die Strafandrohung geringer ist."

Die zuletzt in Hessen sichergestellten Tabletten und Ampullen kamen fast ausschließlich aus Finnland. Die Lieferung war an eine Anschrift in der Ukraine adressiert.

mka/dpa



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