Jahresbilanz Was dem Zoll ins Netz ging

Zehn Mal so viel Ecstasy wie im Vorjahr, tonnenweise Elfenbein und genug Pyrotechnik, um ein Haus in die Luft zu jagen: Der deutsche Zoll hat auch 2016 spektakuläre Funde gemacht. Künftig sollen die Beamten auch Geldwäscher jagen.
Vom Zoll beschlagnahmte Ecstasy-Pillen

Vom Zoll beschlagnahmte Ecstasy-Pillen

Foto: Oliver Berg/ dpa

Es ist eine Bilanz der besonderen Art, wenn der deutsche Zoll auf das Jahr zurückblickt. Am Dienstag stellten die Beamten in Köln wieder Details zu rund 17.000 Delikten vor, die sie 2016 bearbeiteten. Mit dabei war Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU). Seinem Haus untersteht der Zoll, der sich künftig auch der Jagd auf Geldwäscher widmen soll.

Drogen und Tabak

Knapp zwei Millionen Tabletten Ecstasy stellte der Zoll im vergangenen Jahr sicher - die zehnfache Menge des Vorjahres. Gefährlich ist dabei nach Angaben des Zolls, dass der Wirkstoffgehalt der Pillen zunimmt. Im vergangenen Jahr zogen Kontrolleure allein im Juli und August mehr als 1,3 Millionen Pillen aus dem Verkehr, etwa versteckt in einer Lieferung von Eisenrohren. Nach Erkenntnissen der Ermittler kamen die Drogen aus den Niederlanden und sollten in Richtung Türkei weitergeleitet werden.

Wolfgang Schäuble (M.) mit sichergestellten Ecstasy-Pillen

Wolfgang Schäuble (M.) mit sichergestellten Ecstasy-Pillen

Foto: Oliver Berg/ dpa

Zudem beschlagnahmten die Beamten gut neun Tonnen anderer Rauschgifte, vor allem Marihuana, Kokain und Amphetamine. "Wir haben deutliche Steigerungszahlen bei den synthetischen Drogen", sagte der Chef des Zollkriminalamts, Norbert Drude.

Zudem vernichtete der Zoll Zehntausende Flaschen Wodka, bei denen der zulässige Methanol-Wert um das 300-fache überschritten war. Außerdem wurden 120 Millionen geschmuggelte Zigaretten abgefangen.

Waffen und Pyrotechnik

In die Asservatenkammern des Zolls wanderten 8193 Waffen. Als besorgniserregend bezeichnete der Zoll außerdem den Handel mit Pyrotechnik. So führen die Fahnder derzeit fast 1400 Ermittlungsverfahren gegen Kunden eines einzigen Internetshops.

Im Keller eines Mehrfamilienhauses in Berlin stießen Fahnder auf rund eine Tonne nicht zugelassener Pyrotechnik mit einer "Netto-Explosiv-Masse" von rund 300 Kilogramm. "Wenn das hochgeht, ist das Haus weg", sagte Oliver Pampel-Jabrane vom Zollfahndungsamt Berlin.

Gefälschte Markenartikel

Gefälschte Waren im Wert von 180 Millionen Euro gingen dem Zoll 2016 ins Netz. Dabei zeigt die Ausbeute von insgesamt 3,6 Millionen Produktfälschungen einen deutlichen Trend hin zu teurer Markenware. Die Zahl der Beschlagnahmungen sank zwar insgesamt, der Marktwert aber stieg gegenüber dem Vorjahr um 50 Millionen Euro.

Exotische Tiere und Pflanzen

Von besonderer Bedeutung war der Schmuggel von Elfenbein. Bei zwei zusammenhängenden Fällen stellte der Zoll 1,2 Tonnen Elfenbein sicher. Insgesamt betrachtet geht der Trend im Bereich Artenschutz mit 915 Fällen gegenüber 1301 Fällen im Vorjahr aber zurück. Grund dafür war die 2015 außergewöhnlich hohe Zahl abgefangener Lifestyle-Produkte mit geschützten Pflanzenarten als Inhaltsstoff, die häufig mit der Post versandt werden.

Schäuble mit sichergestelltem Elfenbein

Schäuble mit sichergestelltem Elfenbein

Foto: Oliver Berg/ dpa

Bargeld

Der Zoll spürte nicht deklariertes Bargeld in Höhe von 8,2 Millionen Euro auf. Die Beamten leiteten deshalb 2600 Verfahren wegen Verstoßes gegen die Anmeldepflichten ein, bei denen Bußgelder in Höhe von fünf Millionen Euro festgesetzt wurden.

Künftig soll der Zoll auch Geldwäschern das Handwerk legen. Unter dem Dach der Behörde werde die bisher beim Bundeskriminalamt angesiedelte Spezialeinheit gegen Geldwäsche neu ausgerichtet und verstärkt, bestätigte Finanzminister Schäuble in Köln frühere Berichte. Die Zahl der Beamten steige von 25 auf 165.

"Wir bringen mehr Licht ins Dunkel illegaler Geldströme", versprach Schäuble. Geldwäschern werde es künftig schwerer gemacht, Vermögenswerte in den legalen Wirtschaftskreislauf einzuschleusen. Die Verdachtsmeldungen auf Geldwäsche stiegen, deshalb sei es konsequent, die Behörde auszubauen. Der Zoll sei auch international bestens vernetzt und könne die Zusammenarbeit mit anderen Ländern intensivieren. Starten soll die neue Zentralstelle für Finanztransaktions-Untersuchungen, auch bekannt als Financial Intelligence Unit, am 1. Juli.

dab/dpa/Reuters