Börsenminus trotz explosivem Wachstum Zoom-Aktionären ist Gewinnsprung von 2,2 auf 198,4 Millionen Dollar nicht genug

Wer in der Coronakrise seine Familie, Freunde oder Kollegen sehen möchte, greift auch auf den Videodienst Zoom zurück. Umsatz und Gewinn haben sich vervielfacht. Anleger sind dennoch nicht zufrieden.
Der Videodienst Zoom ist respektive war einer der Börsenstars des Krisenjahres 2020

Der Videodienst Zoom ist respektive war einer der Börsenstars des Krisenjahres 2020

Foto: Mark Lennihan / AP

Die Coronakrise setzt der Wirtschaft schwer zu, doch es gibt auch Profiteure der Pandemie. Einer davon ist der Videodienst Zoom. Das Unternehmen ist im vergangenen Quartal weiter explosiv gewachsen, doch den Anlegern geht das Wachstum nicht mehr schnell genug. Die Zoom-Aktie fiel nach Bekanntgabe der neuen Geschäftszahlen zeitweise um rund acht Prozent.

Dabei sprang der Umsatz binnen einem Jahr von 166,6 Millionen Dollar im dritten Quartal auf gut 777 Millionen Dollar. Im Ende Oktober abgeschlossenen dritten Geschäftsquartal schoss der Gewinn im Jahresvergleich sogar von 2,2 auf 198,4 Millionen Dollar. Der steigende Gewinn basiert auf einer Mehrzahl von Nutzern, die sich für ein kostenpflichtiges Abomodell entschieden, wie das Unternehmen mitteilte.

Inzwischen kommt das US-Unternehmen auf 433.700 Kunden mit mehr als zehn Mitarbeitern, was einem Plus von 485 Prozent entspricht. Auch für das laufende Quartal gibt sich Zoom Video zuversichtlich und rechnet mit Erlösen zwischen 806 und 811 Millionen Dollar. Das ist mehr, als von Analysten erwartet wurde.

Der nachbörsliche Kursrutsch könnte damit zusammenhängen, dass Zoom zwischen Oktober und Dezember mit einer höheren Kundenabwanderung als üblich rechnet. Dies begründete das Unternehmen mit dem höheren Anteil an Kunden, die lediglich Monatsabos gebucht haben. Ein anderer Grund könnte die Sorge von Investoren sein, dass Zoom bereits seinen Zenit erreicht hat. Das schreibt die Nachrichtenagentur AP.

Einer der Gewinner der Coronakrise

Zoom war mit der Coronakrise in eine neue Liga aufgestiegen. Die Firma sollte ursprünglich Videokonferenzen für Unternehmen zur Verfügung stellen. In der Pandemie nahm aber nicht nur die Nutzung in Firmen zu, sondern auch Privatleute nutzen vermehrt Zoom – beispielsweise für Familientreffen.

Wie sehr das Unternehmen von der Coronakrise profitierte, zeigte sich nach der Verkündung des Unternehmens Biontech, dass es einen Corona-Impfstoff gefunden habe. Während die Aktien der Pharmakonzerne in die Höhe schossen, brach Zoom an den Börsen um mehr als zwölf Prozent ein.

Investoren, die weiterhin auf Zoom setzen, gehen laut AP davon aus, dass das Unternehmen viele Abonnenten auch nach der Coronakrise behalten wird. Demnach werden Firmenkunden weiterhin auf Homeoffice setzen und Geschäftsreisen einschränken, was ein Videokonferenz-Tool essenziell macht.

Dabei ist das 2011 in San Jose gegründete Unternehmen, das zwischenzeitlich mit Sicherheitslücken beispielsweise bei der Verschlüsselung oder dem sogenannten Zoombombing kämpfte, nicht konkurrenzlos. Videoanrufe und -konferenzen sind beispielsweise auch über Microsoft Teams, Webex von Cisco oder Angebote der Techriesen Google und Facebook möglich.

hba/dpa/Reuters/AP
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