Sexuelle Diskriminierung US-Unternehmen zahlten Millionen

Der Prozess wegen sexueller Diskriminierung, der Wal-Mart droht, wäre der größte aller Zeiten. Doch schon in der Vergangenheit zahlten Unternehmen in den USA fantastische Summen, weil sie Frauen ungerecht behandelten oder um einen Prozess deswegen zu vermeiden.

Hamburg - Noch ist das letzte Wort nicht gesprochen: Doch nun hat schon das zweite Gericht die Sammelklage wegen sexueller Diskriminierung gegen Wal-Mart   zugelassen, nachdem der Handels-Riese gegen eine erste Entscheidung aus dem Jahr 2004 Berufung angekündigt hatte. Auch wenn Wal-Mart bereits angekündigt hat, gegen die jüngste Entscheidung ebenfalls vorgehen zu wollen - ein Prozess gegen den Konzern wird immer wahrscheinlicher. Dabei könnte es um Milliarden an Schadenersatz gehen. Bis zu 1,5 Millionen Frauen könnten sich der Klage anschließen. Es wäre mit Abstand der größte Prozess wegen sexueller Diskriminierung aller Zeiten.

Dabei gelten die Anti-Diskriminierungsgesetze in den USA schon jetzt als überaus strikt. Und seit 1991 die Begrenzung für Schadenersatz fiel, zahlten Unternehmen immer wieder gigantische Summen an Frauen wegen nachgewiesener oder vermeintlicher Benachteiligungen.

Obszöne Zeichnungen

1997 zahlte Mitsubishi   in einem Vergleich an Hunderte Frauen erst zehn Millionen Dollar. Ein Jahr später kamen noch einmal 34 Millionen Dollar hinzu. Die Zustände in den amerikanischen Werken des Autobauers schreckten die gesamte US-Öffentlichkeit auf, das Unternehmen kam aus den Schlagzeilen gar nicht mehr heraus: Obszöne Zeichnungen seien auf die Kotflügel der Autos auf dem Fließband gezeichnet und Frauen regelmäßig als "Schlampen" oder "Huren" bezeichnet worden, erklärte die Equal Employment Opportunity Commission (EEOC) damals unter anderem den entsetzten Reportern. Einmal habe ein Mann einer Frau einen Schlauch zwischen die Beine gehalten, in einer anderen Abteilung seien weibliche Mitarbeiter zum Einstieg in die Firma gefragt worden, welche Position sie bevorzugten. In einigen Fällen hätten Vorgesetzte Oralsex verlangt, wollten die Mitarbeiterinnen Nachteile vermeiden.

Im Jahr 2000 bot die US-Regierung rund 1100 Klägerinnen wegen diskriminierender Behandlung in zwei Regierungseinrichtungen einen Vergleich über 508 Millionen Dollar an - das Ende einer 23 Jahre dauernden Auseinandersetzung. Die ersten Fälle reichten in das Jahr 1977 zurück.

Unter anderem wurden Frauen schlicht mit dem Hinweis nicht eingestellt oder befördert, dass für die jeweilige Stelle werde ein Mann gesucht werde. Der "Washington Post" zufolge hatten im Laufe der Jahre Rechtsanwälte rund 65.000 Arbeitsstunden in die Fälle gesteckt.

"Nette Brüste"

Die Australierin Elizabeth Weston bekam von der Investmentbank Merrill Lynch   2004 satte 2,5 Millionen Dollar zugesprochen, weil ein Kollege beim Weihnachtsdinner Bemerkungen über ihre "netten Brüste" machte.

Morgan Stanley   zahlte im Jahr 2004 54 Millionen Dollar an insgesamt 340 Frauen. Diesem Vergleich stimmte die Investmentbank noch kurz vor Prozessbeginn zu. Das Verfahren wäre wahrscheinlich ziemlich peinlich geworden für die Bank - über 20 ehemalige Mitarbeiterinnen sollten aussagen.

Die Hauptklägerin, Allison Schieffelin, hatte nach eigener Aussage von ihren männlichen Kollegen zum Geburtstag eine Torte in der Brustform von Pamela Anderson geschenkt bekommen. Außerdem kämpfte die Bankerin nach eigenen Angaben um eine Beförderung, während männliche Mitarbeiter, denen sie selbst noch das Handwerk beigebracht habe, reihenweise an ihr vorbeizogen. Vom Golfspielen und von Besuchen im Strip-Klub, die zur Kundenbetreuung gehört hätten, sei sie ausgeschlossen worden. Als sie sich zur Wehr setzte, sei sie rausgeschmissen worden.

Die Schweizer UBS   wurde 2005 von einem New Yorker Gericht dazu verdonnert, die fantastische Summe von 29,3 Millionen Dollar an die ehemalige US-Sales-Mitarbeiterin Laura Zubulake zu zahlen. Sie war vier Jahre zuvor entlassen worden, nachdem sie die Diskriminierung durch männliche Kollegen bemängelt hatte.

"Die Pamela Anderson der Handelsabteilung"

Zubulakes Anwalt zufolge habe ein männlicher Kollege über Zubulake gesagt, die Bankerin sei alt, hässlich und unfähig. UBS   hielt dagegen, Zubulake sei wegen ihrer schlechten Leistungen entlassen worden. Der Fall Zubulake ist einer der wenigen, die vor Gericht ausgefochten werden: Meistens einigen sich die Parteien bei Klagen wegen sexueller Diskriminierung außergerichtlich, weil die Unternehmen ein peinliches Verfahren fürchten.

2005 reichten zwölf Frauen gegen den Pharmakonzern Novartis   eine Klage über 100 Millionen Dollar wegen Diskriminierung von weiblichen Mitarbeitern ein. Frauen seien schlechter bezahlt, seltener befördert und wenige unterstützt worden als männliche Kollegen, so die Vorwürfe. Novartis bestreitet die Vorwürfe. Der Ausgang ist noch offen.

Rund 1,4 Milliarden Dollar Schadenersatz verlangen die Bankerin Joanne Hart und fünf Mitstreiterinnen von Dresdner Kleinwort für sich und die 500 Frauen, die sich der Klage anschließen könnten. Das Unternehmen biete weiblichen Mitarbeitern nicht die gleichen Chancen wie Männern, hieß es in der bei einem New Yorker Bezirksgericht eingereichten Klageschrift. Frauen würden bei Dresdner Kleinwort als "Bürger zweiter Klasse" behandelt und häufig nur als "Blickfang" eingestellt, erklärten die Klägerinnen.

Das 70-seitige Dokument bietet neben verschiedenen Zahlen zahlreiche pikante Zeugenaussagen. So wurde angeblich über eine Mitarbeiterin gesagt: "Sie ist die Pamela Anderson der Handelsabteilung", auch von einem Strip-Besuch zur Feier eines Geschäftsabschlusses wird berichtet. Das Ende dieses Falles ist ebenfalls noch offen.

Dresdner Kleinwort wies die Behauptungen als "ungerechtfertigt" zurück. Die Vorwürfe entbehrten "jeglicher Grundlage" und stünden "in krassem Widerspruch zu allen Wertvorstellungen, für die unser Unternehmen steht".

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