Sexuelle Diskriminierung Wal-Mart droht Sammelklage von 1,6 Millionen Frauen

Dem US-Einzelhandels-Riesen Wal-Mart droht in den USA der größte Prozess aller Zeiten wegen sexueller Diskriminierung: Ein Berufungsgericht ließ eine entsprechende Sammelklage zu. Bis zu 1,6 Millionen Frauen können sich dieser nun anschließen und Schadensersatz in Milliardenhöhe fordern.

San Francisco - Dem größten Einzelhändler der Welt wird vorgeworfen, weiblichen Mitarbeitern grundsätzlich weniger gezahlt zu haben als männlichen Kollegen. Auch bei Beförderungen seien Frauen systematisch benachteiligt worden. Dabei waren mehr als 700.000 der etwa 1,2 Millionen Mitarbeiter im Jahr 2001, auf das sich die Vorwürfe beziehen, Frauen. Die Zulassung der Klage bedeutet, dass sich rund 1,6 Millionen Wal-Mart  -Mitarbeiterinnen, die seit 1998 bei dem Konzern arbeiteten, der Klage anschließen können. Der geforderte Schadensersatz könnte in die Milliarden gehen.

Die Entscheidung des dreiköpfigen Richtergremiums erfolgte mit zwei zu eins Stimmen. Zur Begründung der Entscheidung hieß es, es liege ausreichendes Beweismaterial vor, das die Argumentation der Kläger unterstütze. "Auch wenn die Größe dieser Sammelklage enorm ist, macht die reine Größe den Fall nicht unmöglich", erklärten die Richter außerdem.

Richter Andrew Kleinfeld, der gegen die Zulassung der Klage stimmte, hatte für sein abweichendes Votum dagegen eine etwas kryptische Begründung: Die Klage berge das Risiko, dass viele Frauen unrechtmäßig von ihr profitierten, während andere, die tatsächlich Opfer sexueller Diskriminierung geworden seien, benachteiligt würden. "Der einzige Beweis der Kläger für sexuelle Diskriminierung ist, dass rund zwei Drittel der Wal-Mart-Mitarbeiter weiblich sind, aber nur ein Drittel der Manager." Aber nicht jeder wollte Wal-Mart-Manager werden. "Diese Frauen, die Manager sein wollen, finden anderswo vielleicht bessere Möglichkeiten."

Mit dem Urteil bestätigte das Berufungsgericht ein früheres Urteil aus dem Jahr 2004, gegen das Wal-Mart vorgegangen war. Der Konzern habe Frauen nicht diskriminiert, hatte das Unternehmen der Klage entgegengehalten, weil die 3400 Filialen in den USA über ein größtmögliches Maß an Unabhängigkeit gegenüber der Zentrale verfügten.

Auch mit dem jetzt getroffenen Urteil will sich der Konzern nicht abfinden: Man werde gegen den Entscheid erneut Berufung einlegen, erklärte das Unternehmen nach Bekanntwerden des Urteils. Wal-Mart kann bei demselben Gericht eine Überprüfung des Urteils beantragen oder das Oberste Gericht bitten, sich mit dem Fall zu beschäftigen.

Kläger-Anwalt Brad Seligman hingegen feierte das Urteil: "Heute ist ein brandneuer Tag. Wir haben jahrelang auf dieses Urteil gewartet. Zwei Gerichte haben damit geurteilt, dass Wal-Mart sich einer Jury stellen muss." Er vertraue darauf, dass auch ein drittes Urteil diese Entscheidungen bestätigen würde.

ase/AP/Reuters

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