Show-Flug des A380 Hamburg erwartet den Alpha-Vogel

Er donnert zwei Mal über das Airbus-Werk hinweg, dreht mehrere Schleifen und setzt dann zum Steigflug an: Der Großraumjet A380 kommt morgen zum Showflug nach Hamburg - es ist sein erstes Gastspiel über deutschem Boden. Die Polizei rechnet mit zehntausenden Schaulustigen.


Fliegender Superlativ A380: Bei Airbus war das Show-Gastspiel in Hamburg lange umstritten
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Fliegender Superlativ A380: Bei Airbus war das Show-Gastspiel in Hamburg lange umstritten

Hamburg - Sein Kennzeichen ist F-WWOW - und die Mitarbeiter bei Airbus Deutschland mussten beinahe vier Monate auf ihn warten. So viel Zeit ist vergangen, seit der erste fertige A380 in Toulouse zu seinem Jungfernflug abhob. Morgen am Nachmittag wird er über Deutschland hinweg fliegen und gegen 15 Uhr in der Airbus-Stadt Hamburg erwartet.

Der Großraumjet schwebt pünktlich zum "Familientag" des Airbus-Werks im Stadtteil Finkenwerder ein. Landen wird er zwar nicht, dafür ist nach Airbus-Angaben keine Zeit. Zumindest aber wird der A380 mehrfach über der Stadt kreuzen und am Scheitelpunkt seines Fluges nur 150 Meter über dem Boden schweben.

Der Ortsteil Finkenwerder südlich der Elbe wird für allen öffentlichen Verkehr gesperrt, auch an der Elbchaussee am Nordufer geht für die Dauer des Schaufluges nichts mehr. Allein bei Airbus auf dem Werksgelände werden über 100.000 Zuschauer erwartet - und das, obwohl lediglich Mitarbeiter und ihre Angehörigen und geladene Gäste mit Eintrittskarten Zulass zum Gelände erhalten werden.

Tickets bei eBay zu ersteigern

Viele Flugzeugverrückte versuchen, irgendwie an diese Tickets zu kommen. Bei eBay waren am Mittag noch 42 Angebote zum Stichwort "Airbus-Familientag" verfügbar. Karten-Pärchen wurden zu Preisen von rund 30 Euro versteigert.

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Airbus A380: Der erste Ausflug des Superairbus

Die Flugschau des Doppelstock-Fliegers beginnt gegen 15 Uhr: In einer Höhe von rund 750 Metern wird der A380 von Osten her über die Elbbrücken anfliegen, dann auf 500 Meter sinken und die Elbe entlang bis zur Elbbucht Mühlenberger Loch steuern. Hinter dem Werksgelände wird der Jet in einer großen Linkskurve Richtung Buxtehude abschwenken, dann im niedrigen Flug nach Finkenwerder zurückkehren und im Tiefflug über die Start- und Landebahn hinwegdonnern. Mehrere Kreisflüge über der Unterelbe und ein abschließender Steigflug über der Stadt komplettieren das Showprogramm - der A380 kehrt dann zu technischen Tests nach Toulouse zurück.

Bis Ende voriger Woche hatte es ein langes Tauziehen zwischen Hamburg und Toulouse gegeben, ob der A380 überhaupt kommen sollte. Beide Seiten hatten Bedenken: In Hamburg fürchtete man einen Ansturm von weiteren zehntausenden Besuchern - in Toulouse wurde kolportiert, ein "Rundflug" über der Hansestadt würde nicht in das umfangreiche Test- und Zulassungsflugprogramm passen. Airbus ist mit der Fertigung der A380-Serie ohnehin in erheblichen Zeitverzug geraten.

Notrutschen-Test ab dem Herbst

Im Cockpit sitzen morgen der französische Airbus-Cheftestpilot Jacques Rosay, der schon beim Erstflug am 27. April dabei war, und der erfahrene deutsche Testpilot Wolfgang Absmeier. Er war zwar im April nicht an Bord des Premierenfluges dabei, hat aber bereits 35 Flugstunden im A380 absolviert. Bei der Luftfahrtmesse in Le Bourget in diesem Jahr war er täglich mit dem doppelstöckigen Giganten in der Luft. Für den Bayern Absmeier wird der Flug an die Elbe auch eine Rückkehr in die Vergangenheit sein - er war er drei Jahre lang Testpilot in Finkenwerder.

Zur ersten Landung wird der A380 in den letzten Oktober- oder ersten November-Tagen in Hamburg erwartet. Dann soll der erste Prototyp mit der Seriennummer MS001 hier seine Innenausstattung erhalten. Außerdem werden in Finkenwerder auch die Evakuierungstests gestartet, bei denen 873 Passagiere und Crew-Mitglieder das Flugzeug über Notrutschen binnen 90 Sekunden verlassen müssen. Ohne diese komplizierte Sicherheitsübung kann der A380 nicht für den Linienverkehr zugelassen werden.

Vom nächsten Jahr an werden die A380-Jets dann regelmäßig Hamburg-Finkenwerder anfliegen. Und von 2007 an wird Finkenwerder, wenn bis dahin die lange umstrittene Verlängerung der Start- und Landebahn abgeschlossen ist, auch endgültig Auslieferungszentrum für alle A380-Kunden in Europa und im Mittleren Osten sein.



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