Einschätzung der Bundesbank Shutdown unterbricht Erholung der Konjunktur

Essen gehen, Reisen, Veranstaltungen – derzeit unmöglich. Der Shutdown stoppt laut Bundesbank den wirtschaftlichen Aufschwung des Sommers. Ein Einbruch wie im Frühling sei aber nicht zu erwarten.
Innenstadt von Heidelberg: Aktuelle Beschränkungen »bei Weitem nicht so umfassend wie im März oder April«

Innenstadt von Heidelberg: Aktuelle Beschränkungen »bei Weitem nicht so umfassend wie im März oder April«

Foto: Ralph Peters / imago images/Ralph Peters

Der Teil-Shutdown im Kampf gegen die Pandemie wird die Konjunkturerholung in Deutschland nach Einschätzung der Bundesbank vorerst beenden. Das sehr kräftige Wirtschaftswachstum in den Sommermonaten nach dem Corona-bedingten Einbruch im Frühjahr dürfte ausgebremst werden, heißt es im Monatsbericht der Bundesbank . Demnach könnte die Wirtschaftsleistung Deutschlands im Schlussquartal 2020 »stagnieren oder sogar zurückgehen«.

Trotz der aktuell hohen Zahl von Neuinfektionen erwartet die Bundesbank aber keinen starken Einbruch des Bruttoinlandsprodukts (BIP). »Insgesamt ist aus heutiger Perspektive ein Einbruch der Wirtschaftsleistung auf ein ähnlich stark gedrücktes Niveau wie im Frühjahr nicht sehr wahrscheinlich«, schreiben die Experten der Notenbank. Zu ähnlichen Einschätzungen sind in den vergangenen Wochen bereits die sogenannten Wirtschaftsweisen und die Bundesregierung gekommen.

Als Ursache für die neuerliche Konjunkturschwäche gelten die inzwischen wieder stark gestiegenen Infektionszahlen in Deutschland und den europäischen Nachbarländern. Seit Oktober hat sich eine zweite Welle von Neuinfektionen aufgebaut, die mithilfe neuer Beschränkungen des öffentlichen Lebens bekämpft wird. Die aktuellen Beschränkungen seien aber »bei Weitem nicht so umfassend wie im März oder April«, so die Bundesbanker.

Dennoch würden nicht nur die vom Shutdown unmittelbar betroffenen Branchen wie das Gastgewerbe oder die Kultur getroffen. Auch in der stark auf den Export ausgerichteten Industrie werde die Erholung durch das Wiederaufflammen der Pandemie in Europa belastet. Daher geht die Bundesbank davon aus, dass die Kurzarbeit, die in den Monaten September und Oktober spürbar gesunken sei, wieder zulegen dürfte. Demnach könnte die Kurzarbeit »kurzfristig wieder über das im August erreichte Niveau hinaus steigen«.

Wegen der staatlichen Hilfsmaßnahmen in der Coronakrise sei im laufenden Jahr mit einem hohen Defizit in den öffentlichen Haushalten und einem starken Anwachsen der Staatsverschuldung zu rechnen. Nach Einschätzung der Bundesbank wird sich die Lage der Staatsfinanzen aber wieder verbessern, wenn die Krise abklingt. »Aus derzeitiger Sicht wird das Defizit dadurch im Verlauf des nächsten Jahres wieder ein Stück sinken und 2022 deutlicher zurückgehen«, heißt es im Monatsbericht.

fdi/dpa-AFX
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