Sieg im Fusionskampf E.on darf zum Koloss werden

Nach zähem Ringen ist es dem Energiekonzern E.on in letzter Minute gelungen, alle Klagen gegen die Übernahme der Ruhrgas einzusammeln. Gemessen am Energieumsatz ist der Konzern damit das weltgrößte Versorgungsunternehmen.


Noch mehr Energie: E.on-Zentrale in Düsseldorf
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Noch mehr Energie: E.on-Zentrale in Düsseldorf

Düsseldorf- Nach Angaben von E.on Chart zeigen ist es der Konzernführung gelungen, sich mit allen Klägern außergerichtlich zu einigen. Damit ist Weg frei für die zweite Großfusion: Nach dem Zusammenschluss von Veba und Viag 1999 wird nun die Ruhrgas AG in das Energie-Imperium integriert.

Eine Sprecherin des Düsseldorfer Oberlandesgerichts sagte am Freitag, alle neun Beschwerden gegen die Fusion seien zurückgezogen worden. E.ON kündigte an, damit habe die Ministererlaubnis für die Übernahme von Ruhrgas Bestand, gegen die die Beschwerdeführer vor Gericht vorgegangen waren.

Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) begrüßte die Einigung. An der Börse legten die Kurse der E.on-Aktien und der für den Kauf von Degussa durch RAG bereits angedienten Degussa-Aktien gegen den Markttrend deutlich zu.

Mit der Rücknahme der Beschwerden wird das Verfahren vor dem Düsseldorfer Oberlandesgericht gegenstandslos, bei dem E.on eine gerichtliche Untersagung des Vollzugs der zehn Milliarden Euro teueren Ruhrgas-Übernahme drohte. Das Gericht sagte die eigentlich für Freitag geplante Verkündung seiner Entscheidung durch den Kartellsenat wieder ab.

E.on kündigte an, noch am Freitag den Ruhrgas-Anteil der RAG zu übernehmen. Die von den Ölkonzernen Shell und ExxonMobil gehaltenen Ruhrgas-Beteiligungen sowie die Anteile weiterer Aktionäre würden kurzfristig übernommen. Die Übernahme ist ein zentrales Element in der Strategie von E.ON, auch auf dem europäischen Gas-Markt zu einer starken Kraft zu werden. E.on hatte nach Angaben von Beratern der Verhandlungspartner vor etwa zwei Wochen die Initiative ergriffen und versucht, mit jedem der neun Fusionsgegner einen Kompromiss auszuhandeln. Der Konzern hatte in der Vergangenheit erklärt, die Fusion diene der deutschen Energieversorgung, da man mit der Ruhrgas-Übernahme deutlich verbesserte Zugangsmöglichkeiten zum internationalen Markt für Gasbeschaffung habe.

An der Börse legte der Kurs der E.on-Aktie bis zum Mittag um 2,8 Prozent auf 41,58 Euro zu. Der Kurs der für die Übernahme durch die RAG angedienten Degussa-Aktien sprang um 8,7 Prozent auf 37,77 Euro in die Höhe und näherte sich damit dem Angebotspreis an. Das Börsenbarometer Dax lag mit einem Prozent im Minus.

E.on war bisher der zweitgrößte Energiekonzern der Welt nach dem französischen Staatsriesen EDF. Mit der Übernahme des führenden deutschen Gasimporteurs Ruhrgas wird der Konzern gemessen am Energieumsatz sogar zur Nummer eins aufsteigen. Strom und Gas bilden schon jetzt das Kerngeschäft des Düsseldorfer Konzerns. Mit 79,6 Milliarden Euro Umsatz (2001) und 110.000 Beschäftigten in den fortzuführenden Geschäften (September 2002) zählt E.on zu den größten deutschen Industriekonzernen. Der bislang bedeutendste Zukauf ist die Übernahme des britischen Versorgers Powergen. Der Stromabsatz von E.on beläuft sich inzwischen auf über 340 Milliarden Kilowattstunden im Jahr.



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