Siemens-Affäre Gesuchter Ex-Manager stellt sich

Seit 14 Tagen lag ein Haftbefehl gegen ihn vor - jetzt hat sich der frühere Siemens-Bereichsvorstand Andy Mattes den Behörden gestellt. Den ganzen Tag wurde er vernommen, um zu klären: Was wusste er über schwarze Schmiergeld-Kassen im Konzern?

Von Beat Balzli und


München - In der Siemens-Affäre um mögliche schwarze Schmiergeld-Kassen hat sich am Mittwochmorgen in München Andy Mattes den Behörden gestellt.

Polizisten vor Siemens-Zentrale in München (Mitte November): Haftbefehl seit 14 Tagen
DPA

Polizisten vor Siemens-Zentrale in München (Mitte November): Haftbefehl seit 14 Tagen

Mattes, gegen den seit 14 Tagen ein Haftbefehl vorliegt, war bis Juli 2005 als Bereichsvorstand für das Firmenkundengeschäft der Siemens Com-Sparte zuständig - verließ aber Ende 2005 nach kurzem Gastspiel für Siemens in den USA den Elektrokonzern und arbeitete zuletzt beim US-Computerhersteller HP in den Staaten als Verkaufschef der Technology Solutions Group.

Mattes' Rechtsanwalt Ulrich Wastl teilte gegenüber der Nachrichtenagentur AP mit, der Haftbefehl sei heute außer Vollzug gesetzt worden. Zu weiteren Einzelheiten wollte der Anwalt keine Stellung nehmen.

Die Münchner Ermittler interessiert vor allem, ob und was Mattes über das System von Briefkastenfirmen in Österreich, den USA und auf den britischen Virgin Islands weiß - und den damit verbundenen schwarzen Kassen in der Schweiz und Liechtenstein. Den ganzen Tag über wurde Mattes von Beamten des Landeskriminalamts und der Staatsanwaltschaft München I vernommen.

Mattes wird unter anderem zur Last gelegt, am 16. Dezember 2002 zusammen mit einem weiteren Bereichsvorstand für zwei seiner Mitarbeiter eine auf neutralem Papier und ohne Siemens-Logo verfasste Vollmacht unterzeichnet zu haben. Damit und mit Hilfe eines Luganer Treuhänders sollen diese das Netzwerk aus Briefkastenfirmen aufgebaut haben.

Sein Anwalt Ulrich Wastl zeigt sich dagegen sicher, dass die Vorwürfe gegen seinen Mandanten unbegründet sind: "Ich gehe davon aus, dass der Haftbefehl gegen Herrn Mattes außer Vollzug gesetzt wird", sagte er zu SPIEGEL ONLINE.



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