Siemens-Affäre Inhaftierter Ex-Vorstand Ganswindt soll Weihnachten daheim sein

Wegen der Schmiergeldaffäre bei Siemens war Ex-Zentralvorstand Ganswindt verhaftet worden - die Weihnachtsfeiertage soll er laut einem Zeitungsbericht wieder zu Hause verbringen. Nach einer umfassenden Aussage sei ein Haftverschonungsbeschluss erlassen worden.


München - Thomas Ganswindt sollte die Justizvollzugsanstalt Landsberg noch am Donnerstagabend oder am Freitag verlassen, berichtete das "Handelsblatt". Ganswindt ist in der Korruptionsaffäre bei Siemens Chart zeigen bisher der höchstrangige Beschuldigte. Die Staatsanwaltschaft in München wollte die Nachricht gegenüber SPIEGEL ONLINE nicht bestätigen: "Wir sagen dazu gar nichts."

Heute schien es lange Zeit fraglich, ob Ganswindt, wie in München zunächst erwartet, aus der U-Haft entlassen würde. Die Staatsanwaltschaft hatte eine angekündigte Erklärung überraschend auf morgen verschoben - ohne Angabe von Gründen. Auch Erklärungen dazu gab es - wie in diesem Verfahren üblich - nicht.

Ganswindts Anwälte hatten sich eine Reaktion der Ermittler erhofft. Denn der Spitzenmanager hatte gestern umfangreich zum Sachverhalt ausgesagt, nachdem er bereits kurz nach seiner Inhaftierung vor anderthalb Wochen eingeräumt hatte, seit Dezember 2004 von illegalen Provisionszahlungen im Telekommunikationsbereich Com erfahren zu haben. Im Haftbefehl hatte ihm die Staatsanwaltschaft vorgeworfen, zwar nicht das ganze System gekannt zu haben. Doch habe er seine "schützende Hand" über die korrupten Strukturen im Konzernbereich gehalten.

Im Aufsichtsrat von Siemens wächst einem Zeitungsbericht zufolge der Unmut über die Schmiergeldaffäre im Konzern. IG-Metall-Vize und Siemens-Aufsichtsrat Berthold Huber kritisierte in der "Süddeutschen Zeitung" die Informationspolitik der Konzernführung und warf dem Management Fehler im Kontrollsystem vor. Huber verlangt eine außerordentliche Sitzung des Aufsichtsrats.

Ankläger wollen Zwischenbilanz ziehen

Gut fünf Wochen nach der Großrazzia bei Siemens, die den Schmiergeldskandal öffentlich machte, will die Staatsanwaltschaft eine weitere Zwischenbilanz ihrer Ermittlungen ziehen. Morgen werde man in einer schriftlichen Erklärung über den Fall informieren, teilte der Leitende Oberstaatsanwalt Christian Schmidt-Sommerfeld mit. Nach Informationen des "Handelsblatts" sind inzwischen zwei der zuletzt sechs Inhaftierten nach umfangreichen Aussagen auf freien Fuß gesetzt worden.

Die Staatsanwaltschaft geht nach bisherigen Erkenntnissen davon aus, dass etwa ein Dutzend aktive und ehemalige Siemens-Mitarbeiter in den vergangenen Jahren rund 200 Millionen Euro veruntreut haben. Mit dem Geld sollen Schmiergelder im Ausland bezahlt worden sein. Die "Süddeutsche Zeitung" berichtete, auch im abgelaufenen Geschäftsjahr 2005/06 (30. September) seien nach Recherchen der Wirtschaftsprüfer bei Siemens mehr als 77 Millionen Euro dubiose Beraterzahlungen an Firmen und Geschäftsleute geflossen. Dass es auch im Jahr 2005/06 verdächtige Zahlungsflüsse gab, hatte Siemens schon vor knapp zwei Wochen eingeräumt. Der Konzern erklärte damals, für das Geschäftsjahr fielen wegen der Affäre zusätzliche Steuerbelastungen von 31 Millionen Euro an.

tim/dpa/DowJones



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