Siemens BenQ-Pleite droht Hunderte Millionen zu kosten

Die Pleite des Handyherstellers BenQ Mobile könnte für den Siemens-Konzern noch teurer werden als bislang erwartet. Einer Zeitung zufolge will Insolvenzverwalter 100 Millionen Euro von dem Konzern verlangen. Außerdem seien die Schulden des Handyherstellers viel höher als gedacht.

München - Bislang hatte Siemens lediglich einen zweistelligen Millionenbetrag für die von der Pleite betroffenen Mitarbeiter in einen Fonds eingezahlt. Doch dem BenQ-Mobile-Insolvenzverwalter ist das offenbar nicht genug: Er wolle mindestens noch 100 Millionen Euro von Siemens verlangen, berichtet die "Süddeutsche Zeitung" unter Berufung auf das Insolvenzgutachten.

Zudem sind die Verbindlichkeiten von BenQ Mobile offenbar deutlich höher als bislang erwartet, schreibt das Blatt weiter. Dem Gutachten zufolge sitzt BenQ Mobile auf einem Schuldenberg von 883 Millionen Euro, obwohl Experten bislang lediglich von einem niedrigen bis mittleren dreistelligen Millionenbetrag ausgegangen waren.

Der Insolvenzverwalter zweifelt dem Bericht zufolge offenbar daran, dass Siemens die Finanzverhältnisse der Handysparte bei der Trennung korrekt angegeben hat. Prager gehe daher offenbar von einer Konfrontation mit Siemens aus. Aus nicht vollständig bilanzierten Verbindlichkeiten oder Rückstellungen ergäben sich möglicherweise noch weitere Ansprüche über die 100 Millionen Euro hinaus. Ihre Höhe ließe sich jedoch noch nicht beziffern, hieß es weiter.

Siemens zeigte sich dem Bericht zufolge von den Forderungen überrascht. Der Konzern kenne das Gutachten nicht, sagte ein Sprecher dem Blatt. Siemens sei der Meinung, dass die Finanztransaktion mit BenQ korrekt verlaufen sei. Dies hätten auch die Wirtschaftsprüfer von KPMG so testiert. Allerdings könne der Konzern weitere Zahlungen an BenQ Mobile auch nicht ausschließen. Siemens werde sich jedoch im Sinne der Aktionäre verhalten, sagte ein Sprecher.

Den Verbindlichkeiten von 883 Millionen Euro steht dem Papier zufolge ein geschätztes Vermögen von 310 Millionen Euro gegenüber, schreibt das Blatt. Erhoffte Einnahmen aus der Auflösung von BenQ, darunter der Verkauf von Immobilien, Patenten und Maschinen sowie 66 Millionen Euro Bankguthaben, seien darin bereits berücksichtigt. Einen großen Teil der Verbindlichkeiten schulde BenQ Mobile mit 263 Millionen Euro seinen Lieferanten, dazu gehöre auch der Chiphersteller Infineon.

Investorensuche geht weiter

Prager verhandelt unterdessen weiter mit möglichen Investoren für den insolventen Handy-Hersteller. "Es gibt noch mehrere Interessenten und die Gespräche laufen weiter", sagte eine Prager-Sprecherin der Nachrichtenagentur Dow Jones. Wer zu den Interessenten zähle und wie viele es insgesamt sind, wollte sie nicht kommentieren.

Zuletzt hatten die Investorengruppen um die Hamburger Baroc Group GmbH und die SFCapital Partners sowie den Investor Hansjoerg Beha Abstand offiziell erklärt, das Unternehmen nicht mehr übernehmen zu wollen. Die nach eigener Aussage dagegen immer noch interessierte US-Firma Sentex Sensing Technology rechnet noch bis Ende kommender Woche mit einer Entscheidung Pragers. Dessen Sprecherin sagte allerdings, dass dem Inolvenzverwalter nicht bekannt sei, dass Sentex weiterhin an einer Übernahme interessiert ist. Prager hatte die Offerte von Sentex bereits Mitte Januar als unzureichend zurückgewiesen.

Siemens hatte seine Mobiltelefonsparte im Herbst 2005 an die taiwanische BenQ abgegeben und dabei noch 400 Millionen Euro dazu gezahlt. Schon im September 2006 meldete BenQ Mobile Insolvenz an. Etwa 3000 Mitarbeiter verloren ihren Job. Kritiker warfen Siemens vor, die Handysparte BenQ ausgeliefert zu haben. Die taiwanische Mutter habe lediglich die Technologie abgreifen und das Unternehemn von Vorneherein Pleite gehen lassen wollen. BenQ wies solche Vorwürfe zurück. Man habe im vergangenen Jahr rund 800 Millionen Euro in die neue deutsche Tochter investiert und erst aufgegeben, als keine Aussicht auf Rettung mehr bestanden habe.

ase/Dow Jones/ddp

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