Siemens Börse jubelt über Handy-Abschied

Die Trennung von der defizitären Handy-Sparte treibt den Kurs der Siemens-Aktie. Börsianer goutieren den Abschied von dem Krisenbereich – trotz einer millionenschweren Ergebnisbelastung.


Börse in Frankfurt: 30 Cent pro Aktie mehr für Aktionäre
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Börse in Frankfurt: 30 Cent pro Aktie mehr für Aktionäre

Frankfurt am Main/Hamburg - Unter dem Eindruck der Weitergabe der Siemens-Handysparte an das taiwanesische Unternehmen BenQ entwickelte sich der deutsche Aktienmarkt am Dienstag freundlich. Der Münchener Technologiekonzern gehörte dabei zu den großen Gewinnern

Zuvor hatte Siemens erklärt, das Elektronikunternehmen BenQ übernehme die seit mehreren Quartalen defizitäre Handysparte. Der taiwanesische Konzern wird das Mobiltelefon-Geschäft Ende September schlucken. Die Trennung werde das Siemens-Ergebnis mit rund 350 Millionen Euro vor Steuern belasten, hieß es.

Marktbeobachter zeigten sich von der Tragweite überrascht. "Ich hatte angenommen, dass Siemens zumindest einen kleinen Anteil behält. Dem ist nicht so. Selbst die Markenrechte hat der Konzern abgegeben", sagte Theo Kitz, Mobilfunk-Analyst beim Bankhaus Merck Finck, gegenüber SPIEGEL ONLINE.

Dennoch äußerte sich Kitz positiv zu der Lösung. "Die Belastung für den Konzern fällt damit weg. Aktionäre können schon im kommenden Jahr mit einem Plus von 30 Cent pro Anteilsschein rechnen", prognostiziert der Analyst. Die Ergebnisbelastung trübe die Aussichten zwar kurzfristig ein. "350 Millionen Euro hätte Siemens aber mindestens selbst zahlen müssen, hätte der Konzern den Bereich in Eigenregie saniert", sagt Kitz.

Andere Marktteilnehmer begrüßten die Übernahme des Mobiltelefon-Geschäfts durch BenQ ebenfalls. "Auch wenn die avisierte Lösung unter rein finanziellen Aspekten nicht die beste sein dürfte, so hat sich Siemens vor allem mit der Standortlösung erheblichen Ärger vom Hals gehalten", sagte Analyst Thomas Hofmann von der Landesbank Rheinland-Pfalz. Der Experte bestätigte seine "Outperformer"-Einschätzung mit einem Kursziel von 75 Euro. Er geht davon aus, dass die positiven Aspekte der geplanten Transaktion mittelfristig überwiegen.

"Der Schritt kommt nach den gestrigen Spekulationen in der Presse nun zwar nicht mehr überraschend, dennoch ist dies eine gute Nachricht für Siemens", sagte ein anderer Börsianer. Ein Aktienhändler hob zudem positiv hervor, dass der Verkauf das Ergebnis nur mit 350 Millionen Euro vor Steuern belaste. Am Markt sei mit rund 500 Millionen Euro gerechnet worden. "Endlich ist Siemens die schwächelnde Handy-Sparte los, das dürfte den Kurs heute auf jeden Fall antreiben", hieß es.



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