Fridays-for-Future-Proteste Siemens-Chef Kaeser bietet Luisa Neubauer Sitz im Aufsichtsrat an

Mit "Fridays for Future" hat Luisa Neubauer zuletzt deutlich gegen umstrittene Beteiligungen von Siemens protestiert, nun stellt Konzernchef Joe Kaeser der Klimaaktivistin einen Aufsichtsposten in Aussicht.
Siemens-Chef Joe Kaeser: Entscheidung über Kohleprojekt am Montag

Siemens-Chef Joe Kaeser: Entscheidung über Kohleprojekt am Montag

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ODD ANDERSEN/ AFP

Die Klimaaktivistin Luisa Neubauer, prominente Vertreterin der Fridays-for-Future-Bewegung, kann bei Siemens eine wichtige Rolle übernehmen. Vorstandschef Joe Kaeser hat ihr am Freitag einen Sitz in einem Aufsichtsgremium der künftigen Siemens Energy AG angeboten. Ob es der Aufsichtsrat oder ein anderes Gremium sei, könne Neubauer selbst entscheiden, sagte Kaeser in Berlin. „Ich möchte, dass die Jugend sich aktiv beteiligen kann. Der Konflikt zwischen Jung und Alt muss gelöst werden.“ Siemens will sein Energiegeschäft im Frühjahr als Siemens Energy abspalten und voraussichtlich im September an die Börse bringen.

Kaeser hatte mit Neubauer über die umstrittene Beteiligung von Siemens an einem Kohlebergwerksprojekt in Australien gesprochen. Sie wollte sich anschließend nicht zu Kaesers Angebot äußern. Fridays for Future fordert, dass Siemens aus dem Kohleprojekt aussteigt. Kaeser kündigte an, dass der Vorstand bis Montag darüber entscheidet.

Siemens hat einen Auftrag für die Schienen-Signalanlage der vom indischen Adani-Konzern geplanten Carmichael-Mine im australischen Bundesland Queensland. Umweltschützer kritisieren das Projekt. Sie warnen, die Verbrennung der Kohle in Indien und China werde die Klimaerwärmung verschlimmern; zudem seien vor Ort zahlreiche Tierarten bedroht.

Neubauer will überlegen

Fridays for Future demonstrierte am Freitag bundesweit in mehreren Städten gegen Siemens. Kaeser hatte Mitte Dezember angekündigt, die Lieferung von Signaltechnik für das Projekt auf den Prüfstand zu stellen.

Nick Heubeck von Fridays for Future hatte am Sonntag eine Petition gegen die Siemens-Beteiligung auf dem Portal Change.org gestartet. Laut dem Portal unterschrieben bis Freitag mehr als 57.000 Menschen. Proteste gegen Siemens gab es demnach in mehr als 30 Städten.

Heuberg verwies in seiner Petition auf die "beispiellosen Brände" in Australien. Die Adani-Mine werde die Klimakrise weiter befeuern, kritisierte er. "Das Verbrennen der dreckigen Kohle wird die Waldbrandgefahr weiter steigen lassen." Die klimapolitische Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion, Lisa Badum, erklärte, Siemens habe es sich zum Ziel gesetzt, bis 2030 klimaneutral zu werden und eine führende Rolle im Kampf für Klimaschutz einzunehmen. Eine Investition in den Klimakiller Kohlekraft sei damit „in keinster Weise vereinbar“. "Wenn Herr Kaeser sagt, dass jedes Unternehmen der Gesellschaft dienen sollte, dann hat er jetzt die Gelegenheit zu beweisen, dass er es ernst meint."

mik/dpa
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