Siemens Kleinfeld in der Warteschleife

Die Siemens-Aktie läuft blendend - doch Klaus Kleinfeld muss um sein Amt bangen. Führende Aufsichtsräte wollen die Vertragsverlängerung des Konzernchefs aufschieben, bis dessen Unschuld in der Schmiergeldaffäre hundertprozentig fest steht. Die Suche nach einem Ersatz hat schon begonnen.

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Berlin - Die Debatte steuert auf einen ersten Höhepunkt zu: Schon morgen wird der Aufsichtsrat bei Siemens Chart zeigen entscheiden, ob Kleinfelds Vertrag wie eigentlich an diesem Datum geplant verlängert wird - oder doch erst bei der nächsten Sitzung drei Monate später. Der aktuelle Vertrag läuft Ende September aus.

Siemens-Chef Kleinfeld (auf der Hauptversammlung im Januar): Umkehr der Beweislast
AFP

Siemens-Chef Kleinfeld (auf der Hauptversammlung im Januar): Umkehr der Beweislast

Kleinfeld-Skeptiker gibt es genug: "In Kreisen des Aufsichtsrats wird diskutiert, ob der Vertrag wirklich jetzt verlängert werden muss. Die Haltung ist, erst die Sachfragen zu klären und dann zu entscheiden", sagte eine mit der Situation vertraute Person laut Nachrichtenagentur Reuters. Entscheidend sei, definitiv zu beantworten, ob Kleinfeld in die Korruptionsaffäre verstrickt ist.

Die Vorbehalte würden speziell von Vertretern der Kapitalseite geäußert, ergänzte ein anderer Aufsichtsrat laut Reuters. "Die Frage ist, wann ist der richtige Zeitpunkt für eine Vertragsverlängerung." Unter Aspekten der vorbildlichen Unternehmensführung sei es kritisch, den Vertrag erst zu verlängern, wenn sich kurze Zeit darauf zeigen sollte, dass Kleinfeld doch in den Skandal involviert war.

Ausgerechnet Ackermann

Einer der Kleinfeld-Skeptiker sei Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann, heißt es. Dieser habe aus dem Mannesmann-Verfahren seine Lehren gezogen. Damals sei ihm vorgeworfen worden, als Konzernkontrolleur versagt zu haben. "Man kann das verstehen, dass er jetzt als Mitglied des Aufsichtsratspräsidiums kritische Fragen stellt." Die Deutsche Bank Chart zeigenwollte dazu keine Stellung nehmen.

Schon denken manche im Aufsichtsrat über Kleinfeld-Ersatz nach. Ackermann spreche mit externen Kandidaten, berichtet die "Financial Times Deutschland". Der Banker favorisiere Linde Chart zeigen-Chef Wolfgang Reitzle. Der allerdings teilte mit, er stehe nicht zur Verfügung. Der designierte Aufsichtsratschef Gerhard Cromme soll in die Gedankenspiele über Alternativen zu Kleinfeld eingeweiht sein - manche berichten sogar, Cromme selber sehe sich nach Kandidaten um.

Offiziell ist zu diesem Thema von Siemens nichts zu erfahren - lediglich, dass die Entscheidung über Kleinfelds Vertrag morgen nach wie vor auf der Tagesordnung stehe. Ende der Durchsage.

Kleinfeld-Fans: "BenQ war voll in Ordnung"

Bisher ist kein Material aufgetaucht, das Kleinfeld belastet. Doch die Ermittlungen finden in bedrohlich nahem Umfeld statt. Hinzu kommt ein Bericht des "Wall Street Journal", in dem Korruptionsfälle einer Siemens-Tochtergesellschaft in den USA beschrieben werden - just zu der Zeit, als Kleinfeld die US-Geschäfte leitete. Jetzt, wo Kleinfelds Amtsvorgänger und Aufsichtsratschef Heinrich von Pierer sein Amt zur Verfügung gestellt hat, ist auch der letzte Schutzschild weg.

An der Börse immerhin gibt es genügend Kleinfeld-Fans: Der Chef gilt als Sanierer par excellence. Die Siemens-Aktie verlor heute im frühen Handel 1,6 Prozent. Die Investmentbank Morgan Stanley Chart zeigenwarnte vor einem Wechsel an der Siemens-Spitze: "Wir glauben ganz klar, dass eine Ablösung Kleinfelds deutlich negative Folgen auf den Kurs der Siemens-Aktie hätte."

Ein Händler sagte: "Die Frage, die man sich stellt, ist, weswegen soll der Kleinfeld ausgewechselt werden? Hat er Dreck am Stecken? Eigentlich hat er doch einen guten Job gemacht. Kapitalistisch gesehen war auch BenQ voll in Ordnung."



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