Siemens Löscher will Evolution statt Revolution

Korruption, Rücktritte, Verhaftungen: Der krisengeschüttelte Siemens-Konzern hatte es nicht leicht in den vergangenen Monaten. Der neue Chef des Elektronik-Unternehmens, Peter Löscher, kündigte deshalb an, bei seinem Amtsantritt behutsam vorzugehen.


Nürnberg - Notwendig sei eine Evolution, keine Revolution, sagte Löscher gestern Abend in Nürnberg. Wer erwarte, dass mit seinem Start bei dem Konzern eine Revolution beginne, den müsse er enttäuschen. Notwendige Veränderungen werde er aber in die Wege leiten.

Neuer Siemens-Chef Peter Löscher: "Freue mich sehr auf den Job"
DPA

Neuer Siemens-Chef Peter Löscher: "Freue mich sehr auf den Job"

"Ich freue mich sehr darauf, meinen Job bei diesem Unternehmen zu beginnen", sagte der 49-Jährige weiter. "Es ist eine große Ehre." Er wolle in den ersten drei Monaten zunächst den Konzern und dessen Mitarbeiter kennen lernen. Seine erste große Dienstreise werde ihn außerdem in die Wachstumsmärkte Indien, China und Japan führen.

Vor dem Hintergrund des Schmiergeldskandals bei Siemens sagte er, oberste Priorität habe das Thema Compliance. Löscher muss Siemens durch strafrechtliche Untersuchungen führen. Derzeit ermitteln die Münchner Staatsanwaltschaft, europäische Strafverfolgungsbehörden, das US-Justizministerium und die US-Börsenaufsicht SEC wegen mehrerer mutmaßlicher Korruptionsfälle.

Siemens Chart zeigen hat Löscher Mitte Mai als Nachfolger von Klaus Kleinfeld vorgestellt. Der 49-Jährige war bislang Chef der Gesundheitssparte bei dem US-Pharmaunternehmens Merck Chart zeigen. Vor dieser Tätigkeit war der Österreicher beim Siemens-Wettbewerber General Electric Chart zeigen, für Höchst sowie die später fusionierte Aventis in verschiedenen Funktionen in Deutschland, Spanien Großbritannien, Japan und den USA tätig. Löscher tritt offiziell am 1. Juli die Nachfolge von Kleinfeld an. Er nahm am Montag aber bereits an einer Vorstandssitzung bei Deutschlands größtem Elektrokonzern teil.

Kleinfeld hatte Ende April angekündigt, nicht für eine Verlängerung seines bis zum 30. September laufenden Vertrags zur Verfügung zu stehen. Als Grund nannte Kleinfeld vor allem die mangelnde Rückendeckung durch den Aufsichtsrat. Das Gremium hatte Kleinfeld die Vertragsverlängerung verweigert und dabei auf den Druck der wegen der mutmaßlichen Schmiergeldzahlungen ermittelnden US-Behörden verwiesen.

sam/AP/dpa/vwd

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