Siemens Neuer Vorstand, neuer Aufsichtsrat, neuer Wirtschaftsprüfer

Zweite Runde beim Siemens-Umbau: Der Technologiekonzern verjüngt nach dem Vorstand jetzt auch den Aufsichtsrat. Sieben Mitglieder sollen ausgewechselt werden. Auch ein neuer Wirtschaftsprüfer wird gesucht.


München – Endgültig wird die Entscheidung erst im Januar: Um die sieben Kontrolleursposten neu zu besetzen, bedarf es erst der Zustimmung der Anfang 2008 zusammenkommenden Hauptversammlung. Der Großumbau im Aufsichtsrat steht deshalb auch in der Einladung zu dem Treffen - damit bestätigten sich mehrere Medienberichte vom Wochenende.

Siemens-Zentrale in München: Der Konzern kommt nicht zur Ruhe
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Siemens-Zentrale in München: Der Konzern kommt nicht zur Ruhe

Das prominenteste Aufsichtsrats-Mitglied, das gehen soll, ist Peter von Siemens Chart zeigen, Ururenkel des Konzerngründers Werner von Siemens und der letzte Träger des Familiennamens im Kontrollgremium. Er hatte im August die bei Siemens übliche Altersgrenze von 70 Jahren erreicht. Sein Nachfolger als Vertreter der Familie soll der Berliner Konzernrepräsentant Gerd von Brandenstein sein.

Ebenfalls neu ins Kontrollgremium von Siemens einziehen sollen MAN-Chef Hakan Samuelsson, Allianz-Chef Michael Diekmann, die Chefin des Maschinenbauers Trumpf, Nicola Leibinger-Kammüller, Saint-Gobain-Aufsichtsratschef Jean-Louis Beffa, der Präsident der Max-Planck-Gesellschaft Peter Gruss sowie der frühere E.on-Finanzvorstand Hans Michael Gaul.

Erst vergangene Woche hatte der Aufsichtsrat Konzernchef Peter Löscher grünes Licht für eine grundlegende Umstrukturierung des Unternehmens gegeben, in deren Rahmen unter anderem der Vorstand radikal verkleinert wird. Mit dem Umbau will Löscher die Konsequenzen aus der Schmiergeldaffäre ziehen.

Feldmayer soll nicht entlastet werden

Der ehemalige Vorstand des Münchener Technologiekonzerns Siemens Johannes Feldmayer soll nach dem Wunsch von Aufsichtsrat und Vorstand auf der kommenden Hauptversammlung deshalb auch nicht entlastet werden. Wegen der "gegen ihn erhobenen Vorwürfe" solle die Entscheidung vertagt werden, heißt es in der Einladung zu der Versammlung. Die Abstimmung soll deshalb für jedes Vorstandsmitglied einzeln erfolgen. Gegen Feldmayer ermittelt die Staatsanwaltschaft im Zuge der Schmiergeldaffäre und der Affäre um Zahlungen an die Gewerkschaft AUB.

Siemens sucht nun außerdem einen neuen Wirtschaftsprüfer und wendet sich damit offenbar von dem langjährigen Bilanzprüfer KPMG ab. "Im Verlauf des laufenden Geschäftsjahres ist eine Neuausschreibung für die Position des Abschlussprüfers und des Konzernabschlussprüfers sowie des Prüfers für die Durchsicht des Zwischenberichts für das Geschäftsjahr 2008/09 vorgesehen", heißt es in der Einladung zur Hauptversammlung im Januar.

KPMG war in der Korruptionsaffäre bei Siemens in die Kritik geraten und auch von der Staatsanwaltschaft durchsucht worden. Siemens-Aufsichtsratschef Gerhard Cromme hatte die Prüfer im Frühjahr dafür gescholten, dass sie den Prüfungsausschuss des Aufsichtsrats nicht rechtzeitig über Defizite der internen Kontrolle informiert hätten. Bei der Hauptversammlung in diesem Jahr hatten auch Aktionäre wie die Deutsche-Bank-Fondstochter DWS gefordert, KPMG vor die Tür zu setzen.

Der Siemens-Aufsichtsrat bescheinigte KPMG aber, keine Fehler gemacht zu haben. Bei den "bisherigen Untersuchungen der Ermittlungsbehörden" hätten sich "keine Zweifel an der Qualität der Abschlussprüfung durch die KPMG ergeben". Der Fortgang und die Ergebnisse der Ermittlungen würden aber "aufmerksam beobachtet", hieß es.

ase/dpa-AFX/Reuters



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