Siemens Panzer-Sparte soll verkauft werden

Siemens will seine Beteiligung an den Panzerfabriken von Krauss-Maffei Wegmann möglichst rasch versilbern. Noch in diesem Jahr solle der Vertrag unterzeichnet werden, so Siemens-Chef von Pierer. Schon blühen Spekulationen über den möglichen Käufer.


Verkaufsschlager: Der "Leo 2", hier bei einer Verkaufzeremonie für das schwedische Heer, wurde nach Angaben von Krauss-Maffei-Wegmann bisher 3000-mal abgesetzt
AP

Verkaufsschlager: Der "Leo 2", hier bei einer Verkaufzeremonie für das schwedische Heer, wurde nach Angaben von Krauss-Maffei-Wegmann bisher 3000-mal abgesetzt

München - Der 49-prozentige Anteil an Krauss-Maffei Wegmann (KMW) gehört erst seit 2000 zum Konzern, aber recht glücklich war Siemens offenbar nie mit der Beteiligung. Nachdem seit Monaten über einen Verkauf spekuliert wird, bestätigte der Siemens-Chef nun der "Financial Times" ("FT"): "Wir wollen das verkaufen und das Geld dafür haben - je früher desto besser. Es gibt keinen Handlungsdruck, aber wir hoffen, dass wir uns bis Ende 2002 von diesem Geschäft getrennt haben".

Der Konzern spreche mit anderen Gruppen über den Verkauf der Beteiligung. Sie gehörte zuvor zum Industriegeschäft von Mannesmann, war aber nach der Übernahme durch Vodafone weiter gereicht worden. KMW erzielte zuletzt einen Jahresumsatz von rund 730 Millionen Euro. KMW ist Generalunternehmer für die Produktion des deutschen Kampfpanzers Leopard 2 (Eigenwerbung: ein "wahrhaft internationales Waffensystem"), der bisher 3000-mal an insgesamt sieben Nationen verkauft wurde.

Nach Informationen der "FT" ist Anfang des Jahres eine Verkaufssperre für den KMW-Anteil ausgelaufen. Die Mehrheit an KMW gehört der Kasseler Familie Bode.

Siemens spielt nun eine Schlüsselrolle bei der Entscheidung, wie die europäischen Heerestechnik-Industrie in Zukunft strukturiert sein wird. Bisher ist dieser Industriezweig, anders als etwa die Luftfahrtindustrie, weitgehend national organisiert und wird von kleineren Konzernen dominiert. Als möglicher Käufer der KMW-Anteile gilt das britische Unternehmen Alvis Vehicles, das zusammen mit KMW und Rheinmetall am Bau eines gepanzerten Transportkraftfahrzeugs (GTK) beteiligt ist.

Von Pierer räumte ein, man könne die Beteiligung nicht einfach meistbietend verkaufen, sondern müsste auch die staatlichen Interessen an der wichtigen Rüstungsindustrie bedenken.

Bereits im Herbst war darüber spekuliert worden, der KMW-Anteil der Münchner solle an die US-Konzerne United Defense, General Dynamics oder aber an Rheinmetall verkauft werden. Diese Berichte wurden aber umgehend dementiert.

Aus Sorge um den Verlust von Know-how und Arbeitsplätzen hatte sich die Bundesregierung im Herbst 2000 um ein Zusammengehen von KMW und Rheinmetall sowie eine strategische Allianz der beiden Firmen mit Diehl, dem dritten großen deutschen Waffen- und Munitionshersteller, bemüht.



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